Die Schlitzmaschine ist gelandet

Sigmar Gabriel steht "endlich" wieder offiziell auf der Seite von "Mutti" Merkel. Foto: dpa

Siggi Gabriel ist jetzt von Amts wegen verpflichtet, Wind zu machen. Derweil fummelt sich in Hessen eine unglaubliche Koalition zusammen.

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. Es war am vergangenen Samstag, und wir hörten im Radio bruchstückhaft, dass Mondfee gelandet sei und der Jadehase seine Arbeit aufnehme. Just zu jener Zeit stand in Berlin die Ziehung der SPD-Lottozahlen an, in Fachkreisen auch das Hochleistungsschlitzmaschinen-Massaker genannt, oder auch "Groko zeigt Zähne". Also, der Mitgliederentscheid wurde ausgezählt, wobei, er wurde nicht ausgezählt, sondern gewann durch K. o. So, und da dachten wir, die Mondfee Andrea Nahles habe sich schon in ihren MinisterInnen-Sessel geworfen. Dass das Radio Gabriel "Jadehase" nannte, nun ja, diese öffentlich-rechtlichen Sender schrecken ja vor nichts zurück, um gegen "Bauer sucht Frau" anzustinken. Außerdem: Dass Gabriels Ehefrau, eine Zahnärztin (Mutti, Mutti, er hat überhaupt nicht gebohrt) ihn vertraulich "mein Hase" nennen könnte, oder - wegen Jade - "mein Schmuckstück": denkbar. Wir waren dann bitter enttäuscht, dass die Radiomeldung sich nur darauf bezog, dass die Chinesen mit der Rakete "Mondfee", wahrscheinlich einem Plagiat der US-Saturn, auf dem Mond gelandet waren, und das Fahrzeug, das jetzt irgendwelches Zeugs, das die Amis damals vergessen haben, einsammeln soll, eben "Jadehase" heißt;mal sehen, wie das Ding da rumhoppelt.

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Böse Zungen sagen, das müsse man sich noch mal ganz genüsslich reinziehen:Mieses Ergebnis 2009, nix gelernt, nix kapiert, erneut die Wahl versaut, aber plötzlich dicke Hose Bundesregierung! SPD live in concert. Willy würde sich im Grab umdrehen. Und Gabriel ist jetzt Minister fürs Wirtschaften und Windmachen...also, für Energie. Ökostrom und so. Wir werden ihn, auch in der Hoffnung, dass er nicht noch dicker wird, fürderhin Stromlinien-Siggi nennen.

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Diese Mitgliederentscheidsauszählung mit der Schlitzmaschine! Ganz große Oper. Wir waren gedanklich so benebelt, dass unsere Visionen eine Woche zurückgingen: Da hatte die Fifa die Spielorte und -zeiten für die WM nächstes Jahr in Brasilien verkauft...also, ja. Analog hätte man ein neues Showformat machen können: die Auslosung der Gruppen für die Groko. Ziehungsfee:Loddar Maddäus. Gut, der hätte erst ein bisschen gemosert: "Ein Loddar Maddäus sucht sich die Hochleistungsschlitze schon selbst aus und lässt sich nicht in einen Dopf werfen!" Aber was ein alter Fußballer ist, der fügt sich, auch wenn der nächste Schlitz immer der schwerste ist.

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Der Blatter Sepp wollte dann noch dazwischenfunken, aus seiner Jackentasche lugte ein großer brauner Umschlag. Dieser Seppl wollte tatsächlich Katar mit einer Wildcard in eine Spielgruppe schmuggeln, verriet sich dann aber, indem er aus Versehen von "Mastercard" sprach.

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Eine Auslosung der Groko-Spielgruppen würde folgendes Resultat bringen:Die SPD spielt gegen die Jusos, gegen ihren alten Angstgegner Gerhard Schröder und, damit es wenigstens ein bisschen lustig wird, gegen den SV Meppen. Die CDU muss antreten gegen Magic Horst Seehofer, gegen die CSU und vor allem gegen den Eindruck, die ganze CDU sei jetzt gegenüber der übermächtigen SPD nur noch sooo klein mit Hut und passe bequem in Muttis Einkaufstasche. SPD-Coach ist übrigens Helmut Schmidt, der seinem Team das Rauchen befiehlt.

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Derweil fummeln sie sich im wunderbarsten aller Bundesländer, Hessen, in aller Seelenruhe ein unglaubliches Ding zurecht. Der CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier, wir erinnern uns: von blondmetallic auf naturgrau umfrisiert, koaliert mit den Grünen! Was, wie wir der FAZ entnehmen, dem Grünen-Chef Tarek Al-Wazir familiären Ärger einbringt. Nun, wir kennen ja unsere Mütter. "Bub, es ist kalt draußen. Hast Du auch die langen Unterhosen eingepackt und Dein Pausenbrot!?" Gut, der kleine Tarek ist 42 und, da in Offenbach geboren, ganz hart im Nehmen. Aber seine Mutter Gerhild Knirsch, gestählt als Startbahn-West-Gegnerin, hat ihrem Sohn vorausgesagt, dass er mit Schwarz-Grün wegen der Flughafenpolitik eine "krachende Niederlage" erleiden wird. Offenbar passt ihr Schwarz-Grün so gar nicht. Aber, aber, liebe Frau Knirsch, diese CDU, das sind jetzt nicht mehr so die gaaaanz ganz bösen Jungs aus den Rolando-Brutalo-Zeiten. Lehnen Sie sich zurück und hören Sie sich einfach dieses wunderbare Lied an, das Heintje 1968 zu Weihnachten sang: "Maaamaa, Du sollst doch nicht um Deinen Jungen weinen..." Selbst dann nicht, wenn er mit den Schwarzen koaliert.