Die Hand Shinjis und die Folgen

Shinji Okazaki erzielte das vermeintliche Führungstor gegen Freiburg deutlich sichtbar mit der Hand. Foto: dpa

Vielleicht ist es ja ganz gut, dass Shinji Okazaki der deutschen Sprache kaum mächtig ist. So blieb dem Japaner in Mainzer Diensten weitgehend erspart, was da in den...

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. Vielleicht ist es ja ganz gut, dass Shinji Okazaki der deutschen Sprache kaum mächtig ist. So blieb dem Japaner in Mainzer Diensten weitgehend erspart, was da in den vergangenen Tagen alles über ihn gesprochen und geschrieben wurde. Betrüger, Täuscher, Schmierenkomödiant, Pfuschhandwerker, Schummler, Hütchenspieler - die Liste der medialen Beschimpfungen ist lang und wenig schmeichelhaft. Auslöser war Okazakis nicht gegebenes Handtor am vergangenen Samstag beim 2:0 der 05er gegen den SCFreiburg und sein Verhalten danach.

Verbal abgewatscht

Okazakis Aktion, das steht außer Zweifel, war voll daneben. Den Ball absichtlich mit der Hand ins gegnerische Tor zu bugsieren, ist grob unsportlich und hätte laut Regelwerk zwingend die Gelbe Karte nach sich ziehen müssen. Es ist sogar zu überlegen, ob Täuschungsmanöver dieser Art grundsätzlich mit Rot bestraft werden sollten. Auch dass der 05-Torjäger, wie es Freiburgs erboster Keeper Oliver Baumann formulierte, "nicht die Eier hatte", umgehend aktiv zur Aufklärung der Szene beizutragen, wirft kein gutes Licht auf ihn. Dass er dafür von einigen Journalisten verbal abgewatscht wurde, muss er sich gefallen lassen.

Immerhin konnte Okazaki den (Image-)Schaden begrenzen, indem er sich am Tag darauf reumütig zeigte und sich über die Homepage des Vereins öffentlich für sein Fehlverhalten entschuldigte. Und zu seiner Entlastung ist anzuführen, dass er sich in besagter Situation in einem emotionalen Ausnahmezustand befand: gefeiert von den eigenen Fans, bejubelt von den Teamkollegen und bedrängt von aufgebrachten Gegenspielern. Wer macht da schon alles richtig? Dass er jeglichen Torjubel unterließ, hätte der Schiedsrichter durchaus als Schuldeingeständnis registrieren können, wenn er genau hingeschaut hätte. Außerdem steht Okazaki nun wirklich nicht im Verdacht, ein unfairer Sportsmann zu sein. Er hat im bisherigen Saisonverlauf - obwohl in allen 19 Spielen eingesetzt - noch nicht eine Gelbe Karte gesehen. Her mit dem Videobeweis

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Ein ganz anderer Aspekt dieser unrühmlichen Geschichte: Okazakis Handtor hat wieder einmal gezeigt, wie unsinnig es ist, im Fußball den Videobeweis hinzuzuziehen, um etwa einen Spieler nachträglich einer Tätlichkeit zu überführen, ihn aber außer Acht zu lassen, wenn es darum geht, während des Spiels strittige Situationen aufzulösen. Dass dies ohne großen Aufwand möglich ist, haben andere Sportarten längst bewiesen. Im Hockey etwa kann der Schiedsrichter den "Umpire Referral" anfordern, um zu überprüfen, ob ein Tor korrekt erzielt worden ist. Gäbe es den auch im Fußball, wären leidige Diskussionen wie die um Stefan Kießlings Phantomtor und die Hand Shinjis hinfällig.

Rüdiger Lutterbach