Der Mogul und das Model

Das unterschiedliche Paar: Rupert Murdoch und Jerry Hall. Foto: dpa

Jerry Hall, die Ex von Mick Jagger, und Medien-Mogul Rupert Murdoch haben sich verlobt. Da steckt Brisanz drin. Denn eine frühere Ehefrau Murdochs erzählt Dinge über den...

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. Glücklicherweise gibt es auch noch schöne Nachrichten. Zum Beispiel wird uns immer ganz warm ums Herz, wenn zwei Menschen in echter inniger Liebe zueinander finden. „Rupert Murdoch heiratet die ultimative Trophäenfrau“, lesen wir in der wunderbaren Zeitung „Die Welt“. Murdoch, Medienmogul, kennt man. Trophäenfrau? Nun, wir dachten immer, das sind Ehefrauen, die die an der Wand hängenden Geweihe (Hörner) ihres Mannes polieren. Ob sie ihm die vorher aufgesetzt haben? Woher sollen wir das wissen! Also, Murdoch (84) und Jerry Hall (59), Ex-Supermodel und Ex von Mick Jagger, haben sich verlobt, so lesen wir. Gut. „Hall“, das ist in aller Regel was Sicheres, Solides. Denken wir nur an „Hall of Fame“, Schwäbisch Hall oder gerade in der dunklen und kalten Jahreszeit an Hallenfußball.

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Der Mogul und das Model haben schon eine gewisse Lebenserfahrung, das ist immer gut. So ist man vor Überraschungen gefeit. Wir lesen zum Beispiel in der „Welt“, dass Murdoch mal mit einer Wendy verheiratet war, und jene schrieb dann in ihren Erinnerungen, sie habe sich kurzfristig in den damaligen britischen Premier Tony Blair verliebt – Achtung, jetzt ganz stark sein: wegen Blairs „tollen Beinen“!

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Als wir aus dem Koma aufgewacht sind, haben wir unsere eigenen Beine betrachtet und reflektieren jetzt ganz kühl: Wendy stützt (!) doch nur die These, wonach sich extrem viele Frauen ihre Männer nur wegen der Schönheit dieser Männer aussuchen, und die allermeisten Männer ihre Frauen nur wegen der inneren Werte dieser Frauen, was auch immer man darunter versteht. Also: Alles total im Lot.

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Sie: „Schaaatz, Du könntest Dir mal wieder Deine Beine epilieren!“

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Tom und Jerry, pardon, Murdoch und Jerry Hall haben sich also verlobt, wie wir lasen. Nun, wir dachten immer, das Institut der Verlobung habe seine besten Zeiten hinter sich. Wir Älteren erinnern uns: 1963, Kinofilm „Der Musterknabe“ (!), Peter Alexander und Cornelia Froboess sangen: „Verliebt, verlobt verheiratet“. In den heutigen Promi- und Medienzeiten läuft das eher nach dem Muster „schwanger, verlobt, Facebook, Dschungelcamp“. Es gab dann auch früher schon ein paar gehässige Definitionen, zum Beispiel, sich verloben bedeute, sicherstellen und weitersuchen. Gerne zitiert wurde in diesem Zusammenhang dann auch immer „Das Lied von der Glocke“, Friedrich Schiller 1799: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet//Ob sich das Herz zum Herzen findet.“ Der zweite Satz wurde vom Volksmund oft umgedichtet in „Ob sich nicht was Bess‘res findet.“ Unumstritten dann aber wieder des Dichters Schlussfolgerung: „Der Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang.“

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Auch juristisch ist das Institut der Verlobung sehr interessant. Die Mutter aller Verlobungsnormen ist der Paragraf 1297 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB): „Aus einem Verlöbnis kann kein Antrag auf Eingehung der Ehe gestellt werden. Das Versprechen einer Strafe für den Fall, dass die Eingehung der Ehe unterbleibt, ist nichtig.“ Ob mit einer „Strafe“ im Sinne des letzteren Satzes auch gewisse Peitschen-Praktiken unter dem Motto: „Ruuuf! Mich! An!“ gemeint sind, ist unklar.

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Geradezu legendär in der juristischen Welt ist im Zusammenhang mit der Verlobung das sogenannte „Kranzgeld“. Im Paragrafen 1300 BGB hieß es früher, „wenn eine unbescholtene Verlobte ihrem Verlobten die Beiwohnung gestattet“ habe, dann könne sie für den Fall, dass der Verlobung keine Hochzeit folgt, vom Verlobten „eine billige Entschädigung in Geld verlangen“. Nun, eine Menge schwierigster Begriffe. Unbescholten? Billig?? Liebe Kinder, wie immer: Fragt die Mama. Nur eins vorweg: „Beiwohnung“ bedeutet nicht, dass in einem Haus ein Zimmer untervermietet wird. Im Übrigen denken wir nicht, dass der Aspekt „Kranzgeld“ zwischen Jerry Hall und Rupert Murdoch eine Rolle spielen könnte.

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Noch im Jahr 1968 klagte eine Frau vor dem Oberlandesgericht erfolgreich Kranzgeld ein, und zwar in Köln, wobei unklar ist, ob sich die Richter von der Kölner Lebensphilosophie „Et kütt, wie et kütt“ beeinflussen ließen. Dass der Kranzgeld-Bestimmung sodann im Zuge der 68er Bewegung und des fortschreitenden militanten Feminismus kein langes Leben mehr beschieden sein würde, schien klar. Bis zur stillen Beerdigung des Paragrafen 1300 dauerte es dann aber doch bis 1998. Ob es Zufall war, dass gerade in diesem Jahr 1998 Gerhard Schröder (vier Ehen) begann, das Zepter zu schwingen, ist unklar.