Der gedopte Schwartemagen

Olympische Nachwehen und Neues aus der wunderbaren Welt der Lederhose.

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. "Tags schuften, abends ausziehen, dazwischen Workout, Partys und Suff, das ist nichts, was man lange durchhält." Nun, verehrte Leserinnen und Leser, woher stammt dieser Satz wohl? Aus dem die öde Sommerpause glücklich überstanden habenden deutschen Bundestag, in dem ein gewisser Joschka Fischer einem angeheiterten Kollegen aus dem feindlichen Lager einst entgegenrief: "Aha, da kommt ja der schwankende Teil der Regierung."? Oder vom Traumschiff "MS Deutschland", auf dem die deutschen Olympioniken von London nach Hause schipperten, wobei man den Bord-Swimmingpool vorsichtshalber zugenagelt hatte, damit den deutschen Schwimmern nicht noch Schlimmeres geschah als bei den Wettkämpfen? Nein. Es geht um den Film der Woche. Geschildert wird dort das harte Leben einer Männer-Stripper-Show, und was das genau ist, liebe Kinder, das fragt ihr am besten mal die Mama. Der Film heißt "Magic Mike", aber wir wollen uns gar nicht groß mit so was abgeben, denn wir haben schließlich seit langer Zeit was viel Besseres, nämlich "Magic Horst", wie wir ihn nennen, den bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer. Eine Lederhose kommt allerdings in "Magic Mike" offenbar auch vor, so lesen wir, allerdings eine mit "Hintern-Dekolleté". Dies jedenfalls schreibt die wunderbare Süddeutsche Zeitung, und zwischen den Zeilen riecht man bei diesem ja schließlich in München erscheinenden Blatt, dass man Magic Horst - zieht den Bayern die Lederhosen aus - ja allerhand in puncto Lederhose zutraut, das aber dann doch nicht - wahrscheinlich. Viel Spaß, meine Damen, bei "Magic Mike".

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Noch mal zurück zur Olympia-Party auf der "MS Deutschland". Für die Schwimmer hatte man auch noch den Landungssteg verstärkt, damit sie ja nicht mit dem in Berührung kommen, was für sie die Hölle ist: Wasser. Unsere Springreiter, mit soliden 67. Plätzen oder so, sagten, so einen breiten Wassergraben hätten sie noch nie gesehen.

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Total gut druff die Ruderer. Maximilian Reinelt vom Goldmedaillen-Deutschlandachter spielte Klavier, lesen wir bei dpa, das Kommando "hau rein", das er kennt, mal ganz anders. Böse Zungen sagen: Die Jungs vom Achter hätten sich, falls die MS Deutschland absäuft, bereit erklärt, in die Rettungsboote zu springen und zu helfen - den Pferden der Reiter, den Fechterinnen, weil die immer so bestechend seien, nicht aber den Schwimmern, weil das Warmduscher seien, die sollten gefälligst aufs nächste U-Boot warten.

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Dass man als Journalist bei der optischen Gestaltung einer Seite wahnsinnig aufpassen muss, haben wir mal wieder am Dienstag in der wunderbaren Zeitung "Die Welt" gesehen. Da fällt unser Auge auf die recht groß geratene Zeile "Ich bin ein sehr glücklicher, dankbarer Mann", und nicht viel weiter unten sehen wir, weil das Auge auf optische Reize besonders reagiert, das Bild der weißrussischen Kugelstoßerin Nadeschda Ostaptschuk. Es ist aber alles ganz anders, hoffentlich, aber immerhin hat die "Welt" Frau Ostaptschuk recht uncharmant als "auffällig maskulin wirkend" beschrieben. Der "glückliche Mann" gehört aber zu einem ganz anderen Artikel, das Zitat stammt vom IOC-Präsidenten Jacques Rogge. Zu unserer Kugelstoßerin heißt es dann, den Dopingfahndern sei mit ihr "ein dicker (!!) Fisch" ins Netz gegangen. Sie hatte Anabolika genommen, was manche ja ohnehin für die falsche Schreibweise eines russischen Frauennamens halten, Anna Bolika. Frau oder wie auch immer Ostaptschuk hat aber nicht nur ihre Goldmedaille verloren, sondern damit auch die Zusage eines Sponsoren, lebenslang gratis mit Wurst versorgt zu werden, wobei es sich wahrscheinlich, weil sie ja Weißrussin ist, vorwiegend um Weißwürste gehandelt hätte.

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So, da hängt jetzt wieder mal alles mit allem zusammen. Denn die Sache mit "maskulin wirkend" erinnert uns Ältere fatal an zwei sowjetische Athletinnen und Goldmedaillengewinnerinnen der 60er Jahre, Irina und Tamara Press, die zunächst "Press Sisters" genannt wurden. Als sich Press & Press 1966 jedoch nach Einführung von Geschlechtertests schlagartig vom Wettkampfbetrieb zurückzogen, sprachen böse Zungen sehr schnell von den "Press Brothers". Völlig aus der Luft gegriffen erscheinen uns andererseits Gerüchte, wonach sich Press & Press abwechselnd noch während ihrer aktiven Sportlerzeit unter dem Künstlernamen Nikita Chruschtschow als Kremlchef etwas dazuverdienten und dann später als "Reiner Calmund" in der deutschen Fußball-Bundesliga. Ob Press & Press auch Wurstzusagen hatten? Wäre logisch, denn nicht umsonst ist Presskopf ja eine ganz berühmte Wurstsorte, die in unseren Regionen als Schwartemagen bekannt ist, was wiederum ein Beleg dafür ist, dass es in der Spitzenleichtathletik schon in den 60er Jahren zur Sache ging, dass die Schwarte krachte.

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Zur Ehre von Press & Press muss man darauf hinweisen, dass das Wort viele wichtige Bedeutungen hat. Wir alle kennen ja "Erpressung" und "Espresso". Auch die Begriffe "es pressiert", "entspresschend" sowie, in gewisser Weise, "Presservativ"spielen in der Umgangssprache eine wichtige Rolle. Wie meinen? "Pressearchiv"? Leute, ihr habt echt komische Assoziationen.