Dem Team hilft ein Nach-vorne-Peitschen

Mainzer Fans unterstützen ihr Team. Archivfoto: Harald Kaster

Für jede Situation auf dem Rasen die passende Anfeuerung auf den Rängen - wer das beherrscht, ist der 12. Mann. Gegen den VfB Stuttgart könnte das ganze Repertoire gefragt sein.

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. Von Bardo Rudolf

In der Hitliste der Fußball-Fans, die in den vergangenen Jahren am meisten frustrierende Momente erlebt haben, stehen die Anhänger des Hamburger SV in der Spitzengruppe. Umso verständlicher war es, dass sie am vergangenen Sonntag beim Bundesliga-Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 wenige Minuten vor Abpfiff "Oh, wie ist das schön. So was hat man lange nicht geseh’n" gesungen haben. Der HSV war die klar bessere Mannschaft und spielte einem sicheren Sieg entgegen - das gab es in den vergangenen Jahren nur selten. Als Shinji Okazaki mit seinem Treffer zum 1:2 die 05er überraschend noch einmal ins Spiel zurückbrachte und der Sieg der Gastgeber doch noch in Gefahr geriet, schalteten die HSV-Fans direkt in einen anderen Modus um. "H - S - V, H - S - V", brüllten die rund 40.000 Anhänger der Heim-Mannschaft in den ausstehenden Minuten und gaben so dem vom Kampfgeist lebenden Team auf dem Platz noch ein paar Extra-Prozent Leistungsfähigkeit.

Nun sind die 05er in einer ähnlich schwierigen Situation wie die Hamburger vor ihrem Spiel gegen Mainz. Bei der Begegnung des FSV am kommenden Samstag gegen den VfB Stuttgart ist der so häufig verwendete Begriff "richtungweisend" tatsächlich angebracht. Können die Mainzer eine ruhige Winterpause verbringen oder setzt sich die Krise fort? Das entscheidet sich gegen das Schlusslicht mehr noch als in den darauf folgenden Partien beim 1. FC Köln und gegen Bayern München. Und die 05-Fans können ihren Beitrag dazu leisten, dass der positive der beiden Fälle eintritt.

Damit kein Missverständnis aufkommt: In der Coface Arena herrscht eine besondere Stimmung. In keinem anderen deutschen Bundesliga-Stadion werden die gegnerischen Mannschaften so fair und respektvoll behandelt wie in Mainz. Das ist großartig und soll auch so bleiben. Ebenso werden die Anhänger nicht müde, 90 Minuten lang zu singen und so für Atmosphäre zu sorgen. Genauso wichtig ist es aber gerade jetzt, die Mannschaft in entscheidenden Momenten einmal nach vorne zu peitschen. Wenn das ganz Stadion F - S - V, F - S - V" brüllt, hilft das dem Team. Bei den vergangenen Heimspielen gegen Bremen und Freiburg gab es dies nur in Ansätzen. Gegen Stuttgart sollte bei einem engen Spielstand mehr davon kommen. Damit das Wort "Krise" nicht unterm Weihnachtsbaum auftaucht.