Dem Nachwuchs (k)eine Chance?

Neuer Chefcoach beim VfB Stuttgart: Thomas Schneider. Foto: dpa

Nachwuchstrainer über Nacht zum Chef der Profis zu befördern, ist in der Fußball-Bundesliga gerade ganz groß in Mode. Nicht immer klappt das so gut wie bei Mainz 05.

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. Von Ulrich Gerecke

Marcus Sorg und Christian Streich in Freiburg, Sascha Lewandowski in Leverkusen, Markus Gisdol in Hoffenheim und jetzt also Thomas Schneider in Stuttgart - Nachwuchstrainer über Nacht zum Chef der Profis zu befördern, ist in der Fußball-Bundesliga gerade ganz groß in Mode. Wo das Vorbild für einen solchen Schachzug liegt, spricht zwar keiner offen aus, man kann es sich jedoch gut ausmalen, was manch ein Manager oder Sportdirektor bei diesem "jugendlichen Leichtsinn" denken mag:

"Vielleicht zaubere ich ja einen zweiten Thomas Tuchel aus dem Hut!"

Tuchel bekam keinen Scherbenhaufen vorgesetzt

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Den heutigen Trainer des FSV Mainz 05 kannte schließlich auch niemand, als er am 3. August 2009 - kurz nach dem blamablen Pokal-Aus in Lübeck, kurz vor dem Saisonstart und für Außenstehende völlig überraschend - den Posten von Jörn Andersen übernahm. Die 05-Tuchel-Erfolgsstory der vergangenen vier Jahre dürfte manch einen Bundesliga-Manager jetzt auf den Nachahmungs-Geschmack gebracht haben.

Das Prinzip "Gut kopiert ist besser als schlecht erfunden" greift allerdings nicht immer und überall. Zur Erinnerung: Tuchel übernahm eine grundsätzlich intakte Mannschaft, die einfach keinen Draht zum Trainer mehr hatte, aber keinen Scherbenhaufen à la Hoffenheim oder Stuttgart. Und Manager Christian Heidel hatte den Meistermacher seiner A-Junioren lange genug beobachtet, um sich ganz sicher sein zu können: Der bringt auch unsere Profis weiter. Ob das jeder seiner Kollegen von sich behaupten kann?

Man kann Nachwuchsführungskräfte auch verheizen, wenn man ihnen Himmelfahrtskommandos aufbürdet. In Mainz war diese Gefahr mit Tuchel nie vorhanden, weil die Voraussetzungen stimmten. Dass das nicht immer der Fall sein muss, sollte Heidels Kollegen klar sein. Beispiele, wie es schief gehen kann, gibt es genug.