Déjà-vu für Oranje: WM-Vize fordert Weltmeister heraus

Nigel de Jong trifft Xabi Alonso mit dem Schuh direkt auf der Brust. Archivfoto: dpa

Niederlande gegen Spanien klingt nach vorweg genommenem WM-Finale. Weil es 2010 eins war. Und weil Weltstars - Robben, van Persie, Sneijder - gegen Weltstars - Casillas, Xavi,...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Der niederländische Nationalspieler Rafael van der Vaart wird sich sehr ungern an den 11. Juli 2010 erinnern. Es ist etwa 22.45 Uhr in Johannesburg, der Mittelfeld-Stratege des Oranje-Teams kommt für "Kungfu-Fighter" Nigel de Jong - der dem Schiri danken sollte, dass er nach der Härte der ersten Hälfte überhaupt noch ausgewechselt werden konnte - ins Team, und nur 17 Minuten später kann Van der Vaart nach einem missglückten Pass nur zusehen, wie Iniesta den Ball zum 1:0 und dem damit historischen Erfolg für Spaniens Team versenkt. Oranje, nach den Vize-Weltmeisterschaften 1974 (in Deutschland) und 1978 (in Argentinien), in Südafrika erstmals wieder ganz nah dran am ersten Weltmeistertitel. Und dann dieser Ausgang.

Die Fußball-Nation der Niederlande dürfte an diesem Freitag einen Déjà-vu-Effekt haben. Denn in Salvador geht es im ersten WM-Spiel nach Johannesburg wieder gegen Spanien. Wieder sind die Iberer der Favorit, wieder warten mit Iker Casillas, Sergio Ramos, Andrés Iniesta, Gerard Piqué, Xavi oder David Villa Weltklasse-Spieler darauf, dem Vizeweltmeister eine ebenso schmerzliche Niederlage zuzufügen. In einer Gruppe mit Chile und Australien geht es bereits im ersten Spiel darum, die Weichen für das Achtelfinale zu stellen. Wer verliert, bekommt Druck. Ein Vorteil für Oranje gegenüber 2010: Van der Vaart ist diesmal gar nicht dabei.

Stark verändertes Team

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Überhaupt hat sich das Gesicht der "Krachten-Kicker" im Gegensatz zu dem weitestgehend identischen Kader der Spanier deutlich verändert. Nur noch sieben Spieler von 2010 sind im aktuellen WM-Kader, mit Wesley Snijder, Dirk Kuijt, Arjen Robben, Robin van Persie und de Jong haben fünf Spieler die Finalniederlage unmittelbar in den Knochen. Martins Indi, de Vrij, Kongolo, Depay, Clasie sind, auch wenn sie bei Vereinen mit klangvollen Namen - Feyenoord Rotterdam und PSV Eindhoven - unter Vertrag stehen, international doch eher unbeschriebene Blätter. Doch auch wenn den Spaniern um Erfolgstrainer Vicente del Bosque ein weiterer WM-Sieg durchaus zuzutrauen ist, haben die Niederländer durchaus Asse im Ärmel.

So ist der stark verjüngte Kader gerade in dieser Déjà-vu-Partie durchaus von Vorteil. Während die Final-Fünf noch eine Rechnung offen haben, gehen die anderen Spieler völlig unbelastet in das erste Vorrunden-Spiel. Hinzu kommt, dass Klaas-Jan Huntelaar diesmal mehr sein wird als ein Bankdrücker, wie 2010. Der Schalker Stürmer hat in der abgelaufenen Saison nach seiner Verletzungspause getroffen, wie er wollte und kann auch als Einwechselspieler sein Tor machen. Das größte Plus ist aber Trainer Louis van Gaal. Denn der Trainerfuchs kann nicht nur Strategie und Motivation, sondern auch Titel. Auch wenn der 62-Jährige bei seinem ersten Versuch als Bondscoach sogar die Qualifikation zur WM 2002 in Japan und Südkorea verpasste, hat er seine Stärken seit den 1990er Jahren mit Meisterschaften, Pokal- und Europapokal-Erfolgen mit Ajax Amsterdam, FC Barcelona, AZ Alkmaar und dem FC Bayern München unter Beweis gestellt.

Durchwachsene Tests

Die Niederlande will alles daran setzen, die bittere Niederlage von Johannesburg wiedergutzumachen. Ob das dann gegen den amtierenden Weltmeister genug ist, wird man nach eher durchwachsenen Vorbereitungsspielen sehen. Rafael van der Vaart jedenfalls wird genau hingucken, wer an seiner Stelle den Platz im Mittelfeld einnimmt und ob der einen Fehler weniger macht als er selbst.

Am nächsten Spieltag widmen wir uns Griechenland, dem Klassiker England-Italien und Japan.