Corona-Krise: Existenzängste bei Studenten

aus Coronavirus-Pandemie

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Besonders in der Gastronomie sind vielen Studierenden die Jobs weggebrochen. Foto: dpa

Tagsüber lernen, abends kellnern: So machen das viele Studierende. Doch in der Corona-Krise sind viele Nebenjobs weggebrochen. Wer besonders betroffen ist und wo es Hilfe gibt.

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REGION. Für viele ist es die beste Zeit des Lebens: das Studium. Endlich selbst entscheiden, was man noch lernen will, wie man sich die Zeit einteilt, was mal aus einem wird. Früher galt das wohl sogar noch häufiger. Seit an unseren Hochschulen Bachelor- und Masterabschlüsse verteilt werden, richten über viele Studierende eng getaktete Stundenpläne und Karrieredruck.

Wenn Mama und Papa kein Geld zuschießen können oder wollen und es auch kein BAFöG gibt oder der staatliche Zuschuss nicht ausreicht (oder aber auch schlichtweg der Urlaub ein bisschen üppiger ausfallen soll), heißt es: Jobben. Morgens im Hörsaal hocken, nachmittags im Büro Excel-Tabellen pflegen oder abends Cocktails mixen. Der Alltag vieler Studierender.

Und dann kam Corona.

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Der Personalvermittler „Studitemps“ und die Uni Maastricht haben im Sommer 2019 eine Studie zur Lebenssituation deutscher Studierender veröffentlicht. Die Frage nach den Nebenjobs (mehrfach Antworten waren möglich) zeigt: Mehr als jeder Dritte Nebenjobber arbeitet in der Gastronomie oder in Büros.

Während Kneipen und Restaurants dicht sind, erhielten in Büros einige Studierende die Kündigung, da die Kurzarbeitsregelungen nicht für geringfügig Beschäftigte oder Werkstudenten gelten. Und auch im Einzelhandel gibt es Betroffene – wenn sie nicht gerade im Supermarkt arbeiten.

Amine El Brini studiert in Darmstadt Bauingeniuerwesen. Der 30-Jährige ist verheiratet und seit fünf Monaten Vater. Neben dem Studium arbeitet er in einem Büro und als Fahrer einer Lebensmittelfirma. Beide Jobs sind ihm weggebrochen.

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Im Video erzählt er von seiner aktuellen Lage.

Alleine ist Amine El Brini mit seiner Situation nicht. Doch es gibt keinen einfachen Plan, nach dem Studierenden in finanzieller Not geholfen werden kann. Der Einzelfall, die konkreten Probleme entscheiden über die Lösung.

Wie komplex und wie prekär die Situation einiger Studierender ist, zeigt sich in den Studierendenwerken. Hier gibt es die Sozialberatung für alle, die in was für Probleme auch immer geraten sind. Seit Mitte März ist die Ursache aber fast überall die selbe: die Pandemie.

Im Interview erzählt Gaby Ruschka von der Sozialberatung des Studierendenwerks Darmstadt, welche ganz konkreten Probleme die Studierenden haben und welche Lösungsvorschläge sie und ihre Kollegen und Kolleginnen aufzeigen können.

Auch wenn der große Run auf die Spargelfelder ausgeblieben ist, so sind doch einige Studierende fündig geworden: In Supermärkten zum Beispiel, die gerade kaum hinterher kommen, die Regale wieder aufzufüllen.

Freilich findet nicht jeder kurzfristig eine Stelle im Markt um die Ecke. Bei „Rewe“ aber berichten sie dennoch von einem großen Zulauf an Verstärkung.

Auch Personalvermittler „Studitemps“ berichtet von einem großen Zulauf Studierender, die auf der Suche nach einem Job sind. Im März 2020 habe man über 57.500 Jobeinsätze mit Studierenden (verteilt über alle Bereiche) besetzen können, Nachfrage nach studentischen Kräften liege um rund 78 Prozent als im Vorjahr.

Die Not einiger Studierender bleibt. Und damit auch einige Fragen. Das neue Semester steht kurz vor dem Start und damit allein gibt es schon reichlich Unwägbartkeiten: Klappt das mit den Online-Vorlesungen? Wie soll ich meine Prüfungen schreiben? Wo kriege ich Literatur, mit der ich mich sonst in der Bibliothek auseinandersetzen würde?

Dazu kommen dann noch die Fragen rund um die Finanzierung. Nicht nur die Studierendenwerke vor Ort können bei der Beantwortung dieser Fragen helfen, sondern auch das Deutsche Studentenwerk gibt sich alle Mühe. Auf seine Webseite hat man ausführliche Fragen und Antworten gesammelt.

Drei Kernelemente fassen wir hier mal zusammen

Einige Studierende sind sicher: Das geht nicht weit genug. BAFöG und auch Hilfefonds des AStA, Stipendien oder manchmal sogar staatliche Grundsicherung können helfen. Doch damit werde längst nicht jeder erreicht, dem nun der Nebenjob weggebrochen ist.

Verschiedenste Forderungen von Seiten der Studierenden wurden daher laut. Eine Auswahl:

Und tatsächlich: Nach der raschen Anpassung der BAFöG-Modalitäten meldete sich Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) an Ostern auch mit einer Überbrückungshilfe für Studierende. „Studierende, die ihren Job verloren haben, sollen als Überbrückungshilfe ein zinsloses Darlehen beantragen können“, sagte Karliczek. „Die Unterstützung für die betroffenen Studierenden muss unbürokratisch, schnell und wirksam sein.“

Klingt erstmal nicht schlecht. Doch woher und wann das Geld kommen soll, steht noch nicht fest. Am 17. April wird in einer Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern weiter darüber beraten.

Im hessischen Wissenschaftsministerium hat man einen Vorschlag.

Darüber hinaus wollen sich die Hessen dafür stark machen, dass das BAFöG noch weiter geöffnet wird: Begründete Härtefälle erhielten schon jetzt aus diesem Topf eine Grundsicherung – der Jobverlust in der Corona-Krise solle zu so einem Härtefall werden. Auch kläre man derzeit, wie den Studierendenwerken finanziell unter die Arme gegriffen werden könne.