Breidenbachs Woche: Weltraum statt St. Wendel

Matthias Maurer, ESA-Astronaut, steht in einem Modell des Columbus-Moduls der Internationalen Raumstation ISS.   Foto: dpa

Das Saarland ist schon wieder im Höhenrausch: Matthias Maurer fliegt zur ISS. Leute aus St. Wendel scheinen prädestiniert für Höhenflüge.

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. Das Annegret beamt sie alle hoch: Matthias Maurer aus dem saarländischen St. Wendel wird der nächste Deutsche auf der Internationalen Raumstation ISS. Die ist, so entnehmen wir Wikipedia, ständig bemannt. Das können nicht alle von sich sagen. Eigentlich hatten ja die Russen zuerst die größeren Erfahrungen mit ihren Raumstationen, zum Beispiel der Mir. Unter Präsident Bill Clinton, Bill, the Thrill, wie wir ihn nennen, „wurde das Projekt einer gemeinsamen Raumstation neu aufgelegt“, so Wikipedia. Clinton hat ja überhaupt viel auf- und abgelegt, wovon die Praktikantin Monica Lewinsky ein Lied singen kann.

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Die Russen steuerten ihre Mir bei, die ISS wurde installiert, es gab Gerüchte über Wodka- und sonstige Orgien dort, worauf wir vermuteten, die Raumstation sei nach dem Motto „ISS Mir schlecht“ entstanden. Der Generaldirektor der Raumfahrtagentur ESA sagte allerdings mit Blick auf Maurer: „Was wir nicht wissen ist, wann er genau fliegt.“ Tröstlich, dass es bei der ISS kaum anders zugeht als bei der Deutschen Bahn und beim Amtsenthebungsverfahren gegen Trump. Wir lesen bei dpa, dass zunächst mal der Italiener Luca Parmitano ISS-Kommandant wird. Der hatte 2013 bei seinem ersten Aufenthalt insofern unter Wodka-Mangel gelitten, als sich, wie wir lesen, „in seinem Helm Wasser gesammelt hatte, er hätte ertrinken können.“ Nun, der Vorname „Luca“ ist immer ein schlechtes Omen, denn seit dem „Paten“ wissen wir, dass Luca Brasi bei den Fischen schläft.

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Generell ist festzuhalten, dass Leute aus St. Wendel prädestiniert sind für Höhenflüge. Denken wir nur an die Wendeltreppe. Oder daran, dass dpa die ISS als „Außenposten der Menschheit“ bezeichnet - ein Ehrentitel, den das Saarland in Deutschland schon seit ewig trägt. Und nicht zuletzt dieses: Aus St. Wendel stammt der Fußball-Nationaltorwart Bernd Franke, der es zwischen 1971 und 85 auf stolze 423 Erst- und Zweitbundesligaspiele für Eintracht Braunschweig brachte.

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Mit Blick auf die neue Lebensmittelampel der Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) titelt die Süddeutsche Zeitung: „Essen nach Farben“. Ein bisschen klingt das wie „Malen nach Zahlen“. Wir erleben mal wieder einen furchtbaren Anglizismus; das Ding heißt „Nutri-Score“, und wir müssen aufklären: Nein, liebe Kinder, das hat nichts mit Prostitution zu tun.

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Wenn wir das richtig verstanden haben, werden die jeweiligen Mengen von Zucker, Salz, Fett, Protein, Kokain, Heroin, Amphetamin und Eigenblut auf Lebensmittelpackungen, Zigarettenpackungen, Bier-, Wein- und Schnapsflaschen durch eine Ampel angezeigt, die im positivsten Fall ein dunkelgrünes „A“ zeigt und im negativsten ein dunkelrotes „E“. Wobei letztere Farbe frappierend an die SPD erinnert, was uns genauso despektierlich erscheint wie die Tatsache, dass der Hosenanzug, den Julia Klöckner auf dem großen Bild in der Süddeutschen Zeitung trägt, erstens genauso SPD-dunkelrot ist wie das „E“ auf der Lebensmittelampel, und das Bild außerdem nach Damenmode-Maßstäben steinalt ist, nämlich aufgenommen im Juni 2018 beim Besuch Klöckners in einer Berliner Markthalle. Wir waren dabei, und als wir - nicht ahnend, was die Lebensmittelampel mal bringen würde - unter anderem über Klöckners roten Hosenanzug berichteten, brach im Netz ein Emanzen-Shitstorm über uns herein. Das ehrt uns, alles richtig gemacht.