Breidenbachs Woche: Saarlandization

Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU und neue Verteidigungsministerin, geht bei ihrer Amtseinführung im Bundesverteidigungsministerium im Bendlerblock, an Soldaten vorbei. Foto: dpa

Honecker rotiert vor Freude im Grab, es gibt neue Hoffnung für die “Gorch Fock”, und auch das Geheimnis eines sehr kurzen Kleides lässt sich lüften.

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. Zwar hat Gesundheitsminister Jens Spahn seiner Parteifreundin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) zu ihrem neuen Job als Bundesverteidigungsministerin gratuliert. Aber vielleicht war das nur Fassade und Spahn weiß in Wahrheit mehr. Denn am gleichen Tag verkündete er eine Impfpflicht gegen Masern.

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Dass es ernst werden könnte, war am Donnerstag auch an den Titelfotos hochmögender Zeitungen zu erkennen. Mit allem gebotenen Respekt, wir sagen es mal so:_Es konnte der nicht uninteressante optische Eindruck entstehen, dass AKK aus Angst davor, das in Reparatur befindliche Segelschulschiff „Gorch Fock“ werde nie wieder richtig dicht und es drohten entsprechende Wassereinbrüche von unten, bei ihrer Amtseinführung ein wirklich sehr kurzes Kleid trug. Am deutlichsten wurde das auf dem Titel der „Welt“, wohingegen AKK auf dem Titel der FAZ bereits darum bemüht schien, das Kleid züchtig wieder ein bisschen nach unten zu zupfen.

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„Eine Seefahrt, die ist lustig//eine Seefahrt, die ist schön....“ Altes Kinderlied.

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Cool auch der Showdown im „heute journal“ des ZDF. Moderator Claus Kleber, „Old-Blue-Eyes“, wie manche ihn aufgrund seines gegenüber den meisten Frauen angeblich entwaffnend wirkenden Charmes nennen, wollte der neuen Verteidigungsministerin im Grunde seines Herzens eigentlich Folgendes sagen: „Ich schau Dir in die Augen, Kleines. Es gibt in eurem Laden doch ein paar Kerle, die von der Sache wirklich was versteh‘n. Und ausgerechnet Dich lassen sie auf die Truppe los? Mit wem warst Du Kaffeetrinken?“ Woraufhin AKK die üblichen verdächtigen peinlichen Antwortworthülsen aufsagte. Unter aller Kanone.

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Die Wahrheit erfährt man auf www.saarland.de , wenn man auf „Standorte der Bundeswehr im Saarland“ klickt und dort auf „Fallschirmjägerregiment 26 Zweibrücken (extern)“. Da steht nämlich rechts an der Seite: „Die alte Lady kann es noch“. Damit kann nur unser aller Kanzlerin gemeint sein, oder?

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AKK erklärte noch vor Kurzem, sie nehme kein Regierungsamt an. Ihren Schwenk erklären manche so: Sie sei halt Saarländerin, und ein Schwenk liege bei denen im genetischen Code, wie man ja an der Liebe der Saarländer zum Schwenkbraten deutlich sehe. Andere weisen darauf hin, „Spiegel TV“ habe am Montag einen Beitrag über Drogen und Armut in Saarbrücken gesendet, das habe die Bundesregierung, die ihre Fürsorgepflicht gegenüber Minderbemittelten und Unterdrückten ernst nehme, mit der Berufung AKKs kontern müssen. Mit der Folge allerdings, dass die Londoner Zeitung „Economist“, kein Scherz, nun von der „Saarlandization of German Politics“ schreibt. Erich Honecker, geboren in Neunkirchen, rotiert vor Freude schon in seinem Grab.

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Vielleicht ist es am Ende gerade für die „Gorch Fock“ gut, dass eine Saarländerin Verteidigungsministerin ist. Sie könnte das Schiff in Kur schicken, zur Saarschleife nach Mettlach, neben AKK eine der bekanntesten Attraktionen des Saarlands. In Mettlach ist auch das berühmte Unternehmen Villeroy & Boch ansässig. Es bietet in den Kollektionen „My Nature“, „Nexus“ und „Cetus“ ovale Badewannen und schreibt: „Ein Mittelablauf sorgt für bequemes Badevergnügen zu zweit“. Womöglich auch für die „Gorch Fock“ eine Perspektive.