Breidenbachs Woche: Luca Brasi lebt

Auch Bono, Frontman der irischen Band U2, ist im Zusammenhang mit den Paradise Papers ins Gerede gekommen. Archivfoto: dpa

Die Paradise Papers lehren uns: Es gibt Steuervermeidungsmodelle, da werden Tote vor Freude lebendig.

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. „Auch Rennfahrer Lewis Hamilton ist Steuervermeider“, entnehmen wir der Süddeutschen Zeitung. Nun, wir hatten schon immer den Verdacht, dass der schmutzige Tricks anwendet, um unseren armen Vettel zu schlagen. Jetzt wissen wir‘s. Er vermeidet offenbar, zu steuern. Weil beim Steuern mit dem Lenkrad viel zu viel Energie flöten geht, jedenfalls, wenn man dazu die Hände benutzt. Wir kennen Frauen aus der Region – keine Angst, wir nennen keine Namen, jedenfalls vorläufig nicht –, die das schon früh erkannt haben und ihr Auto lieber mit den Knien lenken, um die Hände für Telefonate, Lippenstift und Ähnliches frei zu haben – Multi-Tasking, Basis für Mutti-Tasking.

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Im Ernst: Unsereiner ist offenbar fast der letzte Depp, der noch Steuern bezahlt. Das geht nach unserer Interpretation aus den „Paradise Papers“ hervor. Bei Hamilton soll es so gewesen sein: Er kaufte sich in Kanada ein Flugzeug, und irgendwie ist es auch wichtig, dass noch Briefkastenfirmen und Leasingverträge zwischengeschaltet sind. Gut, Briefkastenfirma ist nötig wegen der Post, denn an Flugzeugen ist ja bekanntlich kein Hausbriefkasten dran, in den der Postbote morgens auf der Isle of Man schnell die Briefe einwerfen kann.

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Um 20 Prozent Mehrwertsteuer bei der Einfuhr in die EU zu sparen, landet Hamilton nämlich vorher schnell auf der Isle of Man, die keine Mehrwertsteuer will. Wir fragen uns, wenn es den Trick schon gibt, warum ihn nicht auch zum Beispiel die Lufthansa anwendet und jeden Morgen schnell noch auf der Isle of Man landet mit allen Fliegern und Passagieren, um Steuern zu sparen. Wir sind im Übrigen sicher, dass dieser Hamilton noch weitere fiese Tricks anwendet. Hat mal jemand kontrolliert, ob er den Mercedes, mit dem er in der Formel 1 Rennen fährt, nur geleast hat und die Leasingraten womöglich von der Steuer absetzt? Und ob er dann für die Strecken, die er in den Formel 1-Rennen zurücklegt, womöglich auch noch Kilometergeld von seinem Arbeitgeber einstreicht – aber sie gleichzeitig bei der Einkommensteuer für Fahrten von und zum Arbeitsplatz angibt? Und wie wir den kennen, macht er auch noch die Parkgebühren geltend, wenn er mit seiner Karre beim Rennen von der Piste abkommt und sie im Kiesbett parken muss; wobei wir ehrlicherweise zugeben, dass wir im Fernsehen noch keinen Kassenautomaten in diesen Kiesbetten gesehen haben. Aber vielleicht kann man da per Handy zahlen.

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Ein anderer, der jetzt ins Gerede gekommen ist: Bono, Frontmann der irischen Band U2. Wobei: Der Name Bono – da ist es eine Frage der Ehre und der Bonität, den einen oder anderen Bonus einzustreichen. Er hat angeblich Anteile an einem Einkaufszentrum in Litauen, wohnt aber gar nicht da, sodass er in seinem eigenen Supermarkt nicht mal mit Rabatt einkaufen kann – dafür will er natürlich eine Kompensation in Form von Steuerersparnissen. Menschlich nachvollziehbar. Dass das mal in den „Paradise Papers“ stehen würde, hat sich schon 1969 angedeutet. Da sang die Band „Amen Corner“ „If paradise is half as nice“. „Amen Corner“ stammen aus Wales – nicht weit entfernt von der Isle of Man! Und: „If paradise....“ war ursprünglich ein Lied – aus Italien, kein Scherz! Heißt: „Paradiese Papers“ – Angebote, die niemand ablehnen kann. Und wahrscheinlich ist Luca Brasi, von dem alle glauben, er schlafe bei den Fischen, in Wahrheit gar nicht tot, sondern zuständig für die Belieferung von Bonos litauischem Supermarkt mit fangfrischem Fisch! So hängt wieder mal alles mit allem zusammen.