Breidenbachs Woche: Frau Esken nimmt kein Auto in den Mund

Saskia Esken beim Parteitag der SPD in Berlin.  Foot: dpa

Die SPD ist nicht auf Rosen gebettet, aber auf dem Parteitag macht mindestens die Dekoration Mut. Und dann ist da ja auch noch Kevin, die mächtige Maus.

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. „Die SPD besinnt sich auf die Rose“, flötet die Deutsche Presse-Agentur angesichts der Parteitagsbühnen-Dekoration. Abrupt brechen sich in uns Assoziationen Bahn: Das Lied „La vie en rose“ – in dieser atemberaubenden Version von Grace Jones, dunkelhäutiges Model und Femme fatale. Sie spielte im James-Bond-Film „Im Angesicht des Todes“ und vor allem: Sie machte, kein Scherz, diese Wahnsinnswerbung, in der sie sich anschickt, ein veritables Auto, einen Citroen CX GTI, in den Mund zu nehmen! Das vergisst kein Mann.

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Hatte die SPD je eine Frau, die zu so was fähig wäre? Nein. Schon gar nicht Saskia Esken, neue Vorsitzende, aufgewachsen im Kreis Böblingen. Dort gibt‘s Maultaschen. Aber die Frau in Böblingen, die versucht, ein Auto in den Mund zu nehmen, die wollen wir erst mal sehen. Schauen wir, wer da noch so ist. Kevin Kühnert. Assoziation: „Kevin allein Zu Haus“. Herstellungskosten 18 Millionen Dollar, Einspielergebnis 476 Millionen. Nix Hartz IV, Kühnert wollte die Agenda 2010 doch schon immer überwinden. Aber: Als „Kinderdarsteller“ bezeichnet Wikipedia den Kevin-Darsteller Macaulay Culkin und nennt den Film „einen der erfolgreichsten Comedy-Filme aller Zeiten“. Kein tolles Omen für Kühnert und die SPD.

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Schauen wir weiter. Der Name „Kevin“ ist irischer Herkunft. Nein, das hat nichts mit Irren zu tun. Es gibt berühmte Kevins. Kevin Costner, Mutter Sozialarbeiterin (!), Vater Elektriker, Erfahrung mit „unter Strom stehen“ ist immer hilfreich. 1990 spielte Costner in „Der mit dem Wolf tanzt“, 1991 in „Robin Hood“. Rächer der Enterbten. Also rauf mit der Erbschaftsteuer, den Reichen nehmen, den Armen geben. Da kann sich Gerd Schröder mental noch so sehr den Wolf tanzen für seine Agenda 2010. Er würde ohnehin viel lieber mit Grace Jones tanzen. Was wir total verstehen.

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Wir lesen allerdings, dass Kühnerts Mutter ihren Sohn nach Kevin Keegan benannt habe, englischer Fußballnationalspieler, Sänger, Showtalent und aktiv beim Hamburger SV, 1977 – 80, als dort noch ernsthaft Fußball gespielt wurde. Zum Beispiel von Horst Hrubesch und Manfred Kaltz, letzterer geboren in Ludwigshafen, praktisch einer von uns, berühmt für seine Bananenflanken. Hrubeschs Philosophie-Cluster damals: „Manni Banane, ich Kopf – Tor.“ So schön und einfach kann die Welt sein. Und Kevin Keegan voll dabei. Sein Kampfname damals: „Mighty Mouse“. Da ist es unausweichlich, dass wir den Juso-Chef ab sofort Kevin, the Mighty-Mouse Kühnert nennen.

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„Wer wird Millionär?“ - Nein, kein neues SPD-Motto. Bei Günther Jauch am Donnerstag: der Busfahrer Heinz-Jürgen Rothenberger, der Drähte, quasi eine Wünschelrute für Hartz-IV-Empfänger, in den Händen hielt. Und da, wo tief unten unsichtbar Wasser strömt, zum Beispiel in einer Wasserleitung, stellt sich die Wünschelrute quer. Liebe Nerds, der Begriff „Streaming“ erscheint da in neuem Licht, und nein, es heißt „Rute“ und nicht „Router“. Klappte im Studio, Rothenberger fand Wünschel-Wasser. Schwer auf Draht, der Mann, ich glaub‘, mich streift ein Bus. Den Begriff „Sendeleitung“ im TV muss man nun neu sehen. Wobei wir Wasser eher unter Räumlichkeiten regionaler Tageszeitungen vermuten würden, bei Medien wie RTL eher Wodka. Leider fiel Jauch nicht die für Wünschelrutengänger wie Herrn Rothenberger alternativlose Verabschiedungsformel ein: „Ich wünschel Ihnen alles Rute.“