Breidenbachs Woche: Fehlt auch dem Hamster Klopapier?

Boris Johnson, Wischmop auf Ecstasy oder „Yellowhammer“? Foto: dpa

Dass wir das noch erleben dürfen: Boris Johnson macht einmal im Leben „positiv“ von sich reden.

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. Wild, diese Corona-Zeiten. Wobei: Mindestabstand zwei Meter, das ist für viele nix Neues. „Machd‘sch locker, Alder, mach isch auf Autobahn mit Dreier-BMW schon immer krass konkret.“ Also. Geht doch.

Lage bei Promis: Boris Johnson ist seit Jahrzehnten krank, aber jetzt haben wir`s amtlich. Merkel zweimal negativ getestet, die Raute hat gewirkt gegen Corona, ungefähr so, wie Kruzifix und Knoblauch gegen Vampire.

Jubel und Trauer liegen oft eng beieinander. „Aus, aus, aus….das Spiel ist aus“, schrie der legendäre Radioreporter Herbert Zimmermann nach dem WM-Finalsieg 1954 in Bern. „Aus, aus, aus...das Klopapier ist aus“, rufen jetzt Supermarktfilialleiter traurig. Schon sind Fälschungen unterwegs: rasiertes Schmirgelpapier. Der Bundestag wird in einer Sitzung (!) zwischen Tür und Angel analog zum Geldfälschungsparagrafen 146 Strafgesetzbuch einen Paragrafen 146 K verabschieden: „Mit Abführmittel nicht unter einem Liter täglich wird bestraft, wer Klopapier nachmacht.“ Schlimm wäre die Vorstellung, man bekäme Klopapier nur noch im Darknet. Oder als sogenannte Bückware - wie im Krieg Ware, die eigentlich nicht zu bekommen oder rationiert war und bei der sich das Verkaufspersonal zur untersten Schublade bücken musste. Wobei „Bückware“ im Zusammenhang mit Klopapier merkwürdig klänge.

Auch der bei Kartenspielen übliche Begriff „ein gutes Blatt ausspielen“ bekommt in diesem Kontext einen neuen seltsamen Klang. Jedenfalls wurde Klopapier zumindest diese Woche noch gehamstert. „Mein Hamster frisst seinen Kot – was fehlt ihm?“ lesen wir auf der Lebenshilfeseite www.hamsterseiten.de. Wir weinen. Fehlte dem Hamster Klopapier? Uns plumpst ein Stein vom Herzen, als wir die Antwort lesen: Das sei ziemlich normal, der Kot enthalte Mineralstoffe und Vitamine. (Handelt es sich um das berühmte Vitamin K?)

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Wir lesen bei Wikipedia: Die erste Erwähnung von Klopapier findet sich im China des 6. Jahrhunderts. Kein Wunder, dass China die aktuelle Corona-Krise so schnell überwand (haha). Im Mittelalter verwendete man in Europa Lappen und Moos, womit die geflügelten Worte „mir geht was durch die Lappen“ und „ohne Moos nix los“ in neuem Licht erscheinen. Auch Stoff und Blätter seien verwendet worden - naheliegend, dass in Hessen noch heute der Begriff „Stöffche“ für Apfelwein gebräuchlich ist und allgemein empfohlen wird, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. „Die Zeit“ schrieb 2005, lange sei es den Deutschen auf möglichst viele Lagen angekommen - eine Parallele zum absoluten Qualitätsstandard für Immobilien: Lage, Lage, Lage. Die Frage ist aber hier wie dort: Was tun bei Schieflage, wenn der Markt völlig von der Rolle ist? Mittlerweile ist angeblich zusätzlicher Unterhaltungswert gefragt, in Italien etwa buntes Papier. Heißt das „Malen nach Zahlen“?

66,8 Prozent der Deutschen falten das Klopapier vor dem Gebrauch. Klar. Nach dem Gebrauch wäre doof. Unklar ist, wie viele Menschen Zitronenfalter sind, die hauptsächlich nach dem Genuss von Limonade zur Toilette gehen, und wie viele Nachtfalter, die nachts raus müssen. Zehn Prozent der Frauen „wickeln das Klopapier um die Hand.“ Hallo??? Männer täten das seltener. Logisch. Frauen sind schon immer besser als Männer, wenn es darum geht, jemanden – vorwiegend Männer – ein- oder um den Finger zu wickeln.