Breidenbachs Woche: Der Watschenhorst

Horst Seehofer. Foto: dpa

Das Gute an der Hessenwahl ist eigentlich, dass der Seehofer nicht antritt. Gibt auch so schon Stress genug. Andererseits: Die SPD bleibt ruhig. Was soll sie sonst auch machen?

Anzeige

. Bundesinnenhorst Seehofer sprach im Bayerischsten aller Rundfunke bedeutungsschwere Worte: „Nochmal mache ich einen Watschenbaum nicht.“ Er is’ ja noch ganz verwirrt, der Horst, deshalb hat er vermutlich was verwechselt und meinte wohl eigentlich, ehe er nochmal den Watschenmann mache, werde er zurücktreten. Der Watschenmann ist einer, der immer die Watschen – Ohrfeigen – abkriegt. „Mann“ und „Baum“ zu verwechseln, ist zwar zum Beispiel für einen Hund, der mal austreten muss, sehr problematisch, aber generell nicht so abwegig, heißt es doch auch „ein Kerl wie ein Baum“. * Was beim Horst hinter der Baum-Affinität stecken könnte – da sehen wir zwei Möglichkeiten. Zum einen eine gewisse Abschiedssehnsucht, wie sie in dem Lied der wunderbaren Sängerin Alexandra von 1968 zum Ausdruck kommt: „Mein Freund der Baum ist tot//er fiel im frühen Morgenrot“. Traurig. Gut, dass die Grünen jetzt so einen Aufschwung erleben. * Die zweite Möglichkeit geht dann natürlich noch mehr ans Eingemachte. Der Seehofer denkt vielleicht alleweil an den biblischen Baum der Erkenntnis im Garten Eden, weil sich der Horst sagt: „Jenseits von Eden is’ nix für mich, wenn schon, dann mittendrin statt nur dabei“. Die Geschichte geht bekanntlich so: Adam und Eva im Garten Eden, die Schlange verführt sie, die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu essen, und dann erkennen sie, dass sie nackt sind, „nackert“, wie unsere bayerischen Freunde sagen. Und was danach kommt, darüber decken wir den Mantel der christlichen Nächstenliebe. Der Horst würde natürlich den Adam machen, und die Eva, das wäre dann vermutlich die aushäusige Dame, mit der der Horst ein uneheliches Kind hat. Wer die Schlange sein könnte? Nun, ein rautenförmiges Muster vor dem Bauch der Schlange könnte immerhin ein Indiz sein. * Fahrlässig war natürlich, dass der Horst und die Eva die Warnung der wahrscheinlich damals schon bekannten Schlagersängerin Wencke Myhre in den Wind schlugen: „Beiß’ nicht gleich in jeden Apfel...“ Immerhin: Für ihren guten Willen benannten religiöse Kreise die Myrrhe, quasi die Eva vom Weihrauch, nach Wencke Myhre, natürlich eingedeutscht auf „Myrrhe“ mit zwei „r“, denn Wencke Myhre mit einem „r“ wurde ja in Norwegen geboren, und in „Norwegen“ gibt es ja auch nur ein „r“. Im Deutschland der siebziger Jahre wurde Wencke Myhre allerdings nie als ausländischer Flüchtling angesehen. Damals war der Horst noch nicht so weit. * Die Bedeutung von „Watschenbaum“, das ist mehr so im übertragenen Sinn. Man sagt: Rüttel’ nicht am Watschenbaum, sonst fällt er um. „Da Watschenbam foid fei glei um“, wie unsere bayerischen Freund sagen. Heißt: „Mach nicht den Affen, sonst kriegst du eine gescheuert“. Also das, was Angela Merkel seit vielen Monaten Tag und Nacht denkt, wenn sie an den Horst denkt. * Wahl in Hessen. Dazu eine kleine Satire, um die Sozialdemokraten*innen aufzuheitern. Die SPD holt die absolute Mehrheit. Ihr Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel beginnt Koalitionsverhandlungen mit sich selbst. Nach drei Monaten tritt er vor die Presse und erklärt: „Die Verhandlungen sind an unüberbrückbaren Differenzen gescheitert. Es muss Neuwahlen geben.“