Breidenbachs Woche: Der Schulzzug quält sich durch...

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Foto: dpa

Ausfälle über Ausfälle: In NRW hat die Regierung keine Kraft mehr, in den USA seit Januar keinen Präsidenten im eigentlichen Sinn. Und auf Beckenbauer ist auch kein Verlass mehr.

Anzeige

. Es gab einen Cyberangriff am vergangenen Wochenende. In Wahrheit war es aber wahrscheinlich Blondie, der am roten Telefon herumgefummelt hat, weil er sich Pornos herunterladen wollte. Trump – sind wir es nicht alle leid, jeden Morgen aufzuwachen und zu hören, was der Typ wieder für einen Sch... gebaut hat?

*

Also Cyberangriff: Danach fielen in Deutschland bei der Bahn viele Anzeigentafeln und Fahrscheinautomaten aus. Grämt euch nicht. Bei der NRW-Wahl fielen die bisherigen Regierungsparteien total aus. Niemand hat sich über die ausgefallen Anzeigentafeln aufgeregt, denn die Kundschaft der Bahn ist es gewöhnt, dass ganze Züge ausfallen oder Jahre später ankommen. Dem sogenannten Schulzzug könnte dieses Schicksal auch bald blühen.

*

Anzeige

Der neue Bahnchef Richard Lutz hat in der „Bild am Sonntag“ erklärt, dass in Zukunft die Züge über das Handy des Fahrgastes erkennen, wo jener einsteigt, beim Ausstieg wird dann abgerechnet. Wobei sich existenzielle Fragen stellen: Was, wenn der Fahrgast sein Handy vorher auf der Bahnhofstoilette verloren hat? Was, wenn er zwar ein Handy hat, aber kein Bargeld, um es zum Bezahlen irgendwo an dem verdammten Handy in einen Schlitz zu stecken? Das Ganze riecht danach, als sei es wie bei der Cyberattacke vom vergangenen Wochenende: Es geht um Lösegeld! Wenn es dem Fahrgast nicht gelingt, über das Handy zu bezahlen, greift ein geheimer Mechanismus, und er wird auf der Zugtoilette eingesperrt. Oder noch schlimmer: Er wird gezwungen, in den Schulzzug einzusteigen, und dort serviert Hannelore Kraft ihre SPD-Wahlkampfkonzepte, kalten Kaffee und Versemmeltes.

*

A propos „ausgefallen“. Im Herbst 2013 war die FDP gerade aus dem Bundestag herausgefallen, da entschloss sich der neue Parteichef Christian Lindner, ausgefallenes Haupthaar im Wege einer Haartransplantation ersetzen zu lassen. Lockig, pardon, logisch, nachdem die FDP damals dauernd auf die Rübe bekam. Das hält kein Haupthaar lange aus, weder langes noch kurzes. Manche nennen transplantierte Haare seitdem „Zweitstimmen-Haare“. Wobei der Begriff Stimmen-„Zuwachs“ eine ganze neue Bedeutung gewinnt. Alles nachzulesen in der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ und in unserer Zeitung. Und was passierte? Die FDP ist jetzt bei der NRW-Wahl nur haarscharf an der absoluten Mehrheit der Haare, pardon, der Mandate vorbeigeschrammt!

*

Mut gefasst hatte Lindner, weil sich zuvor schon Jürgen „Kloppo“ Klopp in ähnlicher Weise aufforsten ließ. Gut, wenn im Fußball mittlerweile schon „falsche“ Sechser und Neuner unterwegs sind, warum nicht auch falsche Haare? Klopp, geschätzt als kluger Kopf, ahnte damals wohl schon, dass er mit Insellösungen auf dem Haupt auf der Insel, nämlich beim FC Liverpool, optisch keine so gute Figur abgeben würde, obwohl er ja nicht hauptsächlich wegen seiner Frisur, sondern wegen seiner zurückhaltenden, nahezu unterwürfigen Art, vor allem an der Seitenlinie, nach Liverpool geholt wurde. Man nennt Kloppo ja nicht von ungefähr seit Mainzer Zeiten den Schiri-Flüsterer. Jedenfalls begab er sich seinerzeit zur Haarbehandlung, kein Scherz, nach Düsseldorf, allerdings nicht in die Altstadt, wo sie so etwas ohne Betäubung machen würden, sondern in eine Privatklinik im Nobelhotel „Breidenbacher Hof“. Wir hatten bislang immer dementiert, dass wir mit diesem Hotel etwas zu tun hätten, aber die Wahrheit ist: Ja, der Schuppen – das ist jetzt keine Anspielung auf die Haartransplantationsklinik – gehört uns, irgendwie muss man sich als schlecht bezahlter Lügenpresse-Journalist ja schließlich was dazuverdienen.

Anzeige

*

Martin Schulz durfte mit seinem Schulzzug nicht in den NRW-Wahlkampf einfahren, wie die abgewählte Ministerpräsidentin Kraft in der ARD bestätigte. Wird der Schulzzug zur Geisterbahn? Jedenfalls ist Franz Beckenbauers Werbeslogan aus den 60er Jahren „Kraft in den Teller, Knorr auf den Tisch“ vom Tisch. Kraft in den Keller, Schulz auf den Tisch? Wahrscheinlich nicht ohne Haartransplantation.