Breidenbachs Woche: Der absolute Wischmopp

Auf dem Weg zur Queen: Boris Johnson nach dem Wahlsieg im Buckingham Palast.  Foto: dpa

Offenbar leben die Briten ein uraltes Trauma aus. Derweil hat Merkel jetzt endlich einen Flieger, bei dem sie sich ins Bett legen kann.

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. Wenn das Gehirn besser durchblutet wird, bringe das Vorteile, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Einleuchtend, geht es doch anderen Körperteilen genau so. Der alte Sponti-Spruch „Ich glaub‘, mein Kleinhirn zieht aus“ beweist da erneut seine Bedeutung.

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Harter Übergang jetzt vom Thema „Gehirn“ zu Brexit, Unterhauswahl und speziell zu Boris Johnson, dem blonden Wischmopp auf Ecstasy, wie wir ihn nennen. Die Spitzenpolitiker wählten früh am Morgen – der Begriff „Morgengrauen“ erscheint da in neuem Licht. Jeremy Corbyn, so die Deutsche Presse-Agentur, im Londoner Stadtteil Islington, „und Johnson in der Nähe von Downing Street, er kam mit seinem Hund Dilyn, beide posierten für Fotografen, ohne sich politisch zu äußern.“ Was für ein kluger Hund, dieser Dilyn: zu posieren, ohne sich, etwa durch Hinterlassung eines Haufens, politisch zu äußern. Sein Herrchen Johnson dagegen hat schon viele Haufen hinterlassen. Und jetzt, man glaubt es echt nicht, ein ganzer Haufen Stimmen für Boris bei der Wahl. Wir können uns das nur so erklären: Die Briten leiden noch immer unter einem Trauma, weil ihre Fußballnationalmannschaft nach dem irregulären 4:2 1966 gegen Deutschland nie mehr was gewonnen hat. Das sublimiert sich dann in solchen Wahlergebnissen. Absolute Mehrheit im Unterhaus. Der absolute Wischmopp. Aber abwarten. Schon ganz andere Borisse bekamen spät im Leben eine bittere Quittung. Boris Godunow war in Russland Regent für den Zaren Fjodor I., wobei der Grund hierfür schon nichts Gutes ahnen ließ: Der Zar war geisteskrank. Godunows Herrschaft endete 1601 in einer Hungersnot. Boris Jelzins Herrschaft endete im Wodka. Und der britische Schauspieler Boris Karloff war ab 1931 nur noch der „Master of Horror“. Letzteres könnte auch Johnson passieren.

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Merkel und ihre Regierung haben, kein Scherz, neue Regierungsflieger bekommen. Und zwar echt neu, nicht wie bisher, da man, wie ein Reporter der „Rheinischen Post“ erläuterte, als Regierungsflieger ältere Maschinen bekam, die nach langem zivilen Gebrauch vom Bund preiswert gekauft wurden. Ist es bei Politikern womöglich umgekehrt, werden die nach langem ministeriellen Gebrauch von zivilen Unternehmen preiswert gekauft? Egal, jetzt gibt es drei fabrikneue Interkontinental-Jets, Typ „Global 6000“. Wir lesen: Der Flieger habe Platz für 13 Passagiere und die Sitzbank lasse sich „im Handumdrehen in ein Bett verwandeln.“ Nun, 13 ist echt kein gutes Omen, und wenn alle 13 gleichzeitig auf die Sitzbank wollen, dann wird es dort zu eng, um die Hand umzudrehen, oder sonst irgendwas. Unwahrscheinlich ist jedenfalls, dass jene Sitzbank bei der Regierungsbildung als Besetzungscouch dient. Ferner: „Zwei Toiletten für 13 Passagiere, das passt.“ Na ja, kommt drauf an.

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Es liegt nahe, den Regierungsflieger „Global“ mit der Möbelmarke „Global“ zu vergleichen. Bei letzterer lesen wir: „Für jeden Raum die besten Leuchten.“ Echt jetzt? Bei Schlafzimmermöbeln sehen wir „Goodnight“. Auf Deutsch: „Gute Nacht.“ Na dann. Höhepunkt: die Kaltschaummatratze 800 AC mit Zonen-Aqupur-Schaum. Zonen – eher eine Anspielung auf AKKs Vorschlag von Sicherheitszonen in Syrien als auf die Herkunft Merkels aus der ehemals sowjetisch besetzten Zone (SBZ). Der Schaum „entlastet Ihren Körper im Schulter-, und Beckenbereich“, lesen wir. Global rettet die Raute.