Bistum äußert sich zu Regens-Tod: „Hinterlässt viele Fragen“

Der Limburger Dom. Archivfoto: Dieter Fluck

Nach dem überraschenden Tod des Regens Christof May hat sich erstmals das Bistum Limburg zu Wort gemeldet.

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LIMBURG. Das Bistum Limburg hat sich am Freitag zum Tod seines Regens Christof May geäußert. In einer Stellungnahme hieß es: „Die Geschehnisse erschüttern uns im Bistum Limburg und weit darüber hinaus. Der Tod trifft uns sehr, ruft Bestürzung und Fassungslosigkeit hervor und hinterlässt viele Fragen.“ Den Namen des 49-Jährigen, der am Donnerstagvormittag leblos in der Nähe von Limburg aufgefunden worden war, nannte das Bistum nicht. Zu den näheren Todesumständen wollte sich ein Pressesprecher auf VRM-Anfrage nicht äußern. Ein Fremdverschulden wird nach Angaben der zuständigen Polizeibehörde derzeit nicht gesehen, die Ermittler gehen von einem Suizid aus. Bereits am Donnerstagabend hatte das rund 600.000 Mitglieder zählende Bistum seine Mitarbeiter über den Tod des für die Priesterausbildung zuständigen Domkapitulars informiert. Der Wortlaut deckt sich in etwa mit dem der Stellungnahme am Freitag.

So heißt es am Freitag weiter: May sei am Mittwoch „in einem persönlichen Gespräch zu Vorwürfen übergriffigen Verhaltens angehört worden, so wie es die entsprechenden kirchlichen Ordnungen vorsehen“. Im Anschluss daran stellte Bischof Georg Bätzing ihn von allen Ämtern frei, um die Vorwürfe prüfen und aufklären zu können. Diese Verfahrensweise sieht die Deutsche Bischofskonferenz in entsprechenden Fällen vor. Die FAZ berichtet von „Hinweisen auf tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs“, die beim Bistum Limburg eingegangen seien.

Erst Angehörige informiert

Das Bistum hatte sich am Donnerstagabend und Freitagmorgen über die weitere Vorgehensweise beraten. „Da zunächst die Familie, sowie Haupt- und Ehrenamtliche im Bistum über diese schreckliche Nachricht informiert werden sollten, äußern wir uns erst heute öffentlich“, steht in der Stellungnahme am Freitag. Weitere Äußerungen sind zunächst nicht geplant. „Der Tod des Priesters ist für alle im Bistum, besonders auch für den Bischof, die Personalverantwortlichen und die Bistumsleitung sehr bedrückend und hinterlässt offene Fragen“, so das Bistum. „Wir werden alles tun, um im Bistum in dieser wahrlich herausfordernden Situation eng zusammenzustehen.“

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May wurde im September 2018 zum Limburger Regens ernannt. Zuvor war er Pfarrer der Pfarrei St. Anna Braunfels (Lahn-Dill) sowie Bezirksdekan in den katholischen Bezirken Wetzlar und Lahn-Dill-Eder. Als Kaplan war er auch unter anderem in Wiesbaden tätig.

May mit öffentlicher Kirchenkritik

May hatte im Oktober 2020 für bundesweite Schlagzeilen gesorgt. In einem Gottesdienst übte er massive Kritik an der katholischen Kirche und sprach sich für mehr für Gleichberechtigung aus – für Frauen, Geschiedene und LGBTQ. Er hatte auch für ein gemeinsames Abendmahl und für die Frauenordination plädiert. „Statt das Feld für alle zu öffnen, verstehen wir uns viel zu oft als Türsteher“, sagte May damals. „Ich möchte das wiederverheiratete Geschiedene, das gleichgeschlechtliche Paar nicht im Wohnzimmer segnen müssen. Ich möchte sie in der Mitte sehen. Ich möchte die Frau nicht in einer Machtposition dulden, sondern sie dazu ermutigt wissen.“

Die katholische Kirche leidet nach wie vor unter Missbrauchsvorwürfen und -fällen. Die Kirche verzeichnet die höchste Austrittswelle seit Gründung der Bundesrepublik. Erst vor wenigen Tagen war im Bistum Limburg Winfried Roth (64), Dekan des katholischen Bezirks Westerwald, zurückgetreten. Hintergrund des Rücktritts waren Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Roth aus den Jahren 2000 und 2007, so das Bistum. Roth war dennoch 2020 zum Bezirksdekan ernannt worden. „Ich nehme wahr, dass meine Entscheidung für die Betroffenen nur schwer zu ertragen ist und darüber hinaus Irritation und Ärgernis auslöst. Dies hatte ich bei meiner Entscheidung vor zwei Jahren so nicht gesehen. Diese Entscheidung war falsch. Ich bitte die Betroffenen um Verzeihung“, teilte Bätzing mit.

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Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns entschieden, in der Regel nicht über Selbsttötungen zu berichten, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Der Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Suizide. Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.