"Aber ich kann länger als Sie"

Möglich, dass Trump den Shitstorm seiner Fans höchstselbst angestoßen hat, nachdem es ihm wie Schuppen aus der Haartolle fiel, dass da in Deutschland schlecht über ihn geschrieben wird. Foto: dpa

In schweren Zeiten muss man neue Wege gehen. Trump floh einst aus der Pfalz, die mal bayerisch war. Seehofer würde immer wieder nach Bayern heimkehren, auch wenn es pfälzisch...

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. Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen, in Moskau. Großartig. Die russische Hauptstadt trägt nun den Ehrennamen „Magic Moskau“, und den Seehofer nennen wir jetzt nur noch Towarischtsch Horst. Moskau, klar, St. Petersburg durfte es auf keinen Fall sein, denn da wurde 1905 das Ballett-Solo „Der sterbende Schwan“ uraufgeführt. Wäre kein gutes Omen gewesen.

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Künstlerisch passt Moskau ohnehin optimal. Wir Älteren erinnern uns an den Song von Udo Lindenberg: „Moskau ist ‘ne Wahnsinns Hully Gully-Stadt//die dir wie ein Hammer an die Mütze fliegt//Und Olga von der Wolga tanzt über‘n Roten Platz//Bis die Sichel sich verbiegt.“ Das Lied von 1985 antizipierte im Übrigen die damals noch wenig bekannte Tatsache, dass Putin KGB-Offizier war. In der dritten Strophe heißt es: „Dann besuchten wir im Separee//die Jungs vom KGB//Der Wodka war stark//Nachts im Gorki Park.“ Towarischtsch Horst hat es bestimmt gut gefallen, in Moskau.

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Kommen wir zu ernsten Dingen. Man muss ja mal klipp und klar sagen, dass wir Donald Trump, den Irren aus der Immobranche, den Bayern verdanken. Denn, ja guttt, äääh, Frederick Trump, sein Großvater, wurde als Friedrich Trump 1869 in Kallstadt in der Pfalz geboren, und die gehörte seinerzeit, so behauptet Wikipedia, zu Bayern! Trump und die Palz//Gott erhalt‘s. 1885 wanderte Frederick nach New York aus und arbeitete, ehe er reich wurde, als Friseur. Dies und die Tatsache, dass Fredericks Tante Charlotte die Mutter des Kallstadters John Henry Heinz war, der später auch in die USA auswanderte und dessen Sohn, kein Scherz, die Heinz-Ketchup-Dynastie begründete, lassen klar erkennen, wie es zu Donald Trumps Frisur kam, die geprägt ist von phantastischer Friseur¬kunst und hoher Affinität zu roter (Ketchup!) bzw. rot-blonder Farbe. Womit allerdings der Begriff „das kannst Du Dir in die Haare schmieren“ in neuem Licht erscheint. Böse Zungen sprechen schon vom „Drei-Wetter-Ketchup“: Drei Uhr morgens, Trump Towers, die Pommes sitzen.

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Mit Trauer und Entsetzen haben wir zur Kenntnis genommen, dass sich Rudolf Scharping und seine Frau Kristina Gräfin Pilati getrennt haben. 1991 hatte Scharping der CDU in Rheinland-Pfalz den Stöpsel aus der Wanne gezogen, um 2001 als Verteidigungsminister den Stöpsel wieder hineinzumachen, in den Pool auf Malle nämlich, wo er seinerzeit mit Pilati planschte, während seinen Soldaten in Mazedonien das Wasser sprichwörtlich fast bis zum Hals stand. Gut, heute würde so was angesichts wasserscheuer Marinehubschrauber in der Bundeswehr eher die Hoffnung wecken, da gehe man in Malle wenigstens den Dingen, welchen auch immer, auf den Grund, zumindest des Pools.

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Ließen Scharping oder die Gräfin damals, oder wann zuletzt, auch ein Quietsche-Entchen zu Wasser? Wir kamen auf diesen Aspekt, als wir das Urteil des Landgerichts Frankenthal in der Pfalz, nicht sehr weit entfernt von Kallstadt, lasen. Dort wurde ein Mann wegen Unterschlagung verurteilt, weil er einen sogenannten Barbarenschatz, bei dem es sich aber nicht um eine Frühform des Nürburgrings handelte, nicht ordnungsgemäß meldete. Es handelte sich laut Deutscher Presse-Agentur unter anderem um einen „Klappstuhl aus der Spätantike“. Als dann Ikea sagte: „Nein, der Stuhl ist wirklich nicht von uns“, war es um den Angeklagten geschehen. Als Begründung dafür, warum sie definitiv eine Unterschlagung sehe, sagte die Richterin laut dpa: „Es läuft wie eine Ente, es redet wie eine Ente, es ist eine Ente.“ Diese Logik hat, kein Scherz, einen offiziellen Namen: Ententest, was nicht das Citroen-2-CV-Pendant zum VW-Elchtest verkörpert, sondern angeblich auf den Dichter James Whitcomb Riley (1849 – 1916) zurückgeht: „Wenn ich einen Vogel sehe, der wie eine Ente geht, wie eine Ente schwimmt und wie eine Ente quakt, nenne ich diesen Vogel eine Ente.“ Unsere Version: Wenn ich einen schrägen Vogel sehe, der wie eine Ente läuft und wie eine Ente lallt, dann nenne ich ihn sturzbetrunken.

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Einen anderen Ententest veranstalteten bekanntlich die Herren Müller-Lüdenscheid und Dr. Klöbner in Loriots Sketch „Herren in Badewanne“. Müller-Lüdenscheid sagt zu Dr. Klöbner: „Wenn Sie die Ente hereinlassen, lasse ich das Wasser heraus.“ Dann probieren beide, wer länger tauchen kann, und Klöbner sagt: „Aber ich kann länger als Sie.“ Ob sich Vergleichbares bei Scharping/Pilati jetzt, oder wann zuletzt, abspielte, ist unklar.