Wiesbadens Windpark dreht munter Warteschleifen

Kahl ist es geworden auf der Hohen Wurzel – das stellten die SPD-Vertreter bei ihrem Ortstermin zum Thema Windkraft ebenso mit Bedauern fest wie dass es bis zu einer Entscheidung über die Anlagen auf dem Taunuskamm noch immer lange dauern könnte. Foto: Harald Kaster

Vor zehn Jahren begannen die Planungen für die umstrittenen Windkraftanlagen auf dem Taunuskamm. Zum Stand der Dinge informierten sich vor Ort Vertreter der SPD.

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WIESBADEN. Die Sache liegt bei Gericht. Nach wie vor. Und wie beim Ortstermin der SPD-Stadtverordnetenfraktion zur Windkraft auf dem Taunuskamm zu erfahren war, dürfte es bis zu einer Entscheidung über die umstrittenen Windräder auf und um die Hohe Wurzel auch noch eine ganze Weile dauern. Eswe Versorgung, über die Taunuswind GmbH Träger des Projektes, sieht trotzdem noch gute Chancen, dass die Anlagen realisiert werden können – heute sogar mehr denn je.

Waldsterben begünstigt das Vorhaben

Der Grund für den Optimismus bei Eswe Versorgung ist ein trauriger. Oben auf Wiesbadens höchster Erhebung, wo ein Teil der Windräder errichtet werden sollen, hat das Waldsterben große Narben im Bewuchs hinterlassen. Das würde, sollte es Baurecht für die Anlage geben, den Aufbau insofern erleichtern, als weniger Bäume für die Anlieferung der großen Windradteile gefällt werden müssten.

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Die Größe der insgesamt zehn Anlagen, die Eswe Versorgung auf dem Taunuskamm errichten will, ist bekanntlich der Punkt, der auch die größten Widerstände in Wiesbaden und den umliegenden Kommunen verursacht. Mit einer Nabenhöhe von knapp 150 Metern würden die Anlagen vom Typ Enercon E115 eine Gesamthöhe bis zur Rotorspitze von 207 Metern erreichen – und entsprechend weithin in die Region zu sehen sein.

Der Streit um den Windpark-Standort Hohe Wurzel läuft schon eine ganze Weile. und wird auch vor Gericht verhandelt.

Sollte es in Richtung einer Realisierung gehen, würden natürlich auch die Gegner des Projekts wieder lauter werden. Angesichts des eindeutigen Bekenntnisses der Rathauskooperation aus Grünen, SPD, Linke und Volt zugunsten der Windkraft auf dem Taunuskamm ist den Planern aber nicht bang, dass es im Falle einer positiven Entscheidung des Gerichts auch zu einer Umsetzung kommt. „Man muss auch deutlich sagen: Wenn es Baurecht gibt und wir es nicht machen, dann wird es vermutlich ein anderer tun“, sagt Gabriele Schmidt, Geschäftsführerin der Eswe Taunuswind GmbH, die den SPD-Vertretern auf der Hohen Wurzel die Kernpunkte des Projekts erläuterte. Die Erhebung im Nordwesten Wiesbadens sei einer der, wenn nicht sogar der beste Windkraftstandort in Hessen, fügte Eswe-Vorstandsmitglied Jörg Höhler an. Die Windwerte seien mit 7,1 Metern pro Sekunde im Durchschnitt für die Errichtung einer solchen Anlage äußerst günstig. „Wäre alles nach Plan gelaufen, wäre die Anlage vermutlich schon fünf Jahre in Betrieb“, erklärte Höhler und sprach von einem „traurigen Jubiläum“ angesichts der zehn Jahre, die das Planungs- und Genehmigungsverfahren nun schon andauere.

Flächen auf Taunuskamm zu Tabuzonen erklärt

Sollte Eswe vor dem Verwaltungsgericht scheitern (siehe Kasten), wäre das Projekt für längere Zeit vom Tisch. Die Landesregierung hatte Anfang des Jahres den sogenannten „Teilplan erneuerbare Energien“ neu aufgelegt und die Flächen nach Jahren ministerialer Unterstützung auf dem Taunuskamm zu Tabuzonen erklärt. Bei den SPD-Vertretern sorgte das auch am Freitag wieder für Kopfschütteln. „Das riecht nach einem Deal“, vermutete Fraktionschef Hendrik Schmehl hinter dem Kurswechsel eine Konzession der Landes-Grünen an die CDU. Die noch ausstehende Gerichtsentscheidung sei der einzige Schuss, den man in Wiesbaden noch freihabe. Und im Angesicht der drohenden Energiekrise sei ein Projekt wie dieses ein wichtiges, das zumindest mittelfristig zur Versorgungssicherheit beitragen könne.

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Von André Domes