Wiesbadener Abfallunternehmer Gurdulic fällte schon mal...

Illegale Rodung, Teil 1: Das obere Luftbild entstand während der Maßnahme, einige Bäume stehen noch. Unten das Gurdulic-Privatgrundstück in seinem aktuellen Zustand. Fotos: Google Maps/Geo-Portal Wiesbaden

Die illegale Rodung auf dem vom Entsorgungsunternehmen Knettenbrech + Gurdulic für den Bau einer Müllverbrennungsanlage (MVA) vorgesehenen Grundstück an der Deponiestraße in...

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WIESBADEN. Die illegale Rodung auf dem vom Entsorgungsunternehmen Knettenbrech + Gurdulic für den Bau einer Müllverbrennungsanlage (MVA) vorgesehenen Grundstück an der Deponiestraße in Wiesbaden ist kein Einzelfall. Der Geschäftsführer Steffen Gurdulic hat offensichtlich auch beim Bau seines Privathauses in Wiesbaden eigenmächtig Tabula rasa gemacht: Wie das Wiesbadener Umweltamt bestätigt, hat der Abfallunternehmer – für die Anlage eines Pools nebst Poolhaus und einer Rollrasenfläche – auf einem 3.000 Quadratmeter-Grundstück zwölf Bäume gefällt, die allesamt der Baumschutzsatzung unterlagen.

Bedeutet, die Nadel- und Laubbäume hatten mindestens 100 Zentimeter Stammumfang und waren geschützt. Ein Antrag auf Fällgenehmigung sei nie gestellt worden, sagt die Amtsleiterin Jutta Maria Braun.

Bauaufsicht ermittelt ebenfalls – nach drei Jahren noch

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Allerdings hat Gurdulic für die ungesetzliche Rodung seinerzeit, vor drei Jahren, keinerlei Sanktionen hinnehmen müssen. Weil nämlich auch ein bauaufsichtsrechtliches Verfahren gegen ihn lief, lautet die Begründung. Aus welchem Grund dieses nun wiederum angestrengt wurde, konnte Umweltamtsleiterin Braun nicht sagen, nur soviel: Man habe deswegen nicht noch parallel ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten wollen. Mit der Folge allerdings, dass eine mögliche Bußgeldzahlung nun verjährt ist, lediglich noch Ersatzpflanzungen verlangt werden könnten, wie Braun sagt. Diese würden nun aber geprüft.

Die Bauaufsicht verweist auf das laufende Verfahren, das „nicht erst seit gestern“ im Gange sei, wie Ariane Patzelt, Referentin im Baudezernat, sagt. Es gebe da noch „diverse Prüfungen im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben“. Dabei gehe es darum, „was genehmigungsfähig ist oder nicht“. Dass der Bau der Privatvilla aber doch ziemlich abgeschlossen sein dürfte, es also um bereits erfolgte, nicht genehmigte Ausführungen gehen müsse, kommentiert Patzelt so: „Dazu sag‘ ich jetzt nichts.“

Den Gartenrotschwanz vertrieben

Der Hinweis auf die erneute illegale Rodung kommt aus dem benachbarten Gartenverein. Von dort wurde in einem anonymen Schreiben an mehrere Ämter und diese Zeitung der Vorgang von vor drei Jahren angezeigt. Auf den Grundstücken hinter vier Hausnummern habe Gurdulic, teils höchst selbst mit dem Bagger, „ökologisch wertvolles Gartenland mit vielen hohen Bäumen in wenigen Tagen platt gemacht“. Gefallen seien dabei mehrere 20 Meter hohe Tannen, „wunderschöne Birken“, eine große Kiefer, ein riesiger Nussbaum und viele mittelhohe und niedere Blattgehölze beziehungsweise Buschpflanzen, sowie sämtliche Blumen, Stauden und Zwiebelgewächse. Hinter einer der Hausnummern, Domänenland der Landeshauptstadt, seien „drei riesige Tannen nur wegen der Schattenbildung auf den Pool“ gefällt worden und auf dem Feldweg gegenüber noch eine 25 bis 30 Meter hohe Tanne, berichtet der Hinweisgeber. Entstanden sei danach weitgehend versiegeltes Gelände, heißt es weiter, aus dem der Gartenrotschwanz vertrieben wurde, sowie als Einfriedung eine 100 Meter lange, hohe weiße Betonmauer. Zweimal sei das Umweltamt seinerzeit verständigt worden und habe nichts unternommen. Die illegale „Entkernung“ eines 3.000 Quadratmeter großen Grundstückes sei „ohne jegliche Konsequenzen geblieben“.

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Steffen Gurdulic schickt auf Anfrage folgende Stellungnahme: „Die Bauarbeiten auf meinem Privatgrundstück sind von mehreren Bau-/Fachunternehmen durchgeführt worden. Mir ist über unrechtmäßige Baumfällungen nichts bekannt.“