US-Armee plant Trainingszentrum für Ukrainer in Wiesbaden

aus Krieg in der Ukraine

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Ein ukrainischer Soldat. © dpa/maloletka

Nach dem Bericht einer amerikanischen Zeitung soll die schon laufende Ausbildung ukrainischer Soldaten in Hessen neu strukturiert und zentralisiert werden.

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WIESBADEN. Das amerikanische Verteidigungsministerium plant in Wiesbaden nach einem Bericht der „New York Times“ (NYT) ein neues Ausbildungszentrum für ukrainische Soldaten. In der hessischen Landeshauptstadt sitzt das Hauptquartier des amerikanischen Heeres in Europa und Afrika. In dem Zentrum sollen demnach 300 Personen mit der Mission betraut werden. Ein Teil der Ausbildung ukrainischer Soldaten an US-Waffensystemen finde bereits jetzt dort statt. Die Neustrukturierung der US-Hilfe für die Ukraine ist seit Monaten in Gang – nun zeichnet sich immer deutlicher ab, dass der Standort Wiesbaden dabei eine zentrale Rolle einnimmt.

Die amerikanische Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf anonyme, hochrangige US-Militärs und -Regierungsbeamte. Wahrscheinlich werde dazu in den kommenden Wochen eine Entscheidung getroffen. Von Seiten des US-Verteidigungsministeriums Pentagon gab es gegenüber der „NYT“ keine Bestätigung. Auch gegenüber dieser Zeitung bestätigte ein Sprecher der US-Streitkräfte die konkreten Pläne nicht, sagte aber: „In enger Abstimmung mit unseren Verbündeten und Partnern unternehmen wir weiterhin Schritte, um unsere Unterstützung für die ukrainischen Streitkräfte einheitlicher auszurichten, um den Ukrainern bei der Verteidigung ihres Heimatlandes gegen die unprovozierte Invasion Russlands zu helfen.“

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Erste Soldaten werden bereits betreut

Laut „NYT“ sind die Pläne für das Zentrum Teil einer Überarbeitung des Ausbildungs- und Unterstützungssystems, das nach Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar spontan geschaffen worden sei. Nun werde es unter ein einziges neues Kommando in Deutschland gestellt, das von einem hochrangigen US-General geleitet werde. Derzeit werde die Unterstützung für die Ukraine vor allem von einem General des 18. Luftlandecorps koordiniert, der aber in Kürze wieder von Wiesbaden nach Fort Bragg in den USA (North Carolina) zurückkehren werde. 300 Soldaten des Corps waren noch vor Kriegsbeginn nach Wiesbaden entsandt worden.

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Das neue Kommando würde zugleich die Entscheidungen der so genannten Ukraine-Kontaktgruppe ausführen, schreibt die „NYT“. Darin koordinieren rund 40 Staaten seit Kriegsbeginn ihre Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte. Zu der Gruppe gehört auch Deutschland. Wiesbaden wäre laut „NYT“ demnach weiterhin Ort der US-geführten Ausbildung und Unterstützung, andere westliche Länder bilden ukrainische Soldaten an anderen Orten aus. So ist etwa bekannt, dass die Bundeswehr in Idar-Oberstein Ukrainer an der Panzerhaubitze 2000 ausbildet; in Grafenwöhr (Bayern) trainieren die US-Streitkräfte Ukrainer auf dem dortigen Truppenübungsplatz an westlichen Artillerie-Systemen. Aus früheren Verlautbarungen des Pentagons und US-Militärs ist bekannt, dass die Schulung ukrainischer Soldaten durch die USA bereits nach der russischen Annexion der Krim 2014 intensiviert wurde.

Vorgelegt wurden die neuen Pläne laut „NYT“ von US-General Christopher G. Cavoli, das neue Kommando werde auch an ihn berichten. Cavoli ist seit Juli Befehlshaber der US-Streitkräfte in Europa mit Sitz in Stuttgart und zugleich der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa. In dieser Funktion ist er vor allem für die Planung und Ausführung der militärischen Maßnahmen zur Bündnisverteidigung und zur Abschreckung Russlands verantwortlich. Bis zu seinem Wechsel im Juli war Cavoli Oberbefehlshaber in Wiesbaden.

Internationales Logistikteam in Wiesbaden

Ein Sprecher des US-Hauptquartiers in Stuttgart erklärte nun gegenüber dieser Zeitung, bereits am 6. August sei das „International Donor Coordination Center“ – quasi ein multinationales Logistikteam, das die Hilfe für die Ukraine koordiniert – nach Wiesbaden verlegt worden. Der Grund dafür sei gewesen, „dauerhafte Operationen besser zu unterstützen, und enger mit unseren Verbündeten und Partnern zusammenzuarbeiten, um zusätzliche Möglichkeiten zur Unterstützung der Ukraine zu ermitteln“, sagte der Sprecher. In Wiesbaden erhöhe die gemeinsame Lage mit dem Hauptquartier der US-Armee in Europa und Afrika sowie dem 18. Luftlandecorps die Fähigkeit, ukrainische Operationen schnell zu unterstützen.

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Die nun bekannt gewordenen Pläne für eine neue Ausbildungs- und Ausrüstungsstruktur werden laut NYT von Beobachtern in den USA als Verfestigung der bisherigen US-Unterstützung der Ukraine gewertet. Und damit auch als Indiz dafür, dass aus US-Sicht die Bedrohung Russlands für die Ukraine und weitere Nachbarstaaten noch viele Jahre anhalten werde.