Stammzellenspender für Clara aus Eddersheim gesucht

Clara und ihr Papa Carsten Heil brauchen noch passende Spender, mit deren Hilfe die Heilungschancen des Mädchens steigen.                 Foto: Hendrik Jung

Die Fünfjährige Clara ist an Leukämie erkrankt. Bisher wurde aber noch kein genetischer Zwilling gefunden. Ein passender Spender wird gesucht.

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EDDERSHEIM. Der Schrei ist kurz, aber durchdringend. Durch ihre Chemotherapie leidet die fünfjährige Clara derzeit unter einer Schleimhautentzündung, und das macht nicht nur das Essen beschwerlich, sondern es juckt auch im Po. Ob am frühen Morgen, mitten in der Nacht oder wie jetzt am Abend ist es dann Zeit, dass Papa Carsten Heil die Beschwerden durch das Auftragen einer Salbe lindert. Mama Antonella kann das nicht übernehmen, denn sie ist vor zwei Jahren an einem Hirntumor erkrankt, gestürzt und in der Folge an einem Schädelhirntrauma gestorben.

Diagnose im Mai

Im Mai dieses Jahres hat Töchterchen Clara die ersten Symptome entwickelt, die am Ende zu der Diagnose geführt haben, dass das Mädchen unter Leukämie leidet. Seit Juni ist nun die Krebsstation im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz ihre zweite Heimat. Die Stammzelltransplantation, die Clara zum Überleben benötigt, soll dann am Universitätsklinikum Frankfurt erfolgen. Eine erste Vorbesprechung hat dort gerade stattgefunden. Nun werden aber noch Spender gesucht, deren Gewebemerkmale möglichst vollständig mit denen von Clara übereinstimmen. Bislang hat sich noch kein solcher genetischer Zwilling gefunden.

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Grundsätzlich infrage kommen alle gesunden Menschen im Alter zwischen 17 und 55 Jahren, die nicht bereits bei der DKMS oder einer anderen Datei registriert sind. Das Vorgehen ist ganz einfach: Nach Registrierung bei der DKMS erhält man ein Set zugeschickt, mit dem man bei sich selbst einen Wangenabstrich vornehmen kann. Nach Analyse der Probe ist man über die Datei weltweit zu finden. Sollte man als Spender für Clara oder einen anderen Patienten infrage kommen, wird zunächst eine Blutprobe benötigt. Sollte auch deren Untersuchung eine Eignung ergeben, reicht heutzutage in den meisten Fällen eine periphere Stammzellspende aus, die ebenfalls über Blutabnahme erfolgen kann. In manchen Fällen werden die Stammzellen dem Knochenmark des Spenders entnommen, wofür ein operativer Eingriff unter Vollnarkose notwendig ist.

Umso mehr Spender, umso besser

„Je mehr passende Spender sich finden, umso besser“, betont Papa Carsten. Denn einer der Risikofaktoren bei der Transplantation besteht darin, dass die gespendeten Stammzellen nicht anwachsen und somit keine Bildung neuer Blutzellen gelingt. Bevor die Transplantation beginnt, erfolgt beim Patienten jedoch eine hochdosierte Chemotherapie, eventuell in Kombination mit einer Strahlentherapie, um Krebszellen aber auch Blutstammzellen abzutöten. „Wenn die Stammzellen nicht anwachsen, kann man jemand ein bis zwei Monate am Leben erhalten“, hat Carsten erfahren. Da wäre es gut, mehr als einen passenden Spender zu kennen. Nicht die einzige Gefahr, die Clara im Rahmen einer Transplantation droht. Es könnte genauso passieren, dass die frischen Immunzellen des Spenders gesunde Zellen des Patienten attackieren, und natürlich kann auch die Leukämie zurückkehren. „Es kommt viel auf uns zu, aber wir gehen da positiv ran. Das ist das Wichtigste“, erläutert der 52-Jährige.

Da seine Tochter derzeit seine ganze Aufmerksamkeit benötigt, hat der selbstständige Pflegesachverständige jedoch ein weiteres Problem. Es fällt ihm schwer, Termine zu vereinbaren, um seinem Beruf nachzugehen. Seine Mutter könne er mit 71 Jahren auch nicht zu sehr mit der Betreuung seiner Tochter belasten, und seine Schwiegereltern seien berufstätig, sodass er im Zweifel eine Tagesmutter engagieren müsse, um Geld zu verdienen. Viel Zeit bleibt ihm durch die schwere Erkrankung seiner Tochter ohnehin nicht, und so habe er bereits sein Auto verkauft und nutze für Termine das seines Vaters. „Ich lebe zur Zeit tatsächlich von Spenden, was mir sehr unangenehm ist“, verdeutlicht Carsten. Es sei aber unglaublich, dass Unbekannte ihn finanziell unterstützten oder ein Paket mit Spielsachen und Süßigkeiten für seine Tochter schickten.

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Schwerer Weg für die Fünfjährige

Schokolinsen mit Jogurt sei derzeit eine der wenigen Speisen, die den Appetit der Fünfjährigen anregten. Da deren Gewicht von fast 19 Kilogramm inzwischen auf etwas mehr als 15 Kilogramm gesunken sei, gehe ihr Vater auf alle ihre Essenswünsche ein. Auch wenn er gerade Pizza bestellt habe, sie inzwischen aber lieber Pommes Frites essen würde, backe er eben welche auf. Schließlich braucht Clara Substanz für den schweren Weg, der vor ihr liegt.