Am Lahnhof bewegt sich was

Wo Wetzlar sich verändert: der Leica-Camera-Neubau.  Foto: Stadt Wetzlar

WETZLAR/MÜNCHEN Es geht ums Geld, ums Expandieren, ums Bauen: Die Expo Real in München ist Europas Leitmesse für Immobilien und Investitionen. Hier wurde auch eingefädelt,...

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. WETZLAR/MÜNCHEN Es geht ums Geld, ums Expandieren, ums Bauen: Die Expo Real in München ist Europas Leitmesse für Immobilien und Investitionen. Hier wurde auch eingefädelt, dass Ikea nach Wetzlar kommt. Zwei Jahre danach kommt das dem Auftritt der Stadt zugute.

{element} Eigentlich gehört Wetzlar hier zu den ganz kleinen Fischen. Schließ;lich bemühen sich am selben Ort Moskau, Mexiko City oder Frankfurt um Investoren. Deshalb würde es auch kaum reichen, einen Stand mit schönen Bildern von Dom und Altstadt aufzubauen und darauf zu warten, dass jemand vorbeikommt - sagt Harald Semler (FW), der Wetzlarer Wirtschaftsdezernent. Die drei Tage Expo Real im Oktober seien für seine Mitarbeiter und ihn trotzdem unentbehrlich: Um Entscheider ins Gespräch zu bringen, um Kontakte innerhalb und auß;erhalb Mittelhessens zu pflegen. Kontakte mit möglichen Investoren, Planungs- und Bauunternehmen, Banken, Nachbarkommunen. Manche Termine werden teils schon vier Monate vorher festgelegt.

Auch vor zwei Jahren brachten die Wetzlarer auf der Expo Real die richtigen Leute miteinander ins Gespräch - mit der Folge, dass Ikea sich die Industriebrache von HeidelbergCement sicherte, um einen Markt in Mittelhessen zu bauen. Geht es heute um Wetzlars Ansehen für Investoren auf Flächensuche, sei das von groß;em Vorteil, sagt Rainer Dietrich, bei der Stadt zuständig für Wirtschaftsförderung, der seit Jahren auf der Messe dabei ist. Sowohl Ikea als auch der Neubau des Leica-Camera-Werks mit dem Leitz-Park seien - was Planung und Genehmigungsverfahren angeht - für Wetzlar zu Referenzprojekten geworden, sagt Semler. "Es geht darum, ein gutes Investitionsklima zu schaffen."

{element} Das will der Wirtschaftsdezernent auch erreichen, um Leben in die dahinsiechende Bahnhofstraß;e zu bringen. Die Entwicklung dieses Quartiers und der Innenstadt insgesamt seien in diesem Jahr wichtigste Themen auf der Expo Real gewesen, berichtet Semler. Dabei war die Messe für die Wetzlarer Delegation auch eine Chance, Vertreter von Immobilienkonzernen zu treffen, die sonst schwer zu greifen sind.

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Semler geht davon aus, dass im Frühjahr Pläne zur Zukunft des Lahnhofs auf den Tisch kommen

Beispiel: Die Lahnhof-Entwicklung. Der größ;te Teil des Areals, Passagen und Parkplätze, gehören dem Immobilienfonds Patrizia Deutschland mit Sitz in Augsburg. Nach Jahren des Leerstands wird das Unternehmen nun voraussichtlich dafür sorgen, dass Wohnungen am Lahnhof entstehen. Wetzlars Stadtverordnete hatten im Sommer den Bebauungsplan geändert, um das zu ermöglichen. Mittlerweile entstünden konkrete Pläne, die voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres auf den Tisch kämen, berichtet Semler.

{element} Ob das Lahnhof-Projekt auch für eine neue Nutzung des ehemaligen Kaufhauses "Mauritius" gleich nebenan Initialzündung wird, das ist weiter offen. Seit 16 Jahren steht das groß;e Gebäude in der Bahnhofstraß;e leer. Eigentümer ist die Düsseldorfer Metro AG. Zumindest gab es in München Gespräche mit der Metro, nach Zeiten, in denen auch schon mal Funkstille herrschte.

Dass in Wetzlar auch Bürger über die Gestaltung der Bahnhofstraß;e mitreden, sei nach seiner Erfahrung für Investoren nichts Negatives, sagt Semler. Im Gegenteil: Für Unternehmen sei es von Vorteil, wenn von Beginn an klar ist, was möglich und gewünscht ist und was nicht. Das beschleunige schließ;lich auch die Planungen.

Von Dirk Wingender