Stadtwerke: 200 Millionen Euro für Erneuerbare Energien

aus Energiekrise

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Mit ihren Beteiligungen wollen die Mainzer Stadtwerke in den kommenden Jahren über 40 neue Windkraftanlagen bauen. Aktuell betreiben die Stadtwerke deutschlandweit über 120 Windkraftanlagen.  Archivfoto: Sascha Kopp

In den kommenden Jahren wollen die Mainzer Stadtwerke 200 Millionen Euro in Erneuerbare Energien investieren. Die Stromerzeugung aus Wind, Wasser und Sonne soll verdoppelt werden.

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MAINZ. Natürlich konnte sich Michael Ebling diese Steilvorlage von Olaf Scholz nicht entgehen lassen. Der Bundeskanzler hatte zuletzt beim Thema Energiekosten vom „Doppel-Wumms“ gesprochen, der Mainzer Oberbürgermeister nannte die gemeinsam mit den Stadtwerken geplanten Maßnahmen nun den „Klima-Wumms“. 200 Millionen Euro wollen die Stadtwerke in den kommenden fünf bis sieben Jahren in den Ausbau der Erneuerbaren Energien investieren. „Wir werden die Anstrengungen in diesem Bereich massiv verstärken“, kündigte Stadtwerke-Vorstand Daniel Gahr an. Sein Vorstandskollege Dr. Tobias Brosze sagte: „Klimaschutz ist nichts, was noch ausprobiert werden muss. Die Technologien dafür sind da.“

Konkret geht es den Stadtwerken um zwei Bereiche: Zum einen sind Projekte für Photovoltaik- und Windkraftanlagen geplant. „Dafür sind die 200 Millionen Euro schwerpunktmäßig gedacht“, sagte Brosze. Zum anderen planen die Stadtwerke eine Reihe an kleineren Maßnahmen, bei denen auch die Bürger in Sachen Klimaschutz miteinbezogen werden sollen.

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Erstes Ziel wurde bereits erreicht

Grundlage der Maßnahmen ist eine neue Klimaschutzvereinbarung von Stadt und Stadtwerken. „Die erste Vereinbarung dieser Art gab es schon 2007“, sagte OB Ebling (SPD). Das Thema Klimaschutz sei nicht erst seit drei Jahren von Bedeutung. Die alte Vereinbarung hatte sich zum Ziel gesetzt, dass die Stadtwerke bis zum Jahr 2020 20 Prozent des Mainzer Stromverbrauchs über Erneuerbare Energien abdecken sollten. „Das Ziel wurde schon vor 2020 erreicht“, sagte Ebling.

Nun geht es also um neue Ziele. Durch das neue Programm wolle man auch unabhängiger von Energieimporten werden, so Ebling. Teil der Maßnahmen für den Klimaschutz sei neben der Vereinbarung mit den Stadtwerken auch der Stadtratsbeschluss zum Klimanotstand und der Masterplan Klimaschutz. Dass nun eine große Summe in Erneuerbare Energien investiert werden könne, hänge auch damit zusammen, dass die Stadtwerke solide aufgestellt seien, der Mainzer Haushalt unter neuen Bedingungen aufgestellt werde und der politische Wille da sei, sagte der Mainzer Oberbürgermeister.

"Nicht jedes geplante Projekt kann realisiert werden"

Über Tochter- und Beteiligungsunternehmen betreiben die Mainzer Stadtwerke derzeit deutschlandweit über 120 Windkraft-, 199 Photovoltaik- und zwölf Wasserkraftanlagen. Mit diesen Anlagen können jährlich zwischen 333 und 391 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. „Rechnerisch können wir damit alle 110.000 Mainzer Haushalte mit Strom versorgen“, sagte Tobias Brosze. Bis zum Jahr 2029 wollen die Stadtwerke die jährliche Stromerzeugung durch Sonne, Wind und Wasser auf 700 Millionen Kilowattstunden erhöhen. „Damit könnte rein rechnerisch auch noch ein Großteil der Wiesbadener Haushalte versorgt werden“, so Brosze.

Über den Projektentwickler Pionext, an dem die Stadtwerke zu einem Drittel beteiligt sind, sollen 21 neue Windkraftanlagen und 15 Photovoltaik-Freiflächenanlagen entstehen. Über die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG, wovon den Stadtwerken die Hälfte gehört, sollen noch einmal 22 Windkraftanlagen sowie vier Photovoltaik-Freiflächenanlagen gebaut werden. „Am Ende wird nicht jedes Projekt realisiert“, erklärte Tobias Brosze, weshalb die Investitionssumme derzeit noch über den geplanten 200 Millionen liegt.

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Damit spielte der Stadtwerke-Vorstand auf eines der Probleme im Bereich der Erneuerbaren Energien an: „Es dauert bis zu acht Jahre, bis ein Windpark gebaut wird. Zwei bis vier Jahre bei einer Photovoltaik-Anlage.“ Schneller seien die Genehmigungen vom Bund nicht zu bekommen. „Aber alle haben verstanden, dass es bei den Erneuerbaren Energien schneller gehen muss“, so Brosze. OB Ebling fügte hinzu, dass bei Land und Bund klar sein müsse, das Hürden aus dem Weg geräumt werden müssten. „In dem Programm ist auch ein bisschen Anarchie. Wir machen Druck von unten“, sagte Ebling. „Wir wollen die Klimaneutralität erreichen“, so der OB. Nun gehe es darum, aufs Tempo zu drücken.