Meine Woche: Wird der Weihnachtsmarkt wieder wie früher?

VRM-Redakteurin Julia Sloboda blickt auf die vergangene Woche zurück.

Ohne Corona-Einschränkungen soll der Weihnachtsmarkt am 24. November beginnen. Doch ist dadurch wirklich alles beim Alten? Nicht ganz, sagt Redakteurin Julia Sloboda.

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Mainz. Gelb, grün, pink oder rot – im vergangenen Jahr haben wir am Weihnachtsmarkt Farbe gezeigt. Nachdem der Markt im Jahr 2020 komplett ausgefallen war, wurde er 2021 entzerrt. Zudem galt die 3G-Regel. Vor dem Konsum musste der Kunde also seinen Impf- oder Teststatus nachweisen. Nur mit bunten Bändchen am Handgelenk gab es den heiß begehrten Glühwein. Das wird in diesem Jahr anders sein. Wenn der Weihnachtsmarkt am Donnerstag, 24. November, seine 92 Stände öffnet, gelten keine Corona-Einschränkungen mehr. Alles ist erlaubt, alles ist wie früher! Wirklich? Nicht ganz. Denn natürlich kann auch der Weihnachtsmarkt vor den aktuellen Krisen nicht die Augen verschließen.

Standbetreiber suchen Personal

Da ist zum einen natürlich die Energiekrise. Um Strom zu sparen, leuchten die Lichterketten des Weihnachtsmarktes nur von 17 bis 22 Uhr. Auch beim Rahmenprogramm gibt es Abstriche. Auftreten darf nur, wer ohne zusätzlichen Energieverbrauch auskommt. Beide Einsparmaßnahmen werden die Besucher verkraften. Doch die Auswirkung einer ganz anderen Krise wird auf dem Weihnachtsmarkt wohl ebenfalls sichtbar werden: Bereits bei der Johannisnacht und auch beim Weinmarkt litten die Schausteller massiv unter Personalmangel, konnten die Schichten an ihren Ständen nur mit Ach und Krach oder teilweise auch gar nicht mehr besetzen. Nach den Absagen aufgrund der Corona-Pandemie hatten sich viele Mitarbeiter, vor allem Studenten und andere Minijobber andere Jobs gesucht. Sogar von einer bei vielen mittlerweile fehlenden Bereitschaft für harte Arbeit war teilweise die Rede. Wer vor dem Weihnachtsmarkt die Augen aufhält, sieht auch jetzt schon wieder einige Stellenangebote. Glühwein ausschenken, Bratwurst grillen, Crêpes verkaufen – da wird an vielen Stellen noch nach Personal gesucht.

Die Glühweinpreise bleiben stabil auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt.
Die Glühweinpreise bleiben stabil auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt. (© Sascha Kopp)

Und dann kam in dieser Woche eine Nachricht, die mit den derzeitigen Krisen und ihren Folgen nicht so ganz zusammenpasst. „Der Glühweinpreis bleibt stabil!” Das verkündeten Sascha Barth und Marco Sottile, Sprecher der Weihnachtsmarktbeschicker, beim Pressegespräch zu Wochenbeginn. Einen Becher Glühwein solle es wie im vergangenen Jahr ab 3,50 Euro geben, so die Ankündigung. Das ist aus Besuchersicht natürlich eine sehr schöne Nachricht. Doch bei aller Vorfreude sollte man sich an dieser Stelle einmal fragen: Warum wird der Glühwein nicht teurer? Auch die Schausteller haben steigende Kosten, zahlen mehr für Energie und mehr fürs Benzin. Sie sind händeringend auf der Suche nach mehr Personal, auch hier können sie keine Kosten einsparen. Da scheint es geradezu ein Zeichen weihnachtlicher Nächstenliebe zu sein, dass beim Glühwein nicht aufgeschlagen wird. Nun gibt es natürlich die Möglichkeit, dass die Besucher dafür bei anderen Artikeln des Weihnachtsmarkts tiefer in die Tasche greifen müssen. Dass der vergleichsweise preiswerte Glühwein über das Spießbratenbrötchen oder die gebratenen Mandeln querfinanziert wird. Vielleicht hatten die Schausteller auch Angst vor einer Empörungswelle im Internet, wenn der Glühwein plötzlich mehr kostet.

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Nun startet also der vorweihnachtliche Budenzauber ohne Einschränkungen und ohne Glühwein-Preisaufschlag. Wir sollten trotzdem daran denken, dass es auch die Schausteller nicht leicht hatten zuletzt, dass auch sie von den Krisen mindestens genauso betroffen sind, wie wir alle. Daher mein Appell: Wer es sich leisten kann, lässt etwas mehr Trinkgeld da. Und wer das nicht kann oder möchte, versucht eben auf anderem Wege, das Arbeiten in der Schaustellerei so erträglich wie möglich zu machen. Manchmal reicht es auch, einfach nur freundlich zu sein.