Meine Woche: Mainz geht das Licht aus

aus Energiekrise

Thema folgen
Julia Krentosch ist Leiterin der Mainzer Lokalredaktion.

Warum es ein starkes Zeichen der Solidarität ist, in diesem Jahr die öffentliche Weihnachtsbeleuchtung zu streichen und wir dennoch nicht komplett verzichten müssen.

Anzeige

Mainz. Die rotem Baumsegel im Hafenbecken des Zollhafens bleiben dieses Jahr aus, die Hechtsheimer Ortsmitte dunkel. An beiden Orten hat man sich gegen die Weihnachtsbeleuchtung entschieden. Nicht, um Strom zu sparen. Die paar Euro für die Lichterkette reißen ja kein klaffendes Loch in den Geldbeutel. Nein, die Lichter bleiben aus, weil sie auch anderswo ausbleiben. Im Zollhafen möchten die Betreiber die Bestrebungen der Stadt in Sachen Energieeinsparung unterstützen. In Hechtsheim möchte der Gewerbeverein niemandem, der zu Hause oder im Unternehmen aus finanziellen Gründen auf die Weihnachtsbeleuchtung verzichtet, noch die Nase lang machen, indem er dafür täglich die Lichter über der Straße sehen muss.

Das ist ein starkes Zeichen. Das sollten (fast) alle so machen. Ja, die Lichterkette mag Symbolcharakter haben. Aber diese Hoffnung suche ich persönlich nicht im öffentlichen Raum. Da ist mir die kleine Kerze zu Hause wichtiger als die Lichterkette draußen. Was nutzt mir die Festbeleuchtung auf den Straßen, wenn ich zu Hause im Kalten überlegen muss, was wohl noch so auf mich zukommt? Da tut es doch gut zu wissen, dass dieses Jahr alle verzichten - und wenn es nur aus Solidarität ist. 

Anzeige

Weihnachten sitzen wir also, bildlich gesprochen, alle gemeinsam im Dunkeln? So ganz stimmt das ja auch nicht. Es gibt ihn ja, den Weihnachtsmarkt. Den Sternenhimmel über dem Markt. Wer eine Portion Weihnachtslicht für die Seele tanken möchte, kann das hier tun. Gesellschaft und Weihnachtsstimmung inklusive. Und das ist auch gut so. Denn so ganz ohne (Weihnachts-)Licht schaffen wir es ja auch nicht durch die düstere Zeit. Müssen wir auch gar nicht. Das Licht im Zollhafen oder in Hechtsheim bleibt ja genau dafür aus. Damit wir nicht komplett verzichten müssen und zentral an einem Platz für uns alle die Lichter weiter leuchten können. Auch das ist ein schönes Zeichen der Solidarität.