„Letzte Generation”-Aktion in Mainz: Debatten mit Passanten

Der Protest der Klimaaktivisten sorgte am Freitagmorgen in Mainz für großes Aufsehen.

Am Rande der Blockade von Klimaaktivisten der „Letzten Generation” in Mainz kommt es immer wieder zu hitzigen Debatten und Wortgefechten mit Passanten. Die Aktionen polarisieren.

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Mainz. Seit Wochen wird bundesweit über die Blockadeaktionen von Klimaaktivisten der „Letzten Generation” diskutiert. Die Proteste und insbesondere die Form des sich auf Straßen oder anderweitig Festzukleben polarisiert, führt immer häufiger zu hitzigen Debatten. Es kommt zu offener Konfrontation zwischen Aktivisten und Beobachtern. Auch am Rande der Straßenblockade in Mainz von Freitagmorgen rief der Protest teils lautstarke Reaktionen von Passanten hervor. Teilweise kam es zu hitzigen, aggressiven Wortgefechten. „Lasst die ruhig sitzen” und „Die Zeit hätte ich gerne” waren da noch die nettere Kritik.

Es war gegen 8.15 Uhr, als sich plötzlich sechs Aktivisten der „Letzten Generation” an einem Überweg auf den beiden stadteinwärts führenden Fahrspuren der Binger Straße niederließen, sich mitten auf die Straße setzten. Vier Personen klebten sich jeweils mit einer Hand am Straßenbelag fest. Innerhalb weniger Augenblicke staute sich der in Richtung Innenstadt führende Verkehr zurück. Menschen stiegen aus ihren Wagen, waren völlig perplex, ob der Blockade. Sie könne verstehen, dass sich Menschen, gerade die jüngeren Generationen, vehement für Klimaschutz einsetzten, sagte eine Autofahrerin. „Ich finde Engagement grundsätzlich gut. Aber das geht zu weit und bringt am Ende ohnehin nichts”, so die Frau weiter. „Im Gegenteil: Es wird die Gegner eher bestärken”, ist sie überzeugt.

Straßenverkehr muss wegen Protestaktion umgeleitet werden

Kurz darauf trifft bereits die Polizei ein, bildet eine Menschenkette vor den Protestlern. Umgehend werden die ersten Autoreihen zurückgelotst und wie der weitere aus Richtung Saarstraße kommende Straßenverkehr ab- und umgeleitet. Immer mehr Passanten bleiben stehen, beobachten die Situation. Viele rufen den Aktivisten verärgerte Wortfetzen entgegen. „Lasst sie doch einfach sitzen”, ruft ein Mann den Polizisten zu, während er mit dem Fahrrad vorbeifährt. Andere bleiben stehen, suchen das Gespräch mit den Protestlern. Sie wolle sich die Argumente anhören, sagt eine junge Frau. Aber diese Protestform könne sie nicht nachvollziehen.

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„Wir sitzen hier auf der Straße, weil wir von der Bundesregierung endlich erste einfache Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf die Klimakatastrophe fordern”, sagt ein 39-jähriger Mann aus Mannheim, einer der festgeklebten Aktivisten. Konkret fordere man die Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets sowie ein Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde auf deutschen Autobahnen. Auf die Protestform angesprochen, erklärt er: „Können wir endlich mal über Klimaschutz reden und nicht nur über die Mittel? Friedlicher Ungehorsam hat immer geholfen, wenn andere Mittel bereits versagt haben.” Seit Januar seien über 10.000 Berichte über die Gruppierung erschienen. Die Anzahl der Mitstreiter sei auf inzwischen rund 750 angestiegen. Es sei an der Zeit, zu erkennen, dass die Bundesregierung mit Blick auf ihre Klimaziele unter anderem im Koalitionsvertrag verfassungswidrig handele, zudem Vorgaben und Ergebnisse von Klimaabkommen, etwa aus 2018, ignoriert würden.

Ein Mann reagiert verärgert auf die Äußerungen des Aktivisten. „Was denkst Du, wer Du bist?”, ruft er dem Festgeklebten aufgebracht entgegen. „Wieso entscheidest Du, wer hier im Stau steht, wer hier durchkommt und wer zu spät kommt?”, so der Passant. „Komm doch her und rede mit mir über Klimaschutz”, ruft ihm der Aktivist zu. Der Passant geht kopfschüttelnd weiter.

Klimaaktivisten blockieren die Alicenbrücke in Mainz.
Klimaaktivisten blockieren die Alicenbrücke in Mainz. (© Sascha Kopp)

Sie habe Angst vor den Folgen der Klimakrise, sagt eine der beteiligten Aktivistinnen. Es koste sie große Überwindung, den Alltag anderer Menschen zu unterbrechen, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Doch noch größer sei ihre Angst vor einer Zukunft, die für ihre Kinder nicht mehr lebenswert sei.

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Immer wieder bleiben Menschen stehen, erkundigen sich, was inmitten der Menschenansammlung vor sich gehe. Dann winken sie ab, gehen weiter. Viele scheinen genervt, andere reagieren verbal aggressiv. Ein Mann ist anderer Meinung, beugt sich zu einem der Aktivisten hinab, bedankt sich. Er finde es mutig, sich derart einzusetzen, sagt der Mann. Er selbst würde es ihm jedoch nicht gleicht tun, sagt er noch. „Man darf diesen Personen keine Bühne bieten, jedes Wort, jedes Bild ist zu viel”, findet hingegen eine ältere Frau, während sie an der benachbarten Haltestelle auf ihren Bus wartet.

„Dass es Diskussionen gab, das haben wir natürlich wahrgenommen”, sagt Polizeisprecher Rinaldo Roberto. „Das war auch erwartbar. Das ist ja ein Reizthema. Ich glaube, es widerspricht ja auch keiner dem Sinn hinter der Aktion.” Dass auf Klima und Klimaveränderung aufmerksam gemacht werde. Doch die Art und Weise des Protests scheine viele Menschen zu provozieren, auch etwas dazu zu sagen, so der Polizeisprecher. „Wir haben das hier erlebt. Dass sich einige sehr aggressiv kurz geäußert haben. Aber im Vorbeigehen.” So sei es zu keinen Auseinandersetzungen gekommen. Insofern sei dies kein Problem. Darüber hinaus habe es keine Gaffer gegeben, die sehr nah herangegangen seien.