Meine Woche: Ein knackiger Wahlkampf für die Mainzer

In unserer Rubrik schreibt Redakteurin Julia Sloboda darüber, wie sie die Neuigkeiten zur OB-Wahl bewertet.

Die Oberbürgermeisterwahl ist in Mainz die fünfte Wahl innerhalb von knapp vier Jahren. Wer schafft es da am besten, seine Anhänger schon wieder für den Wahlkampf zu mobilisieren?

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Mainz. Kommunalwahl im Mai 2019, Oberbürgermeisterwahl mit anschließender Stichwahl im Oktober und November 2019, Landtagswahl im März 2021 und Bundestagswahl im September 2021. Und nun die nächste OB-Wahl im Februar und März 2023. Eine lange Liste. Für den Wähler bedeutet das, dass er innerhalb von knapp vier Jahren an mehreren Sonntagen ins Wahllokal laufen muss. Machbar. Für Wahlkämpfer, engagierte Parteimitglieder und Ehrenamtler bedeutet das den nächsten Wahlkampf. Plakate aufhängen, Flyer verteilen, Infostände besetzen, auf Social Media die Werbetrommel rühren. Schon wieder.

Das müssen die Parteien erst einmal gestemmt bekommen. Der vergleichsweise späte Wahltermin kommt da einerseits gelegen. Schließlich bleibt so etwas mehr Zeit und es muss kein Turbo-Wahlkampf unterm Weihnachtsbaum stattfinden. Andererseits dauert der Wahlkampf so auch länger. Es wird keine „quick and dirty“, also „schnell und schmutzig“-Kampagne geben, sondern einen mehrere Monate dauernden Wahlkampf. Das kann auch zermürben, zumal der Wahlkampf in die kalte und triste Jahreszeit fällt.

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Nun wird es darauf ankommen, welche Partei es am besten schafft, ihre Mitglieder so schnell wieder zu mobilisieren. Natürlich sind die großen Parteien da im Vorteil, alleine was die höhere Zahl der Mitglieder betrifft. Ein Einzelkämpfer kann nur schwer in 15 Stadtteilen an den Haustüren klingeln, eine Partei mit mehreren Hundert Mitgliedern hat es da deutlich leichter. Andererseits stecken den etablierten Parteien und ihren Ehrenamtlern die zurückliegenden Wahlkämpfe noch in den Knochen – gefühlt wurden die letzten Plakate von der Bundestagswahl doch gerade erst abgehängt.

Herausforderungen eines langen Wahlkampfes

Hinzu kommt ein weiteres Problem des anstehenden Wahlkampfs. Er kollidiert zeitlich nicht nur mit Schmuddelwetter, sondern zuerst mit den Weihnachtsfeiertagen und dann mit der Fastnachtskampagne. Da drohen Interessenkonflikte und Personalknappheit, wenn die Parteimitglieder eigentlich Weihnachtsfeiern organisieren oder dem Fastnachtsverein zur Seite stehen müssten.

So oder so: Der Wahlkampf wird knackig. Auch wenn er nun ein paar Wochen länger dauern wird, als ursprünglich einmal angenommen. Auf die Parteimitglieder kommt einiges zu. Plakatieren im Schneeregen? Infostand mit kalten Füßen? Wer hier die widerstandsfähigsten Mitglieder hat, verschafft sich in jedem Fall einen Vorteil.

Einen kleinen Vorteil hat der Wahlkampf dann aber doch noch: Den langen Tag können die vielen Helferinnen und Helfer zumindest bis Heiligabend auf dem Weihnachtsmarkt ausklingen lassen. Oder sie können sich – ab Januar dann – bei einer Fastnachtssitzung auf andere Gedanken bringen lassen.