Flörsheim will sich auf möglichen Starkregen vorbereiten

Bei Starkregen könnte sich das Wasser an der Brücke am Haus am Weilbach stauen. Zur Entlastung des Weilbachs wird deshalb das Regenrückhaltebecken erweitert. Alexander Noé
© Alexander Noé

Die Stadt hat die Erstellung einer Gefahrenkarte in Auftrag gegeben, um reagieren zu können. Welchen Orten in Flörsheim dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.

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FLÖRSHEIM. Starkregen kann selbst die tüchtigste Stadtverwaltung nicht verhindern. Sie kann sich aber mit dem Einleiten entsprechender Maßnahmen darauf einstellen und Einfluss auf die Auswirkungen nehmen. Um zielgerichtet vorsorgen zu können, müssen zunächst die von Starkregenereignissen in besonderem Maße betroffenen Bereiche des Stadtgebietes lokalisiert werden.

Hierzu hat das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) die Kommunen des Main-Taunus-Kreises in Form von Fließpfadkarten über die mutmaßlichen Wege der Wassermassen informiert. Für die Darstellung wurden ein digitales Geländemodell sowie amtliche Daten zu Gebäudegrundrissen und landwirtschaftlichen Nutzflächen verwendet.

Die Fließpfadkarten wurden, freilich mit besonderem Blick auf Flörsheim, in der jüngsten Sitzung des Bau-, Verkehrs- und Umweltausschusses von Bürgermeister Bernd Blisch (CDU) erläutert. Da bei einer Fließpfadkarte weder die Kanalisation noch Durchlässe, Mauern und Gräben berücksichtigt würden, handele es sich nur um einen ersten, gleichwohl wichtigen Überblick, merkte Blisch an. Um ein präziseres Bild zu erhalten, habe die Stadt bei einem Ingenieurbüro die nächsthöhere Stufe, nämlich eine Starkregengefahrenkarte in Auftrag gegeben. Starkregengefahrenkarten werden nach Angaben des HLNUG auf der Basis von detaillierten hydraulischen Simulationen erstellt, dabei werden auch kleinere Hindernisse wie Bordsteinkanten, Gartenmauern oder Einfahrten beachtet. Hierbei sollen neben den Fließwegen auch Senken, in denen sich das Wasser sammeln kann, dargestellt werden. Auch die jeweils vom Ort abhängige Überflutungstiefe sowie die besonders kritischen Bereiche der Infrastruktur sollen ermittelt werden. Da die Erstellung einer Starkregengefahrenkarte aufwendig und die Nachfrage groß sei, müsse von einer längeren Wartezeit ausgegangen werden, bedauerte Blisch. Die Stadt werde im Ausschuss über die Ergebnisse der Untersuchung berichten.

Schon jetzt stehe allerdings fest, dass den Hängen, vornehmlich den Weinbergen an der Warte und am Wickerbachtal, besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse, sagte der Bürgermeister. Je steiler ein Hang sei, desto größer sei die Gefahr, dass ein Teil der aufgeweichten Erdmasse ins Rutschen kommen könnte. Was die bebauten Flächen angehe, sei die Gefahr einer Überflutung sowohl in Wicker als auch im Stadtteil Keramag überschaubar, so Blisch. In der Kernstadt seien dagegen einige Bereiche, wie das Einkaufszentrum Kolonnaden oder das Künstlerviertel, als gefährdet eingestuft worden (wie berichtet). Während der Wickerbach aufgrund seiner großen Entfernung zur Wohnbebauung ohne größere Folgen über die Ufer treten könne, sehe das beim Weilbach anders aus, sagte Blisch. Jener fließe nämlich mitten durch den gleichnamigen Stadtteil und müsse beim Haus am Weilbach „durch ein Nadelöhr“. Dort, an der vom Heiligen Nepomuk bewachten Brücke, könnte sich das Wasser bei Starkregen stauen.

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Zur Entlastung des Weilbachs war bereits Anfang der 1990er Jahre als Reaktion auf immer wiederkehrende Hochwasserereignisse ein Regenrückhaltebecken errichtet worden. Das Fassungsvermögen der hinter dem Weilbacher Schloss befindlichen Anlage werde baulich durch Anpassung der Stauhöhe erweitert, kündigte der Bürgermeister an, die entsprechenden Aufträge seien bereits erteilt worden.