Fischer geben Kampf gegen Schwarzangler an Rhein und Main auf

Viele Angler an Rhein und Main haben keine Genehmigung. Archivfoto: dpa

Rhein und Main ziehen viele Angler an - auch solche, die keine Genehmigung haben. Den Kampf gegen diese Fischwilderer haben die Mitglieder des Flörsheimer Angelsportvereins...

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FLÖRSHEIM/HESSEN. Eine Biegung am Altrhein, eine Bucht am Main, ein Buhnenfeld am Rhein – es sind meist idyllische Orte, die sich die Fischwilderer aussuchen. Doch es werden Tatorte daraus, wenn die Schwarzangler ihre Ruten auswerfen oder ihre Schnüre legen. Dass sie es auf Karpfen und Hechte, Zander und Bresen abgesehen haben, statt auf Hase, Hirsch und Wildschwein macht dabei nur einen kleinen Unterschied: Es ist Fischwilderei.

Die Erfahrungen von Oliver Kern, Gewässerwart des Flörsheimer Angelsportvereins, der den Main von Okriftel bis zur Kostheimer Schleuse gepachtet hat, sprechen eine deutliche Sprache. „Von 20 Anglern, die ich im vergangenen Jahr kontrolliert habe, hatten 15 keine Erlaubnis“, berichtet er. Er belässt es schon lange bei Ermahnungen, Anzeigen spart er sich. „Es passiert sowieso nichts.“ Und abgehalten würden die Schwarzangler durch die Kontrollen auch nicht. „Die gehen halt woanders hin, wo sie schwerer zu entdecken sind.“

Schonzeiten und Mindestmaße werden ignoriert

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Der Schaden für den Verein ist enorm. Bis zu fünftausend Euro gibt der ASV Flörsheim im Jahr für den Fischbesatz auf seiner Pachtstrecke aus, finanziert durch die Gebühr für die Mainkarten. Jeder Schwarzangler dezimiert den Bestand, ohne einen Beitrag zu dessen Erhalt zu leisten. Hessenweit sind von Januar bis Ende August 59 Anzeigen wegen Fischwilderei erstattet worden. Im gesamten Jahr 2017 waren es 58 Anzeigen. Viele davon betreffen Rhein und Main. Die Antwort des Gesetzgebers darauf ist eindeutig. Bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe sieht das Strafgesetzbuch vor. Damit ist zumindest die Theorie beschrieben.

Die Praxis sieht aber offenbar ganz anders aus. Klaus Däschler, der Präsident des Verbandes hessischer Fischer, hat den Kampf gegen Schwarzangler schon verloren gegeben. „Das ist ein Problem, das wir unter diesen Umständen nicht mehr in den Griff bekommen.“ Dabei gibt sich Däschler keinen grundsätzlichen Illusionen hin. „Schwarzfischer gibt es, seit es Fische gibt“, sagt er. Doch mittlerweile stehe man vor erheblichen Problemen, so Däschler. Es seien vor allem Schwarzangler aus Osteuropa, die den Fischern Sorgen bereiten. „Diese Menschen sind es nicht gewohnt, dass für Gewässer Karten gekauft werden müssen“, äußert Däschler noch ein gewisses Verständnis für die Ursache des Problems. Doch auch die Art des Angelns sei eine andere. „Die angeln, wo sie wollen, und nehmen mit, was sie können.“ Vorschriften wie Mindestmaße und Schonzeiten, die dem Naturschutz und dem Erhalt der Fischpopulation dienen, seien dabei kein Thema. Die Vermüllung der Angelplätze dagegen schon. Kontrollen durch ehrenamtliche Fischereiaufseher, die oft aus den örtlichen Angelvereinen entlang der Flussstrecke stammen, seien zunehmend schwieriger geworden. „Das sind zwei bis vier Mann, die werden höchst aggressiv, wenn man sie belehren will, und drohen auch noch Prügel an“, berichtet Däschler. Dass zur Angelausrüstung auch ein scharfes und spitzes Messer zum waidgerechten Töten der Fische gehört, macht die Sache nicht einfacher.

Mal mit der Handangel, mal mit dem Stellnetz

Doch das Grundproblem sieht Däschler an ganz anderer Stelle. „So lange unsere Rechtsorgane das aus Mangel an Interesse nicht weiterverfolgen, können wir der Sache nicht Herr werden.“ In der Regel, so Däschlers Erfahrung, würden Verfahren wegen Fischwilderei nämlich eingestellt. „Für was soll ich da noch kontrollieren?“, fragt er. Die Zahlen aus dem Justizministerium bestätigen Däschlers Einschätzung. Danach gab es im Jahr 2015 insgesamt 210 Anzeigen wegen Fischwilderei, im Jahr 2016 waren es 132 Anzeigen und für das Jahr 2017 sind schließlich 100 Anzeigen statistisch erfasst. Die Zahl der Verurteilungen ist wesentlich geringer. 2015 waren es 55 Verurteilungen wegen Fischwilderei, 162 Ermittlungsverfahren wurden eingestellt. Im Jahr 2016 wurden insgesamt 38 Verurteilungen und 100 Einstellungen statistisch erfasst. Schließlich kamen im Jahr 2017 auf 42 Verurteilungen insgesamt 85 Einstellungen. Die Methoden der Schwarzangler sind dabei äußerst vielfältig. Manchmal gehen sie wie ganz normale Angler vor und fischen mit den erlaubten zwei Handruten – nur eben ohne die notwendige Erlaubnis. Dann werden verbotene Legeschnüre ausgelegt, manchmal mit einer Vielzahl von Haken, mehr als zwei Ruten verwendet oder gar Stellnetze im Fluss aufgebaut. Unterwegs sind die Schwarzangler oft dann, wenn die Ordnungsämter Feierabend haben und die ehrenamtlichen Fischereiaufseher sich auch nicht unbedingt um Kontrollen reißen: abends und nachts.

Unwissenheit lässt Günter Hoff-Schramm vom Verband Hessischer Fischer aber nur für geschätzt 20 Prozent der Schwarzangler gelten. Der Rest wisse genau, was er da tue.

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Ein Viertel aller Angler ohne Erlaubnis?

Ohnehin seien Schwarzangler keine Randerscheinung. Verlässliche Zahlen hat Günter Hoff-Schramm zwar nicht, seiner ganz persönlichen Einschätzung nach sitzen aber ein Viertel aller Angler an Rhein und Main ohne die nötige Erlaubnis am Ufer. 60 Euro kostet die Jahreskarte für das hessische Rheinufer.

Organisierte Kriminalität sieht er aber nicht am Werk. Anders sei es bei den Fischzuchten, deren Teiche von professionell arbeitenden Banden über Nacht leergefischt werden. „Die kommen mit dem Lastwagen und holen tonnenweise Fisch raus.“

Gemeinsame Kontrollen von Wasserschutzpolizei und Fischereiaufseher

Schwerpunktmäßige Kontrollen in Sachen Schwarzangelei gebe es nicht, sagt Maike Gambach, die stellvertretende Leiterin der Wasserschutzpolizei Wiesbaden, die für das hessische Rheinufer zwischen Nierstein und Niederwalluf sowie den Main bis zur Eddersheimer Schleuse zuständig ist. „Primär kümmern wir uns um die Berufsschifffahrt.“ Von Aggressionen, die besonders den ehrenamtlichen Fischereiaufsehern entgegenschlagen, hat sie schon gehört. Deshalb seien schon gemeinsame Kontrollen von Wasserschutzpolizei und Fischereiaufsehern geplant.