Verhärtete Fronten im Baustreit um den Canadian Club Rüsselsheim

Das Gelände des Canadian Club ist stark zugewuchert, das Gebäude zeigt sichtbare Verfallsspuren. Foto: Vollformat / Volker Dziemballa

Seit 2008 liegt das Gelände des Canadian Club Rüsselsheim brach. Nachdem der ehemalige Kult-Club abgebrannt ist, hat sich an Gebäude und Fläche wenig getan. Das will Ertekin...

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RÜSSELSHEIM. Über den hohen Zaun hinweg ist vom Zustand des Canadian-Club-Grundstücks in der Mainstraße wenig zu erkennen. Die Fläche liegt seit Jahren brach. 2008 brannte der ehemalige Kult-Club ab, seitdem hat sich an Gebäude und Fläche wenig getan. Die Scheiben im Vorbau sind zersplittert, vor dem Haus liegen meterhoch gestapelt Baumreste. Ertekin Keskin, seit 2006 Eigentümer des Grundstücks, erklärt den Mitgliedern des Bauauschusses, die über Stämme und Bauschutt auf das Gelände vorgedrungen sind und nun im meterhohen Gras stehen, dass er bereits begonnen habe, das Grundstück für eine Neugestaltung vorzubereiten. Zum Beispiel, indem er Baumschnittarbeiten vorgenommen habe.

„Seit fünf Jahren bin ich mit der Stadt im Gespräch und würde lieber heute als morgen hier einen Neubau errichten. Aber ich bekomme ja keine Genehmigung“, wiederholt Keskin, was er im Gespräch mit dieser Zeitung bereits erläutert hatte. Der Eigentümer will Mietwohnungen und zwei Ladenlokale schaffen. Nachdem die Verwaltung seine Pläne dafür abgelehnt hatte, beauftragte die Stadt selbst einen Architekten, der neue Entwürfe für das Gelände erstellte. Keskin sagt: Er sei mit diesen Plänen durchaus einverstanden. Allerdings blockiere die Stadt selbst nun auch die Umsetzung der neuen Entwürfe. „Ist denn jemand von der Bauaufsicht dabei, der uns den Sachverhalt aus Sicht der Verwaltung erklären kann?“, fragt Thorsten Weber (CDU) bei der Begehung in die Runde. Bauausschuss-Vorsitzender Joachim Walczuch (WsR) muss festhalten, dass in diesem Moment keine Aufklärung möglich ist. Die Verwaltung wolle nämlich mit Verweis auf die Verträge mit dem privaten Eigentümer erst im nicht-öffentlichen Teil des Ausschusses Stellung nehmen. Den Mandatsträgern bleibt auf dem „Candy“-Grundstück so nur die Betrachtung der Gegebenheiten.

Karl-Heinz Schneckenberger (Linke/Liste Soli) formuliert generelle Bedenken zur geplanten Wohnbebauung auf dem Grundstück. „Nebenan befindet sich direkt das Rind, wo es auch mal laute Konzerte gibt. Da ist ein Konflikt doch vorprogrammiert.“ Keskin, der die Pläne des seitens der Stadt beauftragten Architekten zur Ansicht mitgebracht hat, erklärt, dass dieses Problem durch vierfach verglaste Fenster zu lösen sei. Zudem stellten sich Mieter, die in derart zentral gelegene Wohnungen zögen, wohl nicht auf Ruhe und Abgeschiedenheit ein.

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Eigentümer habe den Dialog unterbrochen

Nach dem Zeitplan für das weitere Vorgehen angesprochen, verweist der Eigentümer erneut darauf, dass er die Stadt in der Verantwortung sehe. Er gehe nun den Rechtsweg. Nicht nur wegen der nicht ausgestellten Baugenehmigung, sondern auch wegen Ärger um einen kleinen Teil des Grundstücks, den Keskin noch dazukaufen wollte, von der Stadt aber gebremst wurde, weil die von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen wollte.

Um Aufklärung im Fall zu schaffen, äußerte sich Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) im Nachgang des Ausschuss-Termins doch noch. Aus Sicht der Verwaltung liege das Problem eindeutig beim Grundstückseigentümer. Sein Verhalten sorge dafür, dass es kein Vorankommen gebe. Zudem sei es, anders als Keskin selbst es darstellt, nicht so, dass eine Bauvoranfrage auf Basis der neuesten Pläne abgelehnt worden sei. „Abgelehnt wurde nur die Planung, die Keskin zuerst vorgelegt hat.“ Die Stadt habe ja extra einen Architekten beauftragt, um die Vorstellungen von Stadt und Eigentümer zusammenzubringen. „Wir haben diesen Entwurf als Diskussionsgrundlage betrachtet und das auch so kommuniziert“, so Burghardt. In einem Gespräch mit Keskin habe die Verwaltung Punkte genannt, die an dem bestehenden Entwurf noch optimiert werden müssten. Unter anderem werde der Bebauungsplan, den man derzeit für das Schäfergassenviertel erarbeite, keinen drei- sondern nur einen zweigeschossigen Bau zulassen. „Wir könnten gemeinsam eine Lösung finden, die den Vorgaben, aber auch den Vorstellungen beider Seiten gerecht wird.“ Der Eigentümer habe allerdings den Dialog unterbrochen und sich entschieden, lieber öffentlich zu diskutieren als direkt mit der Stadt.

Von Heike Bökenkötter