Rüsselsheim: Stadtlabor-Projekt könnte für neue Besitzer...

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Seit bekannt ist, dass die Dünkel-Group die Mehrheit des Opel-Altwerks erworben hat, sind bei vielen Rüsselsheimer auch die Hoffnungen wiedererwacht, dass sich auf dem...

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RÜSSELSHEIM. Seit bekannt ist, dass die Dünkel-Group die Mehrheit des Opel-Altwerks erworben hat, sind bei vielen Rüsselsheimer auch die Hoffnungen wiedererwacht, dass sich auf dem prominentesten und größten aller City-Sorgenkinder endlich sichtbar etwas zum Besseren wendet. Viel mehr als Hoffnung auf Bewegung kann es allerdings momentan noch nicht geben, denn die neuen Eigner haben bislang noch nicht öffentlich erklärt, welche Pläne sie für die rund 32.000 Quadratmeter Innenstadt haben.

Zwar ist davon auszugehen, dass die Investoren schon eine ziemlich klare Vorstellung von der Revitalisierung haben, dennoch lohnt sich auch für sie ein Blick auf die Ergebnisse des Regionstadt-Projektes von Kulturstipendiat und Architekt Jan Muschiol. Im Rahmen seines „Stadtlabors“ beschäftigten sich Dutzende angehender Architekten und Stadtplaner mit dem ehemaligen Industrieareal und seiner Umgebung und entwickelten kreative Ansätze für Nutzung und Umbau, die sich gerade für Investoren als lohnende Ideen-Fundgrube eignen.

"Immense Flächenverfügbarkeit des Altwerks"

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Wie groß die Bandbreite der Regionstadt-Ergebnisse an fundiertem Datenmaterial und daraus abgeleiteten Entwicklungsideen ist, zeigt ein Blick auf die Arbeiten, die Studierende der Hochschule Mainz (HSM) und der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) vorgelegt haben. Die einen beschäftigten sich mit großer Detailtiefe mit nur einem Teil des historischen Gebäudeensembles und loteten Möglichkeiten aus, im Bestand Wohnnutzungen zu integrieren. Die Frankfurter Studierenden wiederum näherten sich dem Areal aus städteplanerischer Sicht und machten sich Gedanken über die Rolle, die das große Gelände für die Stadt spielen könnte – und natürlich auch umgekehrt, welche Chancen sich aus der Struktur Rüsselsheims für das Altwerk ergeben.

„Das Ergebnis zeigt – insbesondere im Vergleich zu den Stadtteilen Rüsselsheims – die immense Flächenverfügbarkeit des Altwerks. Abhängig von der späteren Nutzungsverteilung könnte im Altwerk Raum für mindestens 3.000 Personen entstehen“, heißt es etwa in der Gemeinschaftsarbeit mit dem Titel „Blaupause Rüsselsheim“, die eine umfassende Bestandsaufnahme des Altwerks und seiner städtebaulichen, verkehrstechnischen und funktionalen Einbettung beinhaltet. Mit der Zielvorgabe einer möglichst großen Nutzungsvielfalt wurde hieraus ein Masterplan entwickelt, der nicht nur zeitlich sinnvolle Revitalisierungsschritte enthält, sondern auch Vorschläge, wie das Areal schon während der Umbaumaßnahmen belebt und erfahrbar gemacht werden kann. Und gerade das wäre doch auch für einen Investor ein lohnendes Ziel, der womöglich andere Nutzungspläne als den vorgeschlagenen Büro-, Wohn-, Gastronomie- und Kultur- und Bildung-Mix hat.

Sehr detaillierte Planungsskizzen

Kurzfristig, schlagen die Studierenden vor, solle die zum Bahnhofsplatz ausgerichtete Front für Geschäfte und Dienstleistungen betreitgestellt werden, um dem Projekt zu Signalwirkung zu verhelfen. Gleichzeitig soll eine Aktivierung „von innen heraus“ erfolgen, und zwar durch die Ansiedlung von Frequenzbringern wie Kultur- und Bildungseinrichtungen. In der zweiten Phase solle dann mit dem Aufbau von Wohneinheiten im Gebäuderiegel an der Weisenauer Straße und der Freigabe zusätzlicher Büroflächen begonnen werden, sowie Hallen für Pkw-Stellplätze hergerichtet.

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Wie genau sich Wohneinheiten, Büros oder Hotelzimmer, Veranstaltungsräume und Parkplätze im Gebäudebestand realisieren lassen, dazu haben die Studierenden Vorstellungen zu Papier gebracht. Insbesondere die Arbeiten aus der HSM geben mit etlichen, sehr detaillierten Planungsskizzen einen guten Eindruck von dem, was im Altwerk möglich ist. So detailliert, dass in den „Conver(c)ity“-Projektarbeiten von Wohnungsgrundrissen bis zur Platzierung der Möbel an alles gedacht ist.

Von André Domes