Rüsselsheim: Heimatforscher Erich Metzner schlägt Denkmal zu...

(v. li.) Ludwig, Fritz, Heinrich, Wilhelm und Carl. Foto: dpa

Adam Opel ist es passiert, Ferdinand Lassalle genauso und auch den „Leuchtenden Vorbildern“ von Luise Heßemer bis Herta Max – ihnen wurde in der Stadt ein Denkmal...

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RÜSSELSHEIM. Adam Opel ist es passiert, Ferdinand Lassalle genauso und auch den „Leuchtenden Vorbildern“ von Luise Heßemer bis Herta Max – ihnen wurde in der Stadt ein Denkmal gesetzt. Und geht es nach Prof. Dr. Ernst Erich Metzner, ist die Stadt gut beraten, über die Verewigung weiterer bekannter Persönlichkeiten im öffentlichen Raum nachzudenken. Der streitbare Lokalgeschichte-Experte macht sich für ein Denkmal stark, das die fünf Opel-Brüder als bekannte und mit Rüsselsheims Entwicklung eng verbundene Söhne der Stadt hervorheben soll. Allein steht Metzner mit seiner Meinung nicht da – und zumindest im Kleinformat existiert ein Denkmal für Carl, Wilhelm, Heinrich, Fritz und Ludwig auch schon.

SCO-Mini-Skulptur könnte Vorlage liefern

Der Vorschlag des Heimatkundlers nimmt nämlich einen Gedanken auf, der sich 2013 schon einmal materialisierte. Damals brachten der frühere Vereinsvorsitzende des SC Opel, Jürgen Gelis, und die Opel-Nachkommen Carlo und Christoph von Opel mit Unterstützung der Volksbank eine Miniskulptur als Sonderedition heraus, die die fünf Opel-Brüder in ihrer wohl bekanntesten Pose zeigt – als Piloten auf dem Quintuplet, dem eigens angefertigten Fünfer-Fahrrad.

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Ganz ähnlich könnte, findet Ernst Erich Metzner, auch eine große Skulptur aussehen, die Bürgern und Gästen der Stadt das Leben und Wirken der Söhne von Firmengründer Adam Opel vergegenwärtigt. „Ich halte das deshalb für eine gute Idee, weil mit den Opel-Brüdern ein wichtiges und denkwürdiges Kapitel der Stadtgeschichte verknüpft ist, das oft etwas zu wenig Beachtung findet“, argumentiert Metzner. Der Ortshistoriker spielt damit auf die vielgestaltige Rolle an, die das Wirken der Brüder für die Entwicklung Rüsselsheims spielten – wirtschaftlich, imagestiftend und auch sportlich. In mancherlei Hinsicht kommt den Söhnen sogar deutlich größere Bedeutung zu als dem Vater, Firmengründer Adam Opel. Und dem wurde schließlich noch zu Lebzeiten der Söhne ein Denkmal gesetzt.

Söhne maßgeblich für Entstehung der Automobilproduktion

Eines der gewichtigsten Argumente für die Bedeutung der fünf Brüder für die Entwicklung Rüsselsheims ist, dass es ohne das Betreiben der Söhne – nicht zuletzt aber auch Adams Witwe Sophie – womöglich nie zu einer Automobilproduktion gekommen wäre. Erst nach dem Tod des Firmengründers, der dem Automobil kritisch gegenüberstand, wurde das Portfolio des Nähmaschinen- und Fahrradherstellers um den Opel-Patent-Motorwagen „System Lutzmann“ erweitert.

Hauptgeschäft war seinerzeit aber natürlich das Fahrrad – ein Produkt, für das die fünf Brüder auch ordentlich die Werbetrommel rührten. Einerseits nutzten die Opels als erfolgreiche Radrennsportler das Produkt bei ihren Rennen, stellten ihre Persönlichkeiten aber auch für Werbekampagnen zur Verfügung – zum Beispiel mit dem ikonischen Fünfer-Tandem, das noch heute ein Hingucker ist. Die Werbung funktionierte so gut, dass man irgendwann nicht mehr von den Opel-Brüdern sprach, sondern von den „fünf Rüsselsheimern“. „Der Begriff ist zwar heute kaum noch bekannt, war aber damals ein oft genutzter Name. Auch deswegen, weil er sein Vorbild bei den fünf Frankfurtern hatte – den Söhnen des Baron Rothschild“, weiß Metzner. Imageträger für die Marke, aber auch die Stadt waren sie also, die Opel-Brüder – und aus dieser Sicht schon einmal interessante Denkmal-Kandidaten.

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Biografien bieten auch problematische Aspekte

Auch in ihrer Heimatstadt seien die Söhne Adam Opels durchaus gut angekommen, sagt der Lokalhistoriker: „Klar – das waren schon Neureiche. Aber die Opels kamen nicht aus dem Bildungsbürgertum und boten auch für die einfachen Leute Identifikationspotenzial.“ Mit ihrer Fahrrad-Affinität habe sich das noch verstärkt, habe das Gefährt damals doch als „Kutsche des kleinen Mannes“ gegolten, Radrennen galten als volkstümlicher Sport. Dazu sei auch überliefert, dass die Opels fast durchweg mit hessischem Zungenschlag sprachen und so zumindest gefühlt „nahe bei den Leuten“ waren.

Wichtig ist Metzner aber auch, bei einem eventuellen Denkmal die problematischen Aspekte der fünf Biografien nicht zu vergessen. Damit spielt der Heimatforscher insbesondere auf Wilhelm von Opels NSDAP-Mitgliedschaft an, aber auch die nationalistische Einstellung, die in der Zeit davor, Kaiserreich und Weimar Hochphasen hatten, die auch vor den Opel-Brüdern nicht haltmachte: „Es geht hier nicht um eine Überhöhung, sondern darum, das darzustellen, was war. Hier liegen schließlich die Wurzeln für das Rüsselsheim von heute.“

Von André Domes