Rüsselsheim: Canadian-Club-Grundstück liegt brach, weil sich...

Liegt seit Jahren brach: Ein Vorankommen ist auf dem Grundstück des ehemaligen Canadian Clubs nicht in Sicht. Foto: Vollformat/Volker Dziemballa

Für das ehemalige Karstadt-Gebäude zeichnet sich ein Weg ab, wie aus Stillstand bald Neues erwachsen könnte. Diese Richtung wünschen sich die Rüsselsheimer auch für das...

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RÜSSELSHEIM. Für das ehemalige Karstadt-Gebäude zeichnet sich ein Weg ab, wie aus Stillstand bald Neues erwachsen könnte. Diese Richtung wünschen sich die Rüsselsheimer auch für das Grundstück in der Mainstraße, auf dem seit einem Brand im Jahr 2008 der ehemalige Canadian Club brachliegt.

Ein Vorankommen ist bei diesem Objekt allerdings nicht in Sicht. Die Situation zwischen dem Eigentümer des Grundstücks, Ertekin Keskin, und der Stadtverwaltung scheint festgefahren, weil sich Besitzer und Stadt bislang nicht auf eine bauliche Lösung für das Areal einigen können.

Während der Streit darüber inzwischen mehrere Jahre anhält, meldet sich jetzt ein dritter Beteiligter zu Wort. Andreas Hartmann ist Eigentümer eines rund 200 Quadratmeter großen Grundstücks, das zwischen dem Grundstück Keskins und dem „Rind“ liegt.

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Neue Pläne nach dem Brand

Nach jahrzehntelangem Betrieb habe er mit seiner Lebensgefährtin Traudel Schüssl den Canadian Club verkauft, erzählt Hartmann. Die Zeit sei reif gewesen, um an neue Betreiber zu übergeben. Allerdings sei mit ihnen damals, im Jahr 2002, nur eine Vereinbarung über den Verkauf des Grundstücks Mainstraße 15 geschlossen wurden, auf dem die frühere Diskothek stand. Heute sind von ihr noch die Ruinen zu sehen. Das kleinere Grundstück nebenan, die Mainstraße 13, sei aber in seinem Besitz geblieben, sagt Hartmann. Später habe Keskin den Club übernommen. Nach dem Brand habe er neue Pläne für das Grundstück entwickelt.

Keskin plant dort, neu zu bauen. Entstehen sollen Wohnungen und Ladenlokale. Damit seine Pläne sinnvoll umzusetzen sind, möchte Keskin nicht nur das große, bereits in seinem Besitz befindliche Grundstück nutzen, sondern auch das Grundstück Nummer 13 von Andreas Hartmann erwerben. Der wurde sich mit Keskin bereits einig - doch zum Abschluss kam das Geschäft nicht. Die Stadt übte ihr Vorkaufsrecht aus und verhinderte so, dass das kleine Grundstück ebenfalls in den Besitz Keskins gelangte.

„Inzwischen ist die Sache sehr verfahren“

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Keskin wehrte sich gegen dieses Vorgehen. Nun ist das Verwaltungsgericht mit dem Streit beschäftigt, Keskin hat gegen die Stadt geklagt. „Inzwischen ist die Sache sehr verfahren“, sagt Hartmann, der bis zum Ausgang des Verfahrens sein Grundstück nicht verkaufen kann.

Im April 2016 sei zwischen ihm und Keskin alles unter Dach und Fach gewesen, erzählt Hartmann. Der Stillstand in der Sache habe ihn belastet und so habe er selbst immer wieder Kontakt mit der Stadtverwaltung aufgenommen. Die sei jedoch nicht bereit, vom Vorkaufsrecht zurückzutreten und damit den Weg frei zu machen: „Es geht hier offensichtlich nur darum, das Vorhaben Keskins zu behindern.“

Stadt bekennt Intention hinter der Ausübung des Vorkaufsrechts

Eine entsprechende Intention hinter der Ausübung des Vorkaufsrechts am Grundstück Mainstraße 13 bekennt die Stadtverwaltung. „Das Problem ist, dass wir in den bisherigen Vorschlägen des Grundstückseigentümers des Canadian Clubs nicht das sehen, was städtebaulich an diese Stelle passen würde“, erklärt Baudezernent Nils Kraft (SPD). „Die Architektur eines Neubaus an dieser Stelle muss sich in den Straßenzug und das Viertel einfügen. Das Vorkaufsrecht ist ein Hebel, um städtebaulichen Fehlentwicklungen vorzubeugen.“

Zwar sei ein Bebauungsplan für das Viertel in Erarbeitung, der könne aber nicht alles abdecken, sodass man trotzdem auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit einem Investor angewiesen sei. Man würde die Situation für Andreas Hartmann gerne auflösen, sagt Kraft, doch derzeit sei das leider so einfach nicht möglich. Die Positionen sind eindeutig: Die Stadtverwaltung fordert, dass Keskin auf Basis der Vorgaben, die der Bebauungsplan voraussichtlich beinhalten wird und die bereits öffentlich vorgestellt wurden, gemeinsam mit einem eigens beauftragten Architekten Entwürfe einreicht. Keskin dagegen fordert zuerst die Rücknahme des Vorkaufsrechts. „Er will eben kein Geld mehr ausgeben, wenn er noch gar nicht weiß, welche Grundstücke ihm letztlich überhaupt zu Verfügung stehen“, sagt Hartmann, dem derzeit nichts weiter bleibt als zu warten.

Eine Entscheidung dürfte wohl erst am Verwaltungsgericht fallen. Eine Mediation sei im Gespräch, sagt Hartmann. „Es wäre doch am besten, wenn sich alle Beteiligten einfach an einem Tisch zusammensetzen.“

Von Heike Bökenkötter