Motorworld: Aus dem Rüsselsheimer Opel-Altwerk soll ein...

Die neuen Eigner des Opel-Altwerks in Rüsselsheim wollen eine "Motorworld-Manufaktur" schaffen. Foto: Vollformat / Volker Dziemballa

Bislang waren die Pläne der neuen Eigner des Opel-Altwerks eher abstrakt. Jetzt weist ein großes Banner am Hauptportal darauf hin, was entstehen soll. Die Investoren...

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RÜSSELSHEIM. Bislang waren die Pläne der neuen Eigner des Opel-Altwerks eher abstrakt. Jetzt weist ein großes Banner am Hauptportal schon einmal darauf hin, was entstehen soll. Die Investoren orientieren sich in Rüsselsheim nicht am klassischen „Motorworld“-Konzept, wie es etwa in Böblingen auf einem alten Flughafen-Areal umgesetzt wurde, sondern wollen eine „Motorworld-Manufaktur“ schaffen. Dabei geht es darum, nicht nur Oldtimer zu zeigen, sondern ein lebendigeres Konzept umzusetzen, wie Andreas Dünkel, Chef der Dünkel-Holding und neuer Hausherr, erklärt.

Neben den Einstellboxen für Oldtimer, die auch Autoliebhaber zum Schauen einladen sollen, ist das Ziel, auch Handwerksbetrieben Platz zu bieten. Dünkel fasst sie thematisch unter dem Stichwort „historische Handwerkskultur“ zusammen. Gemeint sind nicht nur Werkstätten für Autos, sondern auch für Motorräder und nicht motorisierte Zweiräder – die Wurzeln der Firma Opel in der Fahrrad-Herstellung könnten hier also wieder aufgegriffen werden. Aber auch Betriebe, die das Flair unterstreichen sollen, sind eingeplant. Im Gespräch sei man etwa bereits mit einem Sattler und einem Barbier, sagt Dünkel. Die Gewerbetreibenden können dabei einzelne Flächen von den Betreibern der „Motorworld-Manufaktur“ anmieten.

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Konzept auch schon in Berlin und Metzingen

„Raum zum Flanieren“ soll so entstehen, das Ganze bei freiem Eintritt in das Areal. Umgesetzt wurde das Konzept bereits zweimal in Deutschland: in Berlin und in Metzingen. „Lebendige Schrauberdörfer“ nennen die Motorworld-Betreiber diese Areale, die ähnlich wie in Rüsselsheim ihre Heimat in Kulturdenkmälern und historischer Umgebung gefunden haben. In Berlin hat sich die Activ-Group, die als Tochter der Dünkel-Unternehmensgruppe für die Umsetzung verantwortlich ist, am Havelufer angesiedelt und saniert Gebäude auf dem früheren Gelände der Berliner Produktionsstätte der Auto Union AG. In Metzingen ist das frühere Henning-Industrie- und Schmiedeareal der gewählte Standort. Die Parallele zu Rüsselsheim: In allen Fällen hat das Unternehmen das Ziel, den Altbestand zu erhalten und sich in die Industriekultur einzupassen.

Kleine Betriebe sollen gemeinsam eine Art „Schaffensraum für Handwerk der guten alten Zeit“ formen, wie die Dünkel-Gruppe es beschreibt. Wie genau das auf dem Altwerkgelände aussehen soll und wie sich alles auf dem Areal verteilen soll, dazu machen die neuen Besitzer des Altwerks bislang noch keine genauen Angaben. Betont wird immer wieder die gewollte Mischnutzung.

Auch Wohnungen sind geplant

Neben der Motorworld selbst sollen auch Eventhallen, ein Hotel, Gastronomie, aber auch Wohnungen Platz finden – ein Punkt, der noch einigen Diskussionsstoff bieten könnte. Die Bürgerinitiative Opel-Altwerk äußert, nachdem die Eigner ihnen ihre Pläne bilateral vorgestellt hatten, bereits Kritik an einem zu geringen Anteil an Wohnraum. Die Besitzer sind unterdessen noch in der Phase, Genehmigungen einzuholen und zu prüfen, was angesichts von Vorgaben der Aufsichtsbehörden etwa in Bezug auf Lärmschutz, realisierbar ist. Dass dabei nicht nur Lofts und Appartements im Luxussegment entstehen sollen, sondern auch bezahlbarer Wohnraum, das haben die Altwerkbesitzer selbst bereits angekündigt.

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Von Heike Bökenkötter