Junge Kunst beim Sommerfest der Opelvillen

Die Opelvillen feiern Sommerfest und präsentieren „Junge Kunst im Garten“. Das Kunstwerk von Johannes Lenzgeiger trägt den Titel „Akzelerometrie“.Foto: Vollformat/Frank Möllenberg  Foto: Vollformat/Frank Möllenberg
© Foto: Vollformat/Frank Möllenberg

Das Sommerfest der Opelvillen hat den Besuchern ein umfangreiches Programm geboten. Neben Sonderaktionen wie Kinderschminken wurde die Ausstellung „nothing matters (that...

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RÜSSELSHEIM. Jenseits von Kunst, Kuchen und Kaffee samt Bewirtung durch den Freundeskreis und die Winzerfreunde bot das Sommerfest der Opelvillen ein umfangreiches Programm. Rund um die Finissage der Amateurfotografie-Ausstellung „Die reine Leidenschaft“ legte Daniel Herrmann Schallplatten aus der Vinylsammlung seines dort vertretenen Vaters Axel auf. Neben Sonderaktionen wie Kinderschminken wurde die Schleuse-Ausstellung „nothing matters (that much)“ von Robert Schittko eröffnet, die noch bis Anfang September zu sehen sein wird.

Video über Orang Utan und Klagelieder der Batok

Das Kernstück bestand jedoch in einem Novum. Unter dem Titel „Schleuse/Labor ausgelagert“ gab es erstmals ein Gartenprojekt von zehn jungen Künstlern rund um die Villa. Aufgrund der Fülle an Labor-Bewerbungen hatte man sich zu dieser temporären Ausstellung entschlossen. Dem von Kelly Sue Rossmann geleiteten Rundgang schloss sich Oberbürgermeister Udo Bausch an. Die meisten Projekte konnte man nur an diesem Nachmittag besichtigen, zumal die Objekte nicht fest installiert waren.

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Viele Studenten fügten disparate Elemente zu einem neuen Werk zusammen. Mit „Akzelerometrie 4“ als angeordnete Turbine von Auto- und Motorradteilen beschäftigte sich Johannes Lenzgeiger mit der Tradition von Beschleunigung in der Gesellschaft. Edi Danartono griff Klagelieder des Batak-Volkes in Indonesien in einem Buch auf. Auf seiner Gurtdecke „The Backpacker’s Dream“ konnte man sowohl in dieser Textsammlung stöbern als auch einem Video über einen wilden Orang Utan folgen.

Als Auseinandersetzung mit fremden Kulturen wirkte gleichsam Alicja Wysockas Workshop-Arbeit „The Mound – Solstice“. Ihre beiden durch einen Hügel getrennten, bunten Outfits nahmen Bezug auf einen mittelalterlichen Hang des polnischen Dorfes Nowogród. Dagegen zielte Mia Bencun mit ihrem Objekt „Longin To Pray“ aus Proteinpulver-Flaschen, Tonscherben und einer durchsichtigen afrikanischen Maske auf die Gamer-Tradition ab. Ihre Skulptur wurde als Assoziation zu Körperkult, Fanatismus und Ritualen wie dem Erlangen des Heiligen Grals in Videospielen angelegt.

Es machte Sinn, Mathias Weinfurters festgeketteten Ast aus dem Kelsterbacher Stadtwald „Proprietas“ und Jakob Brugges „untitled“ als Smart-Wagen mit Parkkralle zusammen zu platzieren. Diese Arbeiten zum Thema „Schutz vor Umverteilung von Eigentum“ bewiesen reichlich Humor.

In diesem Sinn setzte Lukas Sünder bei „Statistic Picnic“ auf eine Adaption statistischer Erhebungen als Installation aus bunten Brettern, Decken und Kissen. Dass er sich für den Kommentar zu medialen Darstellungen wiederholt Frauenthemen wie Schwangerschaftsabbrüche ausgewählt hatte, brachte dem HfG-Studenten Kritik ein. Ada Radczka und Liesel Burisch beschäftigten sich mit erotischen Gedichten und Soundinstallationen per gedrucktem und gesprochenem Wort.

Zum Ende ihrer kleinen Laborausstellung führte Gastatelier-Künstlerin Anna Nero ein Gespräch mit Kunsthistorikerin Dr. Ruth Polleit Riechert. Darin erläuterte die in Moskau geborene Malerin ihre Arbeitsweise und Intentionen. Auf ihren speziellen Humor wie das Piercing in „Teenager Zimmer“ angesprochen, wies Nero darauf hin, stets narrative Elemente zum Verhältnis zwischen Menschen einzuweben. Bei ihren ausgestellten Keramikarbeiten wie ein Halsband oder einen „rosa Haufen“ setzt sie auf gegensätzliches Material und das Prinzip von Täuschung.

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Mit rund 500 Besuchern erwies sich das Sommerfest samt Kunstprogramm als voller Erfolg, sodass Leiterin Dr. Beate Kemfert sofort eine Wiederholung 2019 ankündigte.