Erinnerungsarbeit wichtiger denn je
Im August 2008 wurde die Stiftung Alte Synagoge in Rüsselsheim gegründet. Am Mittwoch haben die Mitglieder deren zehnjähriges Bestehen mit einem Fest im Garten der Alten...
RÜSSELSHEIM. „Begegnen – Erinnern – Forschen“. Mit diesem Ziel wurde im August 2008 die Stiftung Alte Synagoge in Rüsselsheim gegründet. Am Mittwoch haben die Mitglieder deren zehnjähriges Bestehen nun mit einem Fest im Garten der Alten Synagoge gefeiert.
In dieser Zeit haben die Mitglieder einiges auf die Beine gestellt: Zu 140 Veranstaltungen kamen 6500 Gäste, wie Vorstandsmitglied Torsten Regenstein vor den Besuchern sagte. Regenstein ist zudem Geschäftsführer der Gewobau, auf deren Initiative hin die Stiftung einst gegründet wurde.
Ein Anliegen sei der sensible Umgang mit der Alten Synagoge gewesen. Ziel war es, das historische Gebäude in der Mainzer Straße für die Bürger wieder erlebbar zu machen. Dafür und für weitere Vorhaben habe die Stiftung viele positive Rückmeldungen von Bürgern erhalten, berichtete Regenstein. Ein Erfolg sei auch der Kauf des Nachbarhauses der Mainzer Straße 21 gewesen. Dieses habe die Stiftung der Stadt überlassen, damit dort Flüchtlinge untergebracht werden können. Dennoch sei das Stiftungskapital um ein Viertel gewachsen – vermutlich auch, weil die Stiftung rund 100 000 Euro an Sach- und Geldspenden in den vergangenen zehn Jahren bekommen habe, so Regenstein.
Dass Anfeindungen und Hass gegen jüdische Mitbürger aktuelle Themen sind, merken auch die Mitglieder der Stiftung, wie Vorstandsmitglied Bärbel Maul erklärte. So sei „Jude“ als Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen Realität. Daher müssten Freiräume geschaffen werden, um zum Beispiel Besuche für Gedenkstätten zu ermöglichen. Gottfried Kößler, stellvertretender Direktor und Leiter der Pädagogischen Abteilung des Fritz-Bauer-Instituts, schloss daran an und setzte sich in seinem Vortrag mit Erinnerungskultur in der Migrationsgesellschaft auseinander. Es sei viel Aufklärungsarbeit nötig, so Kößler. Er geht davon aus, dass sich Rassismus von einer politischen auf die pädagogische Ebene verschoben habe.
Musikalisch umrahmt wurde das Gartenfest vom Trio „Klezmers Techter“ (Gabriela Kaufmann, Katrin Zurborg und Nina Hacker).