Artmap: Künstler Sam Khayari erzählt die Geschichte der...

Stolze 15 Meter ragt die Lichtstele am Fuße der Sophienpassage gen Himmel. Unzählige Menschen passieren jeden Tag dieses Kunstwerk des Bildhauers Wolf Spitzer, wahrgenommen...

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RÜSSELSHEIM. Stolze 15 Meter ragt die Lichtstele am Fuße der Sophienpassage gen Himmel. Unzählige Menschen passieren jeden Tag dieses Kunstwerk des Bildhauers Wolf Spitzer, wahrgenommen werden dürfte es trotz seiner imposanten Höhe jedoch nur von den Allerwenigsten. Die meisten Passanten haben stattdessen den Bahnhof, die Bushaltestelle oder auch den angrenzenden Zeitungskiosk im Blick, als sei das Stahlkonstrukt von einer Tarnkappe umgeben und für die Menschen unsichtbar.

Dem Rüsselsheimer Künstler Sam Khayari erscheint der aus Kortenstahl gefertigte Obelisk wie die Drehachse eines Kreisels inmitten der Opelstadt, an dem man gerne einmal drehen würde.

Bei ihrer Errichtung Anfang der Neunzigerjahre machte die Lichtstele ihrem Namen noch alle Ehre, als in den Abendstunden durch die eingefrästen Schächte tatsächlich Licht schien und so für einen Hingucker im Herzen der Stadt sorgte. Doch schon nach kurzer Zeit fand die Illumination und damit auch der Leuchtturmcharakter ein jähes Ende, weshalb das Kunstwerk im Laufe der Jahre zunehmend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwand. Die imposante Lichtstele verkam zu einer nichtssagenden Stahlspitze, die sich mit einer schützenden Patinaschicht umgibt.

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Bei genauerer Betrachtung des Obelisken stellt man fest, dass die Stahlspitze der Lichtstele eine Sichtachse mit der Spitze der Stadtkirche bildet, diese quasi grüßt, wie Khayari meint, als eine Art moderner Kirchturm. „Aber ohne Beleuchtung geht dieser Gedanke komplett verloren“, bedauert Khayari die fehlende Illumination. Dabei wäre es heutzutage möglich, beispielsweise mit solarbetriebenen LED-Leuchten, den ursprünglichen Effekt ausgesprochen kostengünstig wieder herzustellen, so Khayari.

Trotz ihrer sehr einfachen Form steht die Lichtstele in seinen Augen für den industriellen Fortschritt und stelle durch ihr Material auch einen Bezug zur örtlichen Industriegeschichte dar. Wegen der fehlenden Beleuchtung scheine es allerdings fast so, als sei die Entwicklung, der Fortschritt stehen geblieben. Das Licht spielt auch in anderen Kunstwerken Spitzers eine Rolle, wie beispielsweise dem „Lichttor“ (1979) und den „Lichtbändern“ (1989). Beide Kunstwerke sind im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen zu finden.

Wie jüngst der Kunstpfad auf dem Mainvorland sorgte übrigens auch die Lichtstele seinerzeit für eine Kontroverse in der Stadtbevölkerung. Auch damals waren die Kosten für das Kunstwerk, in diesem Fall rund 180 000 D-Mark, vielen Bürgern ein Dorn im Auge.