Wirbelschleppe reißt in Raunheim Ziegel vom Dach

Nicht alles Gute kommt von oben: Zerschlagene Ziegel und ein abgerissener Autospiegel fügen sich in Raunheim zu einem bizarren Bild im Eingangsbereich des Reihenhauses.   Foto: Michael Kapp

Eine Wirbelschleppe hat in Raunheim erneut großen Schaden angerichtet. Erstmals ist jedoch das in den vergangenen Jahren neu entstandene Wohnviertel am Waldblick betroffen gewesen.

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RAUNHEIM. Wie erst am Wochenende bekannt wurde, hat es in der Stadt zu Beginn vergangener Woche erneut einen Wirbelschleppenvorfall gegeben. Dabei ist zum ersten Mal das in den vergangenen Jahren neu entstandene Wohnviertel auf dem ehemaligen Waldblick-Gelände betroffen gewesen.

Wie die in Mitleidenschaft gezogene Familie, die erst vor zwei Jahren in das Reihenhäuschen eingezogen ist, schilderte, hätten sich zum Zeitpunkt des Vorfalls alle Familienmitglieder im Haus befunden. „Wir haben sehr viel Glück gehabt“, berichtete die Ehefrau von Nitin Rastogi in englischer Sprache. Bei schönem Wetter, erklärte die zweifache Mutter, würden die Kinder normalerweise immer vor dem Haus spielen. An diesem Nachmittag, der Vorfall soll sich etwa gegen 16 Uhr ereignet haben, befanden sich die beiden Mädchen in den Dachzimmern. Eine der beiden Töchter will noch bemerkt haben, wie ein Flugzeug über das noch nicht gesicherte Dach donnerte und es dann dieses „komische Geräusch“ gegeben habe. Ob es sich dabei um den aufpeitschenden Wind, also die Wirbelschleppe selbst, oder schon das Aufschlagen der Ziegel auf das vor dem Haus geparkte Fahrzeug handelte, war nicht mehr festzustellen. Klar wurde aber schnell: Die Wirbelschleppe hatte gleich mehrere Ziegel aus dem nur wenige Jahre alten Dach gelöst und zu Boden geschleudert.

Fahrzeug erheblich beschädigt

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Dadurch wurde das vor dem Haus parkende Fahrzeug erheblich beschädigt. Neben zahlreichen Dellen an der linken A-Säule wurden ein Fahrzeugfenster und der Seitenspiegel zerschlagen, beziehungsweise abgerissen.

Er habe erst gar nicht gewusst, an wen er sich wenden solle, erklärte Familienvater Nitin Rastogi, der sich über den Vorfall ziemlich erschüttert zeigte. Die Rastogis hatten zuvor in Kronberg gewohnt; bekanntlich eine ruhige Wohnlage. Der Nachbar habe ihm geholfen, den Flughafenbetreiber über den Vorfall zu informieren. Dieser, so ergab die folgende Recherche, muss wohl auch einen Mitarbeiter nach Raunheim geschickt haben, der jedoch weder bei der Familie vorstellig geworden sein soll, noch eine Beschädigung am Haus festgestellt haben will. Erst als sich ein Freund der Familie einschaltete, habe eine Begutachtung des Schadens stattgefunden. Allerdings soll diese erneut erfolgt sein, ohne die Familie darüber in Kenntnis zu setzen. Per Telefon bekam Nitin Rastogi mitgeteilt, dass eine Dachdeckerfirma mit der Beseitigung des Schadens am Dach beauftragt wurde.

Ihm sei derzeit nicht bekannt, erklärte Bürgermeister Thomas Jühe, dass es im Bereich Waldblick einmal einen solchen Vorfall gab. Jühe spricht aufgrund der anhaltenden Ostwetterlage von einem deutlich erhöhten Risiko. „Wenn sich das so fortsetzen sollte, werden wir auch noch einmal an das Ministerium herantreten, damit endlich eine Erhöhung der Rückenwindkomponente stattfindet.“ Einerseits wäre damit die Fluglärmbelastung im Anflugbereich zu reduzieren, andererseits könnten so die Risiken, die mit Wirbelschleppen verbunden sind, minimiert werden.