Kinder und Landfrauen schmücken gemeinsam die Osterkrone in...

Die Osterkrone am Brunnen vor dem alten Nauheimer Rathaus.Foto: Vollformat/Alexander Heimann  Foto: Vollformat/Alexander Heimann

Eine der schönsten Osterkronen im Kreis Groß-Gerau ist vor dem historischen Rathaus der Musikgemeinde Nauheim zu finden. Seit 15 Jahren verzieren die ausgeblasenen und dann...

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NAUHEIM. Eine der schönsten Osterkronen im Kreis Groß-Gerau ist vor dem historischen Rathaus der Musikgemeinde Nauheim zu finden. Seit 15 Jahren verzieren die ausgeblasenen und dann bunt angemalten Ostereier das Gestell. Sie sind Frühlingsboten und Symbol für das Leben gleichermaßen. Der Landfrauenverein schmückt in einer Gemeinschaftsaktion zwei Wochen vor Ostern das Gestell bei seinem Hasenfest, das anschließend zum Dorfbrunnen transportiert wird.

„Wasser bedeutet Leben“, erzählt Landfrauen-Vorsitzende Anne Dammel. Deshalb sollte der Dorfbrunnen im Frühjahr geschmückt und ein Fest gefeiert werden. Früher war immer beim Dorfbrunnen ein Fest gefeiert worden, sagt sie. Die Brunnen waren im Winter meist eingefroren und gaben jetzt wieder Wasser. Mit den Ostereiern wurden heidnische und christliche Bräuche vereinigt, erzählt Dammel.

Plastikeier sind verpönt

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Die Verbindung des christlichen Osterfestes mit dem Ei als Symbol ist für verschiedene europäische Länder spätestens aus dem Mittelalter bekannt, möglicherweise auch früher zu vermuten. In deutschsprachigen Ländern und den Niederlanden suchen die Kinder bunt bemalte versteckte Hühnereier und Süßigkeiten, die vom „Osterhasen“ versteckt wurden. Es gibt auch den Brauch, Zweige in Vasen oder auf Bäumen im Garten mit bunt bemalten Ostereiern zu schmücken, heißt es dazu im Online-Lexikon Wikipedia.

Der österliche Festkreis beginnt in den westlichen Kirchen seit dem Jahr 1091 mit dem Aschermittwoch, dem eine 40-tägige Fastenzeit folgt. Diese erinnert an die 40 Jahre der Israeliten in der Wüste sowie an die 40 Tage, die Jesus in der Wüste fastete und betete.

Diese letzte Woche vor Ostersonntag, die Karwoche, beginnt mit dem Palmsonntag, an dem die Christen den Einzug Jesu in Jerusalem feiern. In der Karwoche ist es in einigen Gemeinden üblich, einen Frühjahrsputz durchzuführen, damit die Kirche zum höchsten Fest der Christen in einem neuen Glanz erstrahlt. Diesen Brauch gibt es auch in der katholischen Pfarrgemeinde St. Jakobus. Am Gründonnerstag feiert das Christentum das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Am folgenden Karfreitag wird des Todes Jesu am Kreuz gedacht, am Karsamstag ist Grabesruhe, und am dritten Tag, dem Ostersonntag, wird schließlich die Auferweckung Jesu von den Toten gefeiert.

In diesem christlichen Umfeld und mit dem Erwachen der Natur wurde das gemeinsame Fest mit der Osterkrone geboren, erzählt Dammel. Vor allem für die Kinder sei es ein Erlebnis zu sehen, wie das selbst bemalte Ei seinen Platz an der Osterkrone bekomme, erzählt sie weiter.

„Die Kinder kommen auch später noch an der Osterkrone vorbei und zeigen ihren Eltern oder Großeltern stolz, wo ihr Ei zu finden ist“, weiß Dammel. „Das ist ein echter Hingucker und eine Vorfreude fürs Osterfest“, ist sich Dammel sicher.

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In den Anfangsjahren haben die Landfrauen sogar noch echten Buchs zu Girlanden geflochten und an das Gestell montiert. „Das war sehr aufwendig und zudem immer ungewiss, ob es ausreichend Buchs gibt“, erinnert sie sich. Später wurde dann künstlicher Buchs gekauft, der jedes Jahr wieder verwendet werden kann. Bei den bunten Ostereiern vertrauen die Landfrauen aber weiterhin auf Handarbeit, Plastikeier sind hier verpönt.

Das Abschmücken der Osterkrone wird ebenfalls in ein kleines Fest eingebettet. Der Verein lädt seine älteren Mitglieder als Dankeschön für die Treue zum Kaffeenachmittag ein. Am Ende schmückt der Vorstand dann die Krone wieder ab. „Die schönsten Ostereier werden aber aufgehoben und kommen im nächsten Jahr wieder an die Osterkrone“, erzählt Dammel.