Sieben Verkehrstote in zwei Wochen

An der Nikolauspforte ist am Freitagnachmittag eine 74 Jahre alte Frau bei einer Karambolage ums Leben gekommen. Foto: Feuerwehr

Dieses Jahr starben im Kreisgebiet Groß-Gerau, ohne Einbeziehung der Autobahnen, bereits mehr Menschen in Folge von Verkehrsunfällen als im Gesamtjahr 2017. Die Ursachen,...

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KREIS GROSS-GERAU. Schwere Verkehrsunfälle im Kreis Groß-Gerau haben innerhalb von nur zwei Wochen sieben Todesopfer gefordert. Im Jahr 2017 hatten auf den Straßen im Kreisgebiet - ohne Einbeziehung der Autobahnen - elf Menschen in Folge von Verkehrsunfällen ihr Leben verloren. Bis Dienstag waren es im laufenden Jahr bereits 17, wie Bernd Hochstädter vom Polizeipräsidium Südhessen auf Nachfrage erklärte.

Eine erschreckende Häufung von Todesfällen im Straßenverkehr gab es innerhalb der vergangenen 14 Tage. Ein 56-jähriger Motorradfahrer ist seinen schweren Verletzungen in einer Klinik erlegen. Ursache war ein Unfall am frühen Donnerstagmorgen auf Kelsterbacher Gemarkung auf der Bundesstraße 40. Ein 23-jähriger Fußgänger war bereits an der Unfallstelle gestorben. Dort hatte die Polizei den schwerst verletzten Motorradfahrer und den leblosen 23-Jährigen gefunden. Wie es zu dem Unfall kam, blieb zunächst unklar.

Drei Menschen sterben in Klinik an Unfallfolgen

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Auch vom Tod einer 87-jährigen Radfahrerin berichtete die Polizei am Dienstag. Nach einer Kollision mit dem Auto eines 77 Jahre alten Frankfurters am vergangenen Freitag an der Kreuzung Kelsterbacher Straße/Waldstraße in Mörfelden-Walldorf, ist die Frau am Dienstag im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Nach Erkenntnissen der Polizei hatte der Autofahrer die 87-Jährige auf ihrem Fahrrad übersehen.

Ihr Leben verlor auch eine 36-jährige Fußgängerin in der Folge eines Verkehrsunfalls auf der B 486 zwischen Langen und Mörfelden. Am vergangenen Mittwoch war die Frau beim Überqueren der Fahrbahn von einem Auto erfasst worden, am Freitag ist sie in der Klinik verstorben (wir berichteten). Jede Hilfe zu spät kam für eine 74 Jahre alte Autofahrerin bei einem schweren Verkehrsunfall an der Nikolauspforte bei Mörfelden am Freitagnachmittag. Sie war mit ihrem Cabrio auf der Bundesstraße 44 aus noch ungeklärter Ursache von ihrer Fahrspur abgekommen und mit dem Auto eines 25-Jährigen zusammengestoßen. Trotz sofortiger ärztlicher Versorgung starb die Frau noch an der Unfallstelle. Bereits am 11. September hatte sich ein tragischer Unfall in Biebesheim ereignet, bei dem eine 31 Jahre alte Frau und ihre fünfjährige Tochter ums Leben gekommen sind. Der Wagen war aus noch ungeklärter Ursache auf einer Campingplatzzufahrt gegen einen Baum geprallt.

Die Häufung von Unfällen mit Verkehrstoten im Landkreis ist in dieser Form massiv, allerdings insgesamt nicht neu. In keinem anderen Landkreis in Hessen sind in den vergangenen zwei Jahren so viele Menschen im Straßenverkehr getötet worden wie in Groß-Gerau, wie Jacek Waldorfer, Referatsleiter im Statistischen Landesamt, bestätigt. 2017 wurden 17 Personen, im Jahr davor 18 Personen auf den Straßen und den Autobahnabschnitten im Kreisgebiet bei Unfällen tödlich verletzt (Infokasten). Dabei war die Zahl der getöteten Personen im hessischen Straßenverkehr 2017 insgesamt rückläufig - mit 213 Verkehrstoten wurde hessenweit sogar der tiefste Stand seit 1950 erreicht.

Gründe für die Entwicklung im Kreis Groß-Gerau konnte Bernd Hochstädter nicht konkretisieren. "Jeder Unfall muss einzeln betrachtet werden." Die Polizei im Kreis Groß-Gerau schaue sich die Unfallstellen und -ursachen genau an. Die Kollegen seien bemüht, Gefahrenstellen zu entschärfen. Es zeigten sich allerdings abgesehen von der hohen Zahl Verkehrstoter keine eklatanten Auffälligkeiten beim jeweiligen Unfallhergang. So hätten weder Alkohol noch Drogen bei allen Unfällen mit Todesfolge in diesem Jahr eine Rolle gespielt. In neun von 17 Fällen hätten Unfallbeteiligte im Umkreis von fünf Kilometern Entfernung zur Unglücksstelle gewohnt und die Strecke gekannt. In 15 Fällen sei die Straße trocken gewesen, zwölf Unfälle ereigneten sich bei Tageslicht. Ursachen seien breit gefächert. Sie reichten von Ablenkungen am Steuer über Fahrfehler, Einbiegesituationen an Kreuzungen bis zu Fahrbahnüberquerungen durch Fußgänger. Es sei keine Häufung zu erkennen. Auffällig sei allenfalls, dass in neun Fällen Unfallbeteiligte älter als 65 Jahre waren.