Sphärische Klänge der Flöte

Das „Duo Armonia“ mit Norma Lukoschek und Hans-Roland Schneider gastiert in der evangelischen Kirche Ginsheim und spielt ein einstündiges Programm. Foto: Ulrich von Mengden   Foto: Ulrich von Mengden

(uli). Sommerlich leichte Musik mit gelegentlich seelischem Tiefgang spielte am Sonntag in der Ginsheimer evangelischen Kirche das „Duo Armonia“. Flötistin Norma Lukoschek...

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GINSHEIM. (uli). Sommerlich leichte Musik mit gelegentlich seelischem Tiefgang spielte am Sonntag in der Ginsheimer evangelischen Kirche das „Duo Armonia“. Flötistin Norma Lukoschek und Gitarrist Hans-Roland Schneider hatten ihrem gut einstündigen Programm aus Tangoklängen, Ragtimes und Bach-Klassikern ergänzt durch harmonisch gesetzte Musik von Zeitgenossen den Titel „Tango & Co“ gegeben.

Zum Auftakt gab es das spanisch angehauchte „Entr‘acte“ von Jacques Ibert zu hören, das der französische Tonsetzer 1937 für Flöte und Gitarre komponiert hatte. Sphärische Klänge, die teilweise an die später aufkommende minimalistische und serielle Musik erinnerten, bei denen sich Gitarre und Flöte in der Übernahme von Melodie und Begleitung abwechselten. Mit einem energischen Schlussakkord endete der Einstieg.

Hatte Norma Lukoschek zuvor die Querflöte eingesetzt, griff sie nun zur Blockflöte, um dem swingenden Ragtime „Pine Apple Rag“ von Scott Joplin eine neue Klangfarbe zu verleihen. Später sollten dann auch noch die „Original-Rags“ von Joplin, bei denen immer wieder Varianten des berühmten „Entertainer“ durchschimmerten, in einem Arrangement von Christian Martin Siegmann und Marcel Ege, für gute Laune sorgen.

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Astor Piazollas musikalischer Meilenstein „Libertango“ entführte dann in südamerikanische Gefilde. Der stets aufmerksame Gitarrist Hans-Roland Schneider, der auch Sänger in der Ginsheimer Kantorei ist, benutzte nun den Korpus seines Instruments auch als Schlaginstrument. Das Duo „Armonia“ schaffte es, Leidenschaft und Furor, die diesem Werke inne wohnen, in ihren Feinheiten auszuloten.

Zeit zum Träumen hatte das Auditorium bei Johann-Sebastian-Bachs „Air“, dem Flöte und Gitarre emotionale Tiefe abrangen und damit der Gefahr entgingen, sich in dieser dahinplätschernden Musik in der Beliebigkeit zu verlieren. Mit dem in Watte gepackten „Präludium d-moll“ und dem bekannten Kirchenlied „Jesu bleibet meine Freude“, wurde die Hitliste bekannter Bach-Kompositionen komplettiert.

Eine schöne dynamische Studie lieferte die dreisätzige „Suite de los Buenos Aires“ von Claudia Montero aus der Hauptstadt des Tango Argentino, bei der schnelle Gitarrenläufe mit gemäßigtem Tempo variierten, um dann in einem galoppierende Tremolo der Flöte auf das Finale zuzusteuern.

Furiose Hochgeschwindigkeits-Phrasen auf der Piccolo-Flöte prägten die „Sonate Nr. 1“ von Gustav Gunsenheimer, die Assoziationen zur Moderne ebenso zuließ, wie sie auch mit Elementen des Folk und der mittelalterlichen Flötenmusik verwoben waren.

Zum Finale durfte es in diesem sommerlichen Mai-Abend auch noch ein bisschen Kitsch sein. Mit gefälliger Leichtigkeit interpretierte das Duo „Armonia“ die „Sommersuite“ von Alfons Carlos Miguel. Der „Love Song“ im Mittelteil hatte allemal das Zeug, um jede Hollywood-Romanze musikalisch zu untermalen. Mit der ansteckenden Fröhlichkeit des „Happy Dance“ als Schlusssatz dieser Suite entließ das Duo in die Glückseligkeit einer lauen Maien-Nacht. Viel Applaus von wenigen Zuhörern.