Projektchor der Ginsheimer Kantorei veranstaltet Herbst-Serenade

Der Projektchor der Kantorei mit Sänger und Dudelsackbläser Thomas Herwig und Trommler Konrad Stoffel interpretiert herbstliches Liedgut quer durch die Jahrhunderte.Foto: Ulrich von Mengden  Foto: Ulrich von Mengden

Ungewöhnliche Klänge in der evangelischen Kirche auf dem Damm in Ginsheim: Als der Projektchor der Kantorei am Sonntagabend einmarschierte, begrüßte Thomas Herwig auf dem...

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GINSHEIM-GUSTAVSBURG. Ungewöhnliche Klänge in der evangelischen Kirche auf dem Damm in Ginsheim: Als der Projektchor der Kantorei am Sonntagabend einmarschierte, begrüßte Thomas Herwig auf dem Dudelsack mit der berühmten Melodie „Highland Cathedral“, während Konrad Stoffel auf seiner Trommel zur Verstärkung der Atmosphäre alter Musik beitrug. Später war der Dudelsack-Bläser auch beim Gospel „Amazing Grace“ mit seinem betörenden Instrument zu hören. Da stimmte nicht jeder Ton, aber der quäkende Sound brachte spannende Klangfarben ins Vokalkonzert.

„Herbst-Serenade“ hatte Chorleiter Armin Rauch die von ihm ausgewählte Abfolge geistlicher und weltlicher Musik überschrieben, die verschiedene Themen dieser Jahreszeit paraphrasierte. Es ging um die Arbeit auf den Feldern, stürmische Winde, Dankbarkeit gegenüber der Schöpfung und ausgelassenen Feste, die sich in der Herbstzeit, wenn die Vorratskammern gefüllt sind, verdientermaßen einstellen.

Unterstützt wurden die Sänger, die sich diesem Projekt anschlossen, von Profi Jens Prokora, der mit Andreas Arneke am Piano eine Reihe von Liedern solistisch interpretierte. Dabei gelang dem mit komödiantischem wie dramatischem Talent versehenen Sänger der schwierige Spagat vom Kunstlied romantischer Prägung zur Populärmusik. Zu hören waren prägnante Interpretationen unter anderem von „Der Musensohn“ und „Am Brunnen vor dem Tore“ von Franz Schubert bis zu „Über sieben Brücken musst du gehen“, von der DDR-Band „Karat“ geschrieben und später von Peter Maffay zum Hit gemacht.

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„Wow“, rief spontan eine Konzertbesucherin, nachdem Jens Pokora dieser Drahtseilakt gelungen war. Ansonsten waren die Zuhörer angehalten, den Applaus für den Schluss aufzuhalten, damit sich ein stimmiges Gesamtbild des herbstlichen Musik-Mosaiks ergab. Sängerin Brigitte Ploch lieferte in ihrer Moderation wertvolle Informationen zu den Liedern und deren Kombination. Zudem bereicherte sie das Konzert mit Gedichten unter anderem vom Expressionisten Georg Heym oder der Lyrikerin Ingrid Herta Drewing.

Der Chor präsentierte sich in zahlenmäßig großer Stärke. Für harmonisches Klangbild und Dynamik sorgten auch die ungewöhnlich vielen Männerstimmen im rund 50-köpfigen Ensemble. Musikalisch ging es facettenreich durch die Jahrhunderte. Es erklangen Kompositionen der Renaissance, des Barock, der Romantik bis hin zu Tonsetzern der neueren Zeit. Oft vielstimmig gesetzt, meisterte dieser Chor auf Zeit, in dem es viele neue Gesichter zu sehen gab, verschiedene musikalische Herausforderungen. Ausgelassene Tanzmusik wurde interpretiert, Lebensfreude war zu spüren, es wurde geflirtet und das Hohe Lied auf die Musik selbst angestimmt. Besinnlich wurde es zum Finale, als der mit Musik garnierte Herbsttag sich neigte und Johannes Brahms mit „Guten Abend, gut’ Nacht“ zu hören war. Zu Herzen ging das Schlusslied „Der Mond ist aufgegangen“ von Adolf Seifert, bei dem auch die Zuhörer die bekannten Zeilen mitsingen durften: „Verschon uns, Gott, mit Strafen und lass uns ruhig schlafen.“