Jazz im Kino: Ein Abend für Ella Fitzgerald

Sängerin Maria Kaulbarsch und Kontrabassist Bastian Weinig beim Konzert „Talkin‘ Ella“.Foto: hbz/Jörg Henkel  Foto: hbz/Jörg Henkel

(nfl) „Talkin’ Ella“ – ein Name ist Programm. Anlässlich des 100. Geburtstags der US-Jazz-Legende Ella Fitzgerald lud die Reihe „Jazz im Kino“ zum Konzert mit...

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GUSTAVSBURG. (nfl) „Talkin’ Ella“ – ein Name ist Programm. Anlässlich des 100. Geburtstags der US-Jazz-Legende Ella Fitzgerald lud die Reihe „Jazz im Kino“ zum Konzert mit Sängerin Maria Kaulbarsch, Pianist Nicolas Hering, Kontrabassist Bastian Weinig und Drummer Max Jentzen ein. Und obendrein gelang es der in Stuttgart beheimateten Front-Lady, den Abend mit biografischem Hintergrund zu beleuchten.

Mit Herzblut und Leidenschaft entführt Kaulbarsch in ihrem ersten Titel „Take the A Train“ nach Harlem. Eine Stätte, die Fitzgerald immer wieder gerne in ihrer Anfangsphase aufsucht, um bei Talentwettbewerben mitzuwirken. Der nächste Song „Judy“ verinnerlicht bereits die erfolgreiche Entwicklung Fitzgeralds, die nach ihrer Einschätzung „immer mehr den klaren Ton erkennt und zugleich die Akzeptanz ihres Publikums aufspürt.“

Ins Swing-Fieber taucht Kaulbarsch beim Kinderlied „A Tisket A Tasket“ ein, leuchtet mit dem Song „Mister Paganini“ den von Fitzgerald zur Perfektion getriebenen Scat-Gesang aus. Von Melancholie getragen ist das rührende „My Buddy“, das sie dem verstorbenen Chick Webb an dessen Grab widmet. Dezent lässt Max Jentzen dabei den Besen über die Trommeln kreisen, Kontrabassist Bastian Weinig und Nicolas Hering – groß geworden in Reihen der Rüsselsheimer „IKS Swing Kids“ – am Piano stimmen sich empathisch in dieses Ritual mit ein. Dass Kaulbarsch auf ein professionelles Musiker-Team verweisen kann, wird im Laufe des Abends mit filigranen Feinabstimmungen der Instrumentalisten überdeutlich. Und einmal mehr versteht es Kaulbarsch virtuos, in der Drei-Oktaven-Pracht ihres Idols zu schwingen. Das Publikum lauscht andächtig, wenn die Sängerin in dem Titel „How high the moon“ sich dem Mond nähert und anschließend erdverbunden beim „Cheek to Cheek“ die Ära des US-amerikanischen Komponisten Irving Berlin beschwört. Auch Cole Porter widmet sich Kaulbarsch mit dessen Komposition „Everytime we say good-bye“ einfühlsam, stets begleitet von einer homogen mitschwingenden Combo.

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Dass Fitzgerald mit dem Hype um die „Beatles“ nicht unbedingt auf Tuchfühlung gehen wollte, mag manchen Besucher überraschen. Mit dem Titel „Ringo Beat“ wusste die Jazz-Legende offensichtlich einen Weg zu finden, um sich mit dieser Zeiterscheinung auseinanderzusetzen. Zudem war Fitzgerald überzeugt, dass der Rock‘n‘Roll „zum alltäglichen Jazz zurückkehrt“.