Besucher erleben „göttliche Musik“ bei Konzert in der...

Die Ginsheimer Kantorei mit Chorleiter Armin Rauch zeigte sich beim Konzert „Jubilate Deo“ in Bestform. Foto: Ulrich von Mengden   Foto: Ulrich von Mengden

Der Imperativ „Jubilate Deo!“ bestimmte am Sonntag das Geschehen in den evangelischen Kirchen. Die Ginsheimer Kantorei nahm die Aufforderung, Gott zu bejubeln, nur zu gerne...

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GINSHEIM. Der Imperativ „Jubilate Deo!“ bestimmte am Sonntag das Geschehen in den evangelischen Kirchen. Die Ginsheimer Kantorei nahm die Aufforderung, Gott zu bejubeln, nur zu gerne an und lud in den frühen Abendstunden zum Konzert in die Lichtenberg-Kirche auf dem Damm ein.

Orgel und Stimme sollten dieses Konzert prägen, für das im Vorfeld ein Ausfall zu beklagen war. Kurzfristig war krankheitsbedingt der Organist ausgefallen und musste durch Andreas Karthäuser ersetzt werden. Spontan war er eingesprungen, wofür sich Chorleiter Armin Rauch unter Applaus in der gut besuchten Kirche bedankte. Und Karthäuser, unter anderem Organist in der Thalkirche in Wiesbaden-Sonnenberg, sollte sich im Laufe des Konzertes noch als großer Glücksgriff erweisen.

Schon zur Einleitung erfrischte der beherzte Zugriff des „Tastenmusikers“, wie er sich selbst nennt, auf Bachs Präludium und Fuge in G-Dur. Mit seinen kraftvollen kaskadenhaften Tonfolgen, bei denen ein Helfer die Register zog, stellte er die Klangfülle der Oberlinger-Orgel auf eine erste Bewährungsprobe.

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Von monumentaler Dynamik waren auch seine Interpretation der „Suite Gothique“ des früh verstorbenen Komponisten Léon Boellmann. Kathedralenartig bauten sich die Tonfolgen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts auf und brachten in ihrer geballten Wucht die Kirchenbänke zum Vibrieren. Die abschließende Toccata, die den Charakter von spannender atmosphärisch dichter Filmmusik hatte, riss zu Beifallsstürmen hin.

Von Chorleiter Armin Rauch bestens einstudiert

Ebenfalls mit viel Beifall honoriert wurde die Komposition „Mozart Changes“ des Zeitgenossen Zsolt Gádonyi aus Ungarn, die mit Elementen des Ragtime Motive aus einer Mozart-Sonate für Klavier umspielt. Die Orgel im Jazz-Sound hatte man in dieser Kirche so auch noch nicht gehört.

Natürlich begleitete Karthäuser auch Chor und Solisten und überraschte mit einer großen Sicherheit, die nach nur einer Probe nicht zu erwarten war.

Die Vokalisten, die sich in dieser Formation erneut über ein zeitbegrenztes Projekt zusammengefunden hatten, glänzten mit dem „Gloria in D“, einem Jubelgesang von Antonio Vivaldi, bei dem sich der barocke Komponist am Ablauf einer Messe orientierte.

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Von impulsiven Passagen etwa beim einleitenden „Gloria excelsis“ über das spielerisch leichte „Domine fili unigenite“ bis zum vielstimmig und prachtvoll ziselierten „Cum sancto Spirito“ zeigte sich die Kantorei differenziert und von Armin Rauch bestens einstudiert. Rund ein Dutzend Männerstimmen im über 40-köpfigen Ensemble sorgten für einen ausgewogenen Klang.

Hinzu kamen mit Brigitta Schlechta und Antje Rauch zwei hervorragend disponierte Sopranistinnen, die harmonisch zum anrührenden Duett „Laudemus te“ verschmolzen. Mit ihrem warmen Timbre, das bis in hohe Höhen reichte, hielt auch Altistin Ruth Zetzsche das musikalische Niveau ganz weit oben.

Nach diesem Vivaldi-Ohrenschmaus war es dramaturgisch ein guter Griff mit einer schlanken Psalmvertonung für Chor und Orgel von Charles Villiers Standford auf das Finale überzuleiten. Das überschäumende Spiritual „Erd‘ und Himmel sollen singen“, ein weiteres Werk vom 72-jährigen Zsolt Gárdony, sollte den gesanglichen Schlussakkord für ein denkwürdiges Konzert setzen.

„Halleluja in Ewigkeit“, hieß die letzte gesangliche Phrase. Und so wurden schließlich alle Anwesenden Zeugen von göttlicher Musik.