Peter Burger bleibt Gernsheimer Bürgermeister

Herausforderin Stephanie Herbert gratuliert dem wiedergewählten Bürgermeister Peter Burger, der die Wahl mit 60,3 Prozent der Stimmen gewinnt.

Der Christdemokrat Burger holt 60,3 Prozent der Stimmen. Die politische Seiteneinsteigerin Stephanie Herbert (SPD) freut sich über 39,7 Prozent. Die Wahlbeteiligung macht Sorgen.

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Gernsheim. Die Gernsheimer haben entschieden: Bürgermeister Peter Burger (CDU) kann seine Arbeit fortsetzen und am 3. Juni 2023 die dritte Amtszeit beginnen. Er gewann am Sonntag die Bürgermeisterwahl mit 60,29 Prozent und 2220 der 3682 gültigen Stimmen. Die Gegenkandidatin Stephanie Herbert (SPD) erhielt 1462 Stimmen und erreichte mit 39,71 Prozent ein respektables Ergebnis für eine Newcomerin. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,41 Prozent; nur 3747 der 8437 Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

Burgers Wahlsieg schien an dem Abend nicht ernsthaft in Gefahr. Viele Zuschauer der Präsentation im Schöfferhaus kamen später, weil sie erst ins Stadthaus gingen. Dort wurden aber die Räume für die Wahlvorstände gebraucht. Das erste Zwischenergebnis trudelte um 18.18 Uhr aus Allmendfeld ein: Dort stand es 76,67 Prozent (115 Stimmen) für Burger und nur 23,33 Prozent (35 Stimmen) für Herbert. Um 18.21 Uhr war Klein-Rohrheim ausgezählt. In Burgers Wohnort bekam er 66,88 Prozent (107 Stimmen); Herbert 33,13 Prozent (53 Stimmen). „Es kann nur besser werden“, war aus den Reihen der SPD zu hören.

Beide Kandidaten mit Endergebnis zufrieden

Besser wurde es aus Sicht der Sozialdemokraten beim dritten Ergebnis um 18.22 aus dem südlichen Teil Gernsheims (Wahllokal 3). Dort lautete das Ergebnis 53,76 Prozent (150 Stimmen) für Burger und 46,24 Prozent für Herbert (129 Stimmen). Ihr bestes Ergebnis erzielte die Sozialdemokratin mit 47,39 Prozent im Wahlbezirk „nordöstlich der Bahn“; ihr schlechtestes mit 23,33 Prozent in Allmendfeld.

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Mit dem Endergebnis waren am Ende beide Kandidaten zufrieden. Das Ergebnis von mehr als 60 Prozent sei „sehr positiv“, betonte Burger. Früher habe man da von bayerischen Ergebnissen gesprochen. „Es ist eine Anerkennung für die seither geleistete Arbeit. Aber auch Vertrauen für das, was zukünftig entsteht und auf den Weg gebracht werden soll“, betonte der 54-Jährige. Das Amt des Bürgermeisters sei hauptsächlich das eines Moderators, der mit allen politischen Kräften und allen Gremien zusammenarbeite. „Das Ergebnis ist ein Stück weit Bestätigung, dass es in den vergangenen zwölf Jahren gut gelungen ist“, so Burger. Das gute Ergebnis sei eine große Gemeinschaftsleistung der CDU, die den Wahlvorschlag getragen und ihn im Wahlkampf gut unterstützt habe. Stephanie Herbert habe er für den fairen Wahlkampf gedankt.

Auch Stephanie Herbert zeigte sich sehr zufrieden mit ihren knapp 40 Prozent. „Wenn man bedenkt, dass ich im August erst angefangen habe. Dafür ist das ein Hammerergebnis für eine Newcomerin“, betonte die 49-Jährige. Und das gegen einen mehrjährigen Amtsinhaber. Mit einem halben Jahr mehr Zeit für den Wahlkampf, „hätte das Ganze anders ausgesehen“, ist sie überzeugt. Ihre Chefs hätten gebibbert, dass sie nicht gewinne. Die seien froh, dass sie bleibe. Bei einem Lebensmittel-Großhandel in Darmstadt ist die Handelsfachwirtin im Einkauf tätig.

Für die SPD zeigte sich der Ortsvereinsvorsitzende Noah Schollmeier zufrieden mit dem „guten Ergebnis“. Stephanie Herbert habe das Ergebnis der SPD bei der Kommunalwahl im März 2021 getoppt. Dort waren die Sozialdemokraten mit 27,8 Prozent der Stimmen wieder zweitstärkste Fraktion geworden. „Es zeigt, dass wir mit Stephanie Herbert eine gute Kandidatin aufgestellt haben“. Die CDU habe in Gernsheim nicht mehr die Übermacht, die sie die ganze Zeit gehabt habe. Doch die Wahlbeteiligung hätte besser sein können, so Schollmeier.

Auch der Landtagsabgeordneter Gerald Kummer (SPD) hob das sehr gute Ergebnis der SPD-Kandidatin hervor. Er habe schon eine Wechselstimmung wahrgenommen. Er habe dem Bürgermeister zum Erfolg gratuliert. Dieser habe nun wieder sechs Jahre vor sich. Auch er habe Burger gratuliert, sagte Landrat Thomas Will (SPD). Sie beide hätten ihr Amt fast gleichzeitig angetreten. „Da kennt und schätzt man sich über Parteigrenzen hinweg“, betonte Will. Natürlich gebe es schon mal sachliche Differenzen, etwa in Fragen der Finanzierung. Auch Will lobte die Leistung Herberts. Hätte die SPD sie schon vor einem Jahr gefunden, dann wäre es „ein Kopf-an-Kopf-Rennen geworden“, so Will.

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Peter Burger (CDU) wurde von seiner Familie unterstützt. Hier ist er zu sehen mit (von links): Sohn Johannes (17), Ehefrau Silke, und den Töchtern Eva (14) und Anna (18).
Peter Burger (CDU) wurde von seiner Familie unterstützt. Hier ist er zu sehen mit (von links): Sohn Johannes (17), Ehefrau Silke, und den Töchtern Eva (14) und Anna (18). (© Robert Heiler)

Das Ergebnis sei so, wie er es getippt habe, sagte der CDU-Stadtverbands- und Fraktionsvorsitzende Michael Trock. Burger habe die vergangenen Jahre einen guten Job gemacht, „das wissen auch die Bürger“. Ein Großteil habe nicht den leeren Wahlversprechen geglaubt, dass es gelingen könne, die Einnahmen zu reduzieren und die Ausgaben zu steigern. Auch Riedstadts frisch im Amt bestätigter Bürgermeister Marcus Kretschmann (CDU) sagte, er habe das Ergebnis erwartet. Er kenne Burgers Arbeit ja noch aus der Zeit bis 2011, als er Ordnungsamtsleiter in Gernsheim war.

Bei der vorigen Wahl am 22. Januar 2017 erhielt Burger als einziger Kandidat 86,7 Prozent der Stimmen, die Wahlbeteiligung lag bei aber nur bei 35,1 Prozent.  Für den Bürgermeister beginnt am Montagmorgen wieder der Alltag. Ab 8.30 Uhr will er Gernsheimer Kitas und Krippen zum Nikolaus besuchen.