Was Darmstädter Arbeitgeber ihren Pendlern bieten

aus Das 9-Euro-Ticket

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Fahrräder sind an einem Fahrrad-Stellplatz abgestellt. Symbolfoto: dpa

Der Ausbau von Fahrrad-Stellplätzen und günstige ÖPNV-Tickets sollen Anreize für Berufspendler zum Verzicht aufs Auto bieten. Doch viele Pendler schrecken vor einer Sache zurück.

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DARMSTADT. Mit Spannung wird nun über drei Sommermonate betrachtet, wie sich das 9-Euro-Ticket auf die Pendlerströme auswirkt. Gerade in Darmstadt, wo laut der Bundesagentur für Arbeit 70 Prozent der Arbeitsplätze von außerhalb lebenden Menschen bedient werden. Dass sie überwiegend mit dem Auto kommen, wird alltäglich an den Staus in den Einfallstraßen deutlich. Klar ist indes, dass das Sommerticket im Herbst wieder passé ist. Da stellt sich unabhängig die Frage: Was bieten Darmstädter Arbeitgeber ihren Beschäftigten für ein möglichst zeitgemäßes und verträgliches Einpendeln?

Merck war Pionier. Das Chemieunternehmen hat bereits 2005 das Jobticket zur vergünstigten Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs eingeführt. Von den heute 11 000 Mitarbeitenden, die laut Unternehmenssprecherin Birte Herrmann nur zu rund 28 Prozent auch in Darmstadt leben, nutzen es aktuell 3000. Bemerkenswerterweise hat sich die Zahl der Jobticket-Nutzer damit im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie um ein Drittel verringert.

Landesbedienstete können kostenlos Bus und Bahn fahren

"Viele der bisherigen Jobticketnutzer greifen inzwischen angesichts flexibler Arbeitszeitmodelle auf Tagestickets oder andere Verkehrsmittel zurück", kommentiert Herrmann. Dabei hielten sie für das Personal 5000 Stellplätze für Autos und Motorräder sowie 1000 Plätze für Fahrräder bereit. "Fahrräder", unterstreicht die Sprecherin, "sehen wir als gute Alternative im Bereich der Mobilität unserer Mitarbeitenden." Auf eine vergünstigte ÖPNV-Nutzung und mehr gute Abstellmöglichkeiten für Fahrräder setzt auch die Technische Universität - mit 5170 Beschäftigten ebenfalls ein großer örtlicher Arbeitgeber. "Davon wohnen 2788 nicht mit Hauptwohnsitz in Darmstadt", teilt TU-Sprecherin Silke Paradowski mit.

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Als Alternative zum Auto können sie, wie alle Landesbediensteten, seit 2018 mit dem Landesticket in ganz Hessen kostenlos mit Bus und Bahn fahren. Um die Einpendler-Ströme im Sinne einer Verkehrswende weg vom verkehrs- und umweltbelastenden Auto zu bewegen, will die TU vor allem die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder massiv ausbauen: Im nächsten Jahr sollen die Plätze um 420 auf dann 3620 ausgebaut werden. Der größte Zuwachs erfolge mit einem neuen Fahrradparkhaus am alten Bauingenieur-Gebäude. Weitere würden am Mathematik-Neubau sowie in zwei Parkhäusern geschaffen.

Der Bestand an Auto-Parkplätzen hingegen soll in nächster Zeit um 500 auf 2000 Stellplätze reduziert werden. "Diese Zahl wird langfristig den Bedarf decken, wie ein externes Gutachten belegt", erläutert Paradowski. Denn viele Mitarbeitende sähen mittlerweile, auch aufgrund der alternativen Angebote des TU-Mobilitätsmanagements, vom Auto ab.

Auf ähnliche Effekte baut auch die Hochschule Darmstadt (HDA), wo laut einer Erhebung von 2019 gut 70 Prozent der rund 1150 Beschäftigten von außerhalb zur Arbeit fahren. Bei einer Mobilitätsbefragung in den Jahren 2016 und 2019 ist eine Entwicklung weg vom Auto ablesbar: Die Zahl der Auto-Einpendler ist in dem Zeitraum von 56 auf 40 Prozent zurückgegangen. Die ÖPNV-Nutzer, die ebenfalls seit 2018 das Landesticket haben, sind von 18 auf 25 Prozent angewachsen, die Radelnden von 14 auf 22 Prozent.

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Als bemerkenswerte Erkenntnis hebt Hochschul-Pressesprecher Simon Colin dabei hervor, dass bei Entfernungen bis zehn Kilometer zwischen Wohnstätte und HDA 45 Prozent der Beschäftigten das Rad nutzen. "Bis zehn Kilometer ist es das meistgenutzte Fortbewegungsmittel." An den Darmstädter Hochschul-Standorten steht hierfür ein hoher Anteil von 900 Stellplätzen für Fahrräder zur Verfügung, gegenüber 1000 für Autos.

Jobticket als Alternative

Deutlich weniger Stellplätze bei einer ähnlichen Anzahl Mitarbeitender halten das Alice-Hospital und die benachbarten Kinderkliniken vor. Dort, in der Nachbarschaft des Welterbes Mathildenhöhe, hat die Stadt 2021 eine neue Parkbewirtschaftungszone eingeführt. Dafür gab es viel Kritik vom Personal, das laut Krankenhaussprecher Manfred Fleck zu 80 Prozent von außerhalb kommt - und bis dato häufig geparkt hat im öffentlichen Raum um die Krankenhäuser herum.

Nun haben die beiden Krankenhäuser erstmals das Jobticket eingeführt, was laut Fleck bislang mehr als 640 Beschäftigte nutzen. Außerdem biete man inzwischen 150 Pkw-Plätze in der Nachbarschaft an und 100 Anwohnerparkberechtigungen für die Parkraumzone. Daneben gebe es auf dem Gelände circa 100 Fahrradstellplätze für Radler. Es tut sich also zunehmend etwas auf der Arbeitgeberseite für ein zeitgemäßes Einpendeln ihrer Beschäftigten.