Mainzer Staatstheater zeigt „Antikrist“ des dänischen...

aus Staatstheater Mainz

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Szene aus der Oper „Antikrist“, die Rued Langgaard in den 1920er Jahren schuf. Foto: Marrtina Pipprich/Staatstheater Mainz  Foto: Marrtina Pipprich/Staatstheater Mainz

Der dänische Komponist Rued Langgaard (1893-1952) ist eher Insidern bekannt, seine Laufbahn begann Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst sehr hoffnungsvoll, große Anerkennung...

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MAINZ. Der dänische Komponist Rued Langgaard (1893-1952) ist eher Insidern bekannt, seine Laufbahn begann Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst sehr hoffnungsvoll, große Anerkennung war ihm zeitlebens indes nicht beschieden.

Seine Oper „Antikrist“, welche in den 1920er Jahren entstand, wird kommenden Sonntag am Staatstheater als deutsche Erstaufführung Premiere haben. Knapp hundert Jahre nach ihrem Entstehen sehen Generalmusikdirektor Hermann Bäumer, Regisseur Anselm Dalferth und Dramaturgin Elena Garcia-Fernandez im Gespräch vor der Premiere eine große Aktualität in der Thematik der Oper - die biblische Apokalypse liegt ihr zugrunde: Angesichts einer Welt, in welcher sich die Menschen von Gott abgewendet haben, sich überhöhen und nur noch von Selbstsucht angetrieben werden, beschließen Gott und Luzifer, den Antichristen aus der Tiefe aufsteigen zu lassen; er erscheint als Hochmut, lüsternes Tier, Lüge oder Hass. Nachdem er ungeheure Zerstörungen angerichtet hat, wird er von schlussendlich von Gott besiegt, der Glaube erweist sich als Weg zum Heil.

Anselm Dalferth begreift „Antikrist“ als „eine Auseinandersetzung mit der aufkommenden Moderne“, welche große Verwirrungen mit sich brachte. Hier gibt es freilich auffallende Parallelen zur Gegenwart, in welcher rasante wissenschaftliche und technische Entwicklungen Erschütterungen auslösen. Sehr inspirierend bei der Auseinandersetzung mit „Antikrist“ war laut Dalferth das Buch „Homo Deus“ des israelischen Historikers Yuval Noah Harari, der ein düsteres Zukunftsszenario, in dem die Menschheit die Kontrolle über neue Technologien verliert, entwirft. Hermann Bäumer verweist auf die musikalischen Einflüsse der Oper: Assoziationen zum spätromantischen Schönberg fänden sich ebenso wie Liszt-Zitate. Der Dirigent spricht von einem „pubertären Überschwang“ des Komponisten – der Einzelgänger Langgaard wollte seine Könnerschaft unter Beweis stellen, wieder und wieder überarbeitete er die Oper. Reizvoll findet Bäumer den unkonventionellen Einsatz der Celesta. Die Orgel kommt ebenfalls zum Zuge, Langgaards Musik ist klanggewaltig.

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Dalferth sagt, dass in „Antikrist“ Gut und Böse umeinander kreisten, für die Opernbesucher gar nicht immer voneinander zu unterscheiden seien – die Lüge, als die der Antichrist den Menschen gegenübertritt, wird in Mainz von Alexander Spemann gesungen; der Regisseur nennt sie ein „Chamäleon“. Das Finale sieht Dalferth als ein Bekenntnis zur Spiritualität.