Soulröhre Sarah Connor begeistert bei „Jazz & Joy“ in Worms

Authentisch, gefühlvoll und sehr persönlich: Sarah Connor in Worms. Foto: : Rudolf Uhrig

Illustre Namen wie Sarah Connor, Stefanie Heinzmann, Candy Dulfer, Bugge Wesseltoft & Christian Prommer, Nils Wogram Root 70 sowie der Soul-Sänger Seven lockten bei „Jazz...

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WORMS. Kurz nach den Nibelungenfestspielen hat gleich wieder ein kulturelles Ereignis Worms in den Ausnahmezustand versetzt. Illustre Namen wie Sarah Connor, Stefanie Heinzmann, Candy Dulfer, Bugge Wesseltoft & Christian Prommer, Nils Wogram Root 70 sowie der Soul-Sänger Seven lockten rund 20 000 Gäste von Freitag bis Sonntag zu den fünf Bühnen. Der künstlerische Leiter von „Jazz & Joy“, David Maier, hatte wieder einmal ein gutes Händchen bewiesen, denn mit dem richtigen Programm zieht man Leute. Auf den ersten Blick schien die Auswahl vielleicht zu gefällig und wenig spannend, doch in den Nischen zwischen den großen Namen schillerten einige junge Edelsteine. Nicht nur die Besucher waren begeistert von der mediterranen Atmosphäre auf den stimmungsvollen Plätzen, sondern auch die Interpreten betonten, wie wohl sie sich in der Stadt und auf den technisch hervorragend ausgestatteten Spielstätten fühlten. Teilweise meinte es die Technik in punkto Lautstärke aber auch zu gut, so dass etliche Besucher mit Gehörschutz vor allem die großen Showacts besuchten, was bei diesem breitenorientierten Festival nicht sein müsste.

Auch wenn beim Sonderkonzert die Soulröhre von Sarah Connor in den Höhen etwas übersteuert war, kam ihr das bei den Balladen sehr zugute. Authentisch, gefühlvoll und sehr persönlich begeisterte sie ihre Fans auf der Marktplatzbühne. Fast ebenso groß ist das Podium auf dem Weckerlingplatz, dazu noch ästhetisch einzigartig vor historischer Kulisse, so dass Candy Dulfer und ihre Band mit einer Show von Weltklasse perfekt zur Geltung kamen. Die langjährige Erfahrung der Saxofonistin fokussiert die Qualität ihrer Performance zu höchster Energie, was das Publikum mit kollektivem Mitgrooven zurückspielte.

Ein ganz anderes Genre und echter Geheimtipp ist die Sängerin Lucia Cadotsch, die mit ihren Kollegen an Kontrabass und Saxofon Jazzstandards und Weiteres in ganz intimen, raffinierten Arrangements interpretierte. Keinen Jazz, sondern deutsches Songwriterhandwerk in ganz neuer Form brachte Lutz Rode mit, der in der Tradition eines Westernhagen mit seiner kraftvoll berührenden Stimme eindringlich Geschichten erzählte. Südfranzösisches Temperament verbreitete die Tim Ibarra Group auf der Westseite des Doms. Sagenhaft, wie der erst 19-jährige Gitarrenvirtuose und Komponist mit großer Persönlichkeit und viel Spaß neue musikalische Konzepte entwirft, spannend, schön, kraftvoll und hochsensibel.

Klangzauber wie aus einer anderen Welt

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Eine wunderbare, klassische Soulband hatte der Ausnahmesänger Seven dabei, der mit größter Natürlichkeit eine mitreißende Show hinlegte und mit tollen Stücken, faszinierender Gesangtechnik mit Tönen bis in die Sopranlage, spontanen Tanzeinlagen und herzlicher Einbeziehung das Publikum vollauf begeisterte.

Klangzauberer wie aus einer anderen Welt schienen der Pianist Bugge Wesseltoft und der Drummer Christian Prommer, die den Zuhörern faszinierende, harmonische Klangexperimente in Verbindung von elektronischem Sound und freier Improvisation schenkten. Echte Entdeckungen sind die Sieger des Jazz & Joy-Votings, die Zwillingbrüder Marco und Dario Klein, die als Duo „USED“ mit Gitarren und zweistimmigem Gesang in der Tradition der 60er Jahre einen Stil fahren, den man „Oldschool reloaded“ nennen könnte. Dann die „Brothers of Santa Claus“, fünf junge Könner, die eine ganz eigene, leicht melancholische und zugleich energiegeladene Tonsprache haben, die sich auch gesanglich in der Nähe der „Editors“ befindet. Der Festival-Ausklang mit düsterem britischen Soul von den „Ephemerals“ auf dem Weckerlingplatz war zwar beeindruckend, dämpfte aber leider etwas die zuvor so beschwingte Stimmung.