RMF: Erfrischendes Spiel – Cembalist Jean Rondeau...

Der 1991 geborene Cembalist Jean Rondeau war zu Gast beim Rheingau Musik Festival und spielte in der Mittelheimer Basilika St. Aegidius frazösische Cembalomusik des 18....

Anzeige

MITTELHEIM. Das Cembalo, eher ein Nischen-Instrument nicht nur beim Rheingau Musik Festival, war in diesem Sommer dort gleich mit zwei exzellenten Vertretern ihres Fachs ausnehmend gut bedient: In der Wiesbadener Ringkirche hatte sich vor Wochen schon der Schweizer Cembalist Vital Julian Frey vorgestellt, als fulminanter Partner des Oboisten Albrecht Mayer. Jetzt legte sein deutlich jüngerer Kollege Jean Rondeau in der Mittelheimer Basilika St. Aegidius nach, um Werbung zu machen für ein stilsicheres, klanglich potentes Cembalo-Spiel.

Jean Rondeau, Jahrgang 1991, bringt alleine schon optisch eine gewisse Erfrischung in die Cembalo-Szene: In Sachen Vollbart hat er noch einmal zugelegt, mit seiner engen schwarzen Jeans, den Espadrilles und dem weit offenen weißen Hemd könnte er auch veganes Eis in Berlin-Mitte kreieren. Dazu kommt ein Spiel, das nicht mutwillig unkonventionell ist – dass er auch Jazz-Musiker ist, drängt er nie in den Fokus –, das aber betont ausgeklügelt und für den Hörer bestimmt daherkommt. Als Typ mag Rondeau eher introvertiert sein, an den Tasten macht er allerdings große Wirkung.

Ausschließlich französische Cembalomusik der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte er auf dem Programm, darunter neben den bekannten Jean-Philipp Rameau und François Couperin auch Expertenrepertoire aus der Feder von Joseph-Nicolas-Pancrace Royer und von der Familie Forqueray. Dabei wählte er vor allem Pièces mit plastischen Titeln aus, Charakterstücke des Barock, nicht selten aus Opern entlehnt. Extrem homogen war dieses Programm, er spielte es ohne Zwischenapplaus. Auf harte Stilkontraste, etwa durch Cembalomusik des deutschen oder italienischen Barock, wollte er verzichten. Wäre interessant gewesen, war aber nicht Jean Rondeaus Intention.

Die Musik lebt durch kleine Verzögerungen

Anzeige

Was bei diesem Cembalisten sofort auffällt: Er ist ein Meister des Jeu inégales, des ungleichmäßigen Spiels. Die Musik lebt durch kleine Punktierungen und Verzögerungen. Selbst motorisch-rasante Sätze wie „La Jupiter“ aus einer Suitensammlung des Jean-Baptiste-Antoine Forqueray atmen durch diese gekonnt gesetzten notes inégales. Die Zugaben stammten von Couperin und Rameau, darunter der populäre Tanz „Les Sauvages“ aus der Oper „Les Indes galantes“, atemberaubend dargeboten. Dass Cembali, diese üppigen Wunderkästen des Barock, das Publikum faszinieren, wurde in St. Aegidius sogar in der Pause deutlich. Eine Schar Zuhörer versammelte sich da um den Klavierstimmer, in reger Diskussion mit ihm. Eine Festival-Betreuerin musste die Versammlung auflösen, damit der zweiten Konzertteil beginnen konnte.